BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Kommission hat Deutschland aufgefordert, die Digitalisierung seiner Steuerverwaltung zu beschleunigen. Trotz vorhandener Digitalstrategien gibt es Hindernisse bei der Umsetzung, die auf die föderale Struktur des Landes zurückzuführen sind. Die Kommission kritisiert zudem, dass Deutschland keine offiziellen Schätzungen zu nationalen Steuerschlupflöchern veröffentlicht.

Die Europäische Kommission hat Deutschland in einem aktuellen Bericht dazu aufgefordert, die Digitalisierung seiner Steuerverwaltung zu beschleunigen. Der Bericht hebt hervor, dass die digitale Transformation in diesem Bereich nur schleppend vorankommt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die föderale Struktur Deutschlands, bei der die Aufgaben auf die einzelnen Bundesländer verteilt sind. Diese Struktur führt zu unterschiedlichen Fortschritten und Hindernissen bei der Umsetzung der Digitalstrategien.
Obwohl es in Deutschland bereits Digitalstrategien gibt, stößt deren landesweite Umsetzung auf erhebliche Hindernisse. Diese Probleme sind nicht nur technischer Natur, sondern auch organisatorisch bedingt. Die Kommission betont, dass eine einheitliche und koordinierte Vorgehensweise notwendig ist, um die Effizienz der Steuerverwaltung zu steigern und die Digitalisierung voranzutreiben.
Ein weiterer Kritikpunkt der Kommission ist, dass Deutschland bislang keine offiziellen Schätzungen zu nationalen Steuerschlupflöchern veröffentlicht. Diese Schätzungen könnten den politischen Entscheidungsträgern helfen, die Art und den Umfang der Probleme bei der Steuererhebung besser zu verstehen. Das Bundesfinanzministerium arbeitet jedoch an einem EU-Projekt zur Schätzung dieser Schlupflöcher, was einen Schritt in die richtige Richtung darstellt.
Interessanterweise zeigt der Bericht, dass Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten weniger Einnahmen durch Steuerschlupflöcher verliert. Die Lücke bei der Körperschaftssteuer wird auf 7,6 Prozent geschätzt, während die Schattenwirtschaft 8,8 Prozent ausmacht. Diese Werte liegen unter dem EU-Durchschnitt, der bei knapp 11 Prozent für die Körperschaftssteuer und 17,6 Prozent für die Schattenwirtschaft liegt. Bei der Mehrwertsteuer-Lücke liegt Deutschland mit 9,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im EU-Durchschnitt.
Die Kommission lobt die insgesamt gut funktionierende Verwaltung in Deutschland, weist jedoch darauf hin, dass einige Abläufe vereinfacht werden könnten. Eine effizientere Steuerverwaltung könnte nicht nur die Einnahmen erhöhen, sondern auch die Transparenz und Fairness im Steuersystem verbessern. Die Digitalisierung bietet hier enorme Chancen, die es zu nutzen gilt, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im europäischen Kontext zu stärken.
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