BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Monopolkommission hat Bedenken hinsichtlich der Wettbewerbsbedingungen beim Übergang von Kupfer- zu Glasfasernetzen geäußert. Sie warnt davor, dass die Deutsche Telekom ihre marktbeherrschende Stellung ausbauen könnte, wenn nicht mehrere Anbieter eigene Netze errichten. Die Experten fordern strenge Regulierungen, um den Wettbewerb zu fördern und Monopole zu verhindern.

Die Monopolkommission hat in ihrem 14. Sektorgutachten zur Telekommunikation auf die Risiken hingewiesen, die beim Übergang von Kupfer- zu Glasfasernetzen entstehen können. Insbesondere in Deutschland, wo die Deutsche Telekom eine dominierende Rolle spielt, besteht die Gefahr, dass sich neue Monopole bilden. Die Kommission empfiehlt daher einen Infrastrukturwettbewerb, bei dem mehrere Anbieter eigene Netze aufbauen, um langfristig den Wettbewerb zu sichern und die Verbraucher zu schützen.
Ein zentrales Anliegen der Kommission ist die Forderung nach mindestens vier Fasern pro Kabel bei Wohnungsanschlüssen. Dies soll den Verbrauchern den Wechsel des Anbieters erleichtern und die Marktmacht einzelner Unternehmen einschränken. Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, betont die kritische Phase, in der sich der Glasfaserausbau derzeit befindet, und warnt davor, dass die ehemaligen Staatsmonopolisten erneut eine dominante Stellung einnehmen könnten.
Der geplante Digital Networks Act der EU wird von der Kommission grundsätzlich positiv bewertet, jedoch wird darauf hingewiesen, dass Unternehmen mit Marktmacht, wie die Deutsche Telekom, weiterhin strengen Auflagen unterliegen sollten. Eine zu frühe Deregulierung könnte den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen, so Duso. Die Bundesnetzagentur wird aufgefordert, aktiver Kupfernetze abzuschalten und Überbau-Strategien zu stoppen, die Wettbewerber verdrängen.
Interessanterweise sieht die Kommission bei den Verhandlungen zwischen Telekommunikationsunternehmen und Tech-Giganten wie Alphabet, Amazon und Netflix keinen Handlungsbedarf. Beide Seiten verhandeln auf Augenhöhe, und es besteht kein Grund, in das Marktgeschehen einzugreifen. Für Investoren in Telekom-Aktien ist es jedoch wichtig, die Debatte um strengere Regulierungen zu verfolgen, da diese den Ausbau bremsen, aber gleichzeitig Innovationen fördern könnten.
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