BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die zunehmende Verbreitung schlanker KI-Modelle stellt eine neue Bedrohung für die Informationssicherheit dar. Diese Modelle, die lokal auf PCs oder Servern laufen können, ermöglichen es kleineren Akteuren, Desinformationskampagnen zu starten. Die EU reagiert mit dem European Democracy Shield, um die Resilienz gegen solche Angriffe zu stärken.

Die zunehmende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Wirtschaft und Technologie, sondern birgt auch erhebliche Risiken für die Informationssicherheit. Besonders schlanke Sprachmodelle, die lokal auf PCs oder Servern betrieben werden können, stellen eine neue Herausforderung dar. Diese Modelle sind in der Lage, automatisierte und überzeugende Desinformationskampagnen zu generieren, was die Abwehr solcher Angriffe erschwert.
Ein aktueller Vorfall, bei dem das Sprachmodell Claude von Anthropic für einen Cyberangriff missbraucht wurde, verdeutlicht die Gefahren. Die Angreifer nutzten Rollenspiele, um das Modell zu täuschen und für schädliche Zwecke einzusetzen. Dies zeigt, dass selbst gut trainierte Modelle anfällig für Manipulationen sind, wenn die Sicherheitsvorkehrungen umgangen werden können.
Die Europäische Union hat auf diese Bedrohung reagiert und das Projekt European Democracy Shield ins Leben gerufen. Dieses soll die Resilienz gegen KI-gestützte Desinformationskampagnen stärken. Ein neues Zentrum für demokratische Resilienz wird eingerichtet, um technische Unterstützung zu bieten und die Früherkennung solcher Kampagnen zu verbessern. Experten betonen, dass es höchste Zeit für eine solche Initiative auf EU-Ebene ist, da die Propagandamaschinerien von Drittstaaten durch KI-Anwendungen einen erheblichen Schub erhalten haben.
Die Gefahr geht weniger von großen, webbasierten Sprachmodellen wie Claude oder ChatGPT aus, da diese zentral gesteuert und bei Auffälligkeiten schnell deaktiviert werden können. Vielmehr sind es die schlanken Modelle, die lokal betrieben werden und vollständig unter der Kontrolle der Betreiber stehen, die eine größere Bedrohung darstellen. Diese Modelle sind gut genug, um automatisierte Desinformationskampagnen zu generieren, ohne dass große Rechenzentren erforderlich sind.
Die EU setzt verstärkt auf Faktenchecker, um verdeckte, KI-gestützte Kampagnen frühzeitig zu identifizieren. In Rumänien mussten sogar die Präsidentschaftswahlen wiederholt werden, da die Desinformationskampagnen zu spät erkannt wurden. Um das Ausmaß solcher Kampagnen schnell zu erfassen, können einfache KI-Anwendungen nützlich sein, die ähnliche Sujets und Botschaften identifizieren und sammeln.
Der Sicherheitsforscher Lukasz Olejnik sieht den Westen in der Defensive, da rechtstaatliche Beschränkungen für den Einsatz solcher Mittel nur im Westen gelten. In autoritären Staaten sind dagegen nahezu alle Mittel legitim. Olejnik betont, dass die Kombination von Desinformation und KI als systemisches Problem erkannt werden muss, um adäquat darauf reagieren zu können.
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