BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU-Mitgliedstaaten haben sich darauf geeinigt, die Einführung eines digitalen Euros voranzutreiben, während sie gleichzeitig die Akzeptanz von Bargeld im Handel sicherstellen wollen. Diese Entscheidung zielt darauf ab, die Abhängigkeit Europas von US-Zahlungsdienstleistern zu verringern und die Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken.

Die Europäische Union steht vor einem bedeutenden Schritt in der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Die 27 EU-Botschafter haben sich für die Entwicklung eines digitalen Euros ausgesprochen, der sowohl online als auch offline verfügbar sein soll. Diese Entscheidung unterstreicht das Bestreben der EU, ihre finanzielle Unabhängigkeit zu stärken und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Zahlungsdienstleistern wie Visa und Mastercard zu reduzieren.
Gleichzeitig betont der EU-Rat die Notwendigkeit, den Bargeldverkehr zu schützen. Einzelhändler und Dienstleister sollen verpflichtet werden, Bargeld als Zahlungsmittel zu akzeptieren, um eine vollständige Abkehr von Münzen und Scheinen zu verhindern. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass Verbraucher weiterhin die Wahl haben, mit Bargeld zu bezahlen, und dass die Infrastruktur für Bargeldtransaktionen erhalten bleibt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits ihre Unterstützung für den digitalen Euro signalisiert und plant, diesen bis 2029 einzuführen. Der digitale Euro soll das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Die EZB sieht in der Einführung des digitalen Euros eine Antwort auf den rückläufigen Gebrauch von Bargeld in Europa und eine Möglichkeit, die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken.
Allerdings gibt es auch Kritik an dem Projekt. Banken äußern Bedenken hinsichtlich der Integration des digitalen Euros in bestehende Zahlungssysteme, da dies mit erheblichen Kosten und Aufwand verbunden sein könnte. Auch im Europaparlament gibt es Stimmen, die den digitalen Euro nur dann befürworten, wenn keine privatwirtschaftlichen Alternativen vorhanden sind. Der spanische Abgeordnete Fernando Navarrete plädiert für eine Offline-Variante des digitalen Euros, um Zahlungen auch ohne Internetverbindung zu ermöglichen.
Der Handel zeigt sich skeptisch gegenüber der vorgeschlagenen Bargeldannahmepflicht. Vertreter des Handelsverbandes argumentieren, dass die Kosten für Bargeldtransaktionen hoch seien und die Logistik der Bargeldversorgung nicht ausreichend geklärt sei. Dennoch sieht der EU-Rat vor, dass die Mitgliedstaaten Pläne zur Sicherstellung der Bargeldversorgung entwickeln, um auf mögliche Störungen im digitalen Zahlungsverkehr vorbereitet zu sein.
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