BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Fast sechs Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland verteidigt Jens Spahn, der damalige Gesundheitsminister, sein umstrittenes Krisenmanagement. Trotz der Kritik des Bundesrechnungshofs und der Corona-Sonderermittlerin Margaretha Sudhof betont Spahn die Herausforderungen der damaligen Zeit und die Notwendigkeit schnellen Handelns.

Fast sechs Jahre nach dem Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland steht Jens Spahn, der damalige Gesundheitsminister, erneut im Fokus der Kritik. In einer Anhörung der Corona-Enquetekommission des Bundestags verteidigte Spahn sein Krisenmanagement, das von vielen Seiten als umstritten gilt. Der Bundesrechnungshof und die Corona-Sonderermittlerin Margaretha Sudhof hatten zuvor scharfe Kritik an der Beschaffungspolitik des Gesundheitsministeriums unter Spahn geübt.
Spahn betonte, dass es zu Beginn der Pandemie keine Blaupause für den Umgang mit einer solchen Krise gab. Die Bilder aus Bergamo, New York und London, die von überfüllten Krankenhäusern und vielen Toten zeugten, wollte man in Deutschland unbedingt vermeiden. Oberstes Ziel sei es gewesen, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Besonders die Beschaffung von Schutzmasken stand im Mittelpunkt der Kritik. Laut Oliver Sievers vom Bundesrechnungshof wurden 5,8 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro gekauft, von denen 3,4 Milliarden vernichtet werden mussten.
Die Kritik richtete sich auch gegen die eigenmächtige Beschaffungspolitik des Ministeriums, die gegen den Rat der Fachabteilungen erfolgte. Diese Praxis führte zu erheblichen Kosten und Risiken, wie Sudhof in ihrem Bericht darlegte. Spahn verteidigte sich mit dem Hinweis, dass die zuständigen Beschaffungsämter des Bundes nicht in der Lage gewesen seien, die benötigten Mengen schnell zu beschaffen. Es habe eine Art “Wildwest”-Situation geherrscht, in der schnelles Handeln gefragt war.
Die Diskussion um Spahns Krisenmanagement zeigt, dass die Strukturen zur Bewältigung solcher Krisen noch immer nicht krisenfest sind. Sudhof forderte einen ständigen Dialog zwischen Experten, um besser auf zukünftige Krisen vorbereitet zu sein. Die Folgen der damaligen Beschaffungspraxis sind noch nicht abgeschlossen, wie ein aktueller Rechtsstreit zeigt, bei dem das Oberlandesgericht Köln den Bund zur Zahlung von 86 Millionen Euro an eine Handelsfirma verurteilte.
Spahn selbst räumte ein, dass er im Nachhinein einige Dinge anders machen würde, insbesondere die Breite der Beratung von Anfang an öffentlich zu machen. Ziel der aktuellen Diskussionen ist es, aus den Erfahrungen zu lernen und für zukünftige Krisensituationen besser gerüstet zu sein.
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