BELÉM / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Weltklimakonferenz in Belém steht unter dem Einfluss von über 1.600 Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie. Diese Präsenz wirft Fragen zur Integrität der Klimaverhandlungen auf, da sie mehr Zugangspässe als die Delegationen der am stärksten von der Erderwärmung betroffenen Staaten haben. Die Forderung nach einem Ausschluss solcher Akteure von zukünftigen Gipfeln wird lauter.

Die Weltklimakonferenz in Belém, Brasilien, steht im Zeichen einer intensiven Debatte über den Einfluss von Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie. Eine Analyse der Koalition “Kick Big Polluters Out” zeigt, dass mindestens 1.602 Lobbyisten aus den Bereichen Öl, Gas und Kohle offiziell akkreditiert sind. Diese Zahl übersteigt die Delegiertenanzahl der zehn am stärksten von der Erderwärmung betroffenen Staaten, was die Glaubwürdigkeit der Verhandlungen in Frage stellt.
Die Lobbyisten, die oft Handels- oder Wirtschaftsverbänden angehören, haben mehr Zugangspässe als die Delegationen von Ländern wie dem Tschad, Niger und den Salomonen. Besonders brisant ist, dass 164 dieser Lobbyisten direkt über Regierungsdelegationen akkreditiert wurden. Frankreich etwa hat 22 Vertreter aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe in seiner offiziellen Delegation, darunter fünf von TotalEnergies.
Die deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin Carla Reemtsma kritisiert die Situation scharf und bezeichnet die Anwesenheit der Lobbyisten als absurd. Sie sieht darin eine grundlegende Sabotage des Klimaschutzes und fordert, dass die Vereinten Nationen große Umweltverschmutzer von zukünftigen Klimagipfeln ausschließen. Die Koalition “Kick Big Polluters Out” unterstützt diese Forderung und betont, dass die Interessen der fossilen Industrie im Widerspruch zum Ziel der Eindämmung der Erderwärmung stehen.
Die Verbrennung fossiler Brennstoffe setzt klimaschädliches Kohlendioxid frei, das zur Erderwärmung beiträgt. Die fatalen Folgen sind häufigere Naturkatastrophen wie Dürren und Stürme. Obwohl sich auf der Klimakonferenz in Dubai 2023 alle 200 Staaten auf eine Abkehr von fossilen Brennstoffen geeinigt haben, gibt es in vielen Ländern weiterhin Ausbaupläne. Die steigende Zahl der Lobbyisten auf den Konferenzen zeigt, wie stark der Einfluss der fossilen Industrie weiterhin ist.
Jax Bonbon von der Entwicklungsorganisation Ibon International bezeichnet die Situation als Farce und kritisiert den zunehmenden Einfluss der Lobbyisten. Er sieht darin eine Bedrohung für den UN-Prozess und die Menschen, die unter den Folgen der Klimakrise leiden. Die Forderung nach Transparenz und der Offenlegung von Finanzquellen und Interessenkonflikten wird immer lauter, um den Einfluss der fossilen Industrie auf die Klimapolitik zu begrenzen.
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