FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der europäische Chemiesektor steht vor erheblichen Herausforderungen, da strukturelle und konjunkturelle Faktoren die Branche belasten. Während der DAX in diesem Jahr um über 21 Prozent gestiegen ist, verzeichnen viele deutsche Chemiewerte Verluste. Besonders LANXESS und Evonik sind betroffen, während BASF sich als Ausnahme präsentiert und Kursgewinne verzeichnet.

Der europäische Chemiesektor sieht sich derzeit mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, die sowohl struktureller als auch konjunktureller Natur sind. Laut einer Analyse der Citigroup und des Bankhauses Metzler stehen diversifizierte Unternehmen unter Druck, was zu einer vorsichtigeren Haltung bei Investoren führt. Der Stoxx Europe 600 Chemicals Index hat in diesem Jahr bereits acht Prozent seines Wertes eingebüßt, was ihn nach dem Mediensektor zum zweitgrößten Verlierer macht.
Im Gegensatz dazu hat der DAX in diesem Jahr mehr als 21 Prozent zugelegt, was die Verluste im Chemiesektor umso deutlicher macht. Besonders betroffen sind die Aktien von LANXESS und Evonik, die bis zu 27 Prozent verloren haben. Trotz dieser negativen Entwicklung gibt es auch positive Ausnahmen: Die Aktie von BASF konnte am Donnerstag via XETRA zeitweise um zwei Prozent zulegen und weist für das Jahr 2025 ein Kursplus von fast vier Prozent auf.
Die Citigroup sieht BASF als bevorzugten Wert unter den diversifizierten Chemiekonzernen für das Jahr 2026. Dies steht im Gegensatz zur Einschätzung von Metzler, die BASF gemeinsam mit LANXESS herabgestuft hat. Metzler-Analyst Thomas Schulte-Vorwick geht davon aus, dass die schwache zyklische Nachfrage, anhaltende Überkapazitäten in China und die hohe Kostenbasis in Europa auch 2026 Probleme bereiten werden.
In diesem schwierigen Umfeld empfiehlt Schulte-Vorwick eine defensive Strategie mit den Aktien des Schmierstoffherstellers FUCHS SE und einer Kaufempfehlung für Symrise. Citi-Analyst Sebastian Satz sieht das Risiko für die operative Gewinnentwicklung im Sektor bei durchschnittlich drei Prozent, wobei die Aktienkurse dies bereits widerspiegeln. Satz hebt BASF hervor, da der neue Verbundstandort in China das Unternehmen zum Hauptprofiteur geopolitischer Strategien machen könnte.
Attraktive Anlagemöglichkeiten sieht Satz auch in Arkema und Evonik, obwohl es beiden an kurzfristigen Kurstreibern mangelt. Er rät jedoch von Solvay und WACKER CHEMIE ab. Eine neutrale Bewertung erhielt Clariant von der Citigroup, während Covestro nach der Übernahme durch Adnoc ebenfalls neutral bewertet wird.
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