BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ab 2026 müssen Bauherren und Handwerker in Deutschland bei fehlenden Schadstoffdaten zwingend externe Experten hinzuziehen. Diese neue Regelung der Gefahrstoffverordnung soll die Sicherheit auf Baustellen erhöhen, führt jedoch zu längeren Planungszeiten und potenziellen Kostenkonflikten. Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, ausreichend zertifizierte Fachleute zu finden, um die neuen Anforderungen zu erfüllen.

Die verschärfte Gefahrstoffverordnung, die seit Ende 2024 in Kraft ist, bringt ab 2026 neue Pflichten für Bauherren und Handwerker mit sich. Insbesondere die Hinzuziehungspflicht für externe Experten bei fehlenden Schadstoffdaten stellt eine bedeutende Änderung dar. Bauherren müssen nun sicherstellen, dass alle potenziellen Gefahrstoffe, wie Asbest, identifiziert und bewertet werden, bevor Sanierungsarbeiten beginnen können. Diese Regelung soll die Sicherheit auf Baustellen erhöhen, birgt jedoch auch Herausforderungen in der Umsetzung.
Ein zentrales Element der neuen Verordnung ist die Definition eines Informationsdefizits. Gebäude, die vor dem 31. Oktober 1993 errichtet wurden und kein gültiges Schadstoffkataster besitzen, fallen unter diese Kategorie. In solchen Fällen darf nicht mehr von einem unbelasteten Objekt ausgegangen werden. Stattdessen müssen zertifizierte Fachleute hinzugezogen werden, um eine rechtskonforme Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Diese Experten müssen in der Lage sein, technische Erkundungen zu planen und historische Bauunterlagen auszuwerten.
Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, ausreichend zertifizierte Fachleute zu finden, um die neuen Anforderungen zu erfüllen. Der Bedarf an zertifizierten Schadstoffgutachtern wird voraussichtlich stark ansteigen, was zu Engpässen führen könnte. Handwerksverbände haben bereits Aufklärungskampagnen gestartet, um Bauherren und Handwerker auf die neuen Pflichten vorzubereiten. Die Botschaft ist klar: Wer keine Daten hat, muss jemanden beauftragen, der sie beschafft.
Die Umsetzung der neuen Regelungen wird auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Die verbindlichen Schadstoffscreenings und Expertengutachten werden die Planungsphasen von Sanierungsprojekten verlängern und zu Kostenstreitigkeiten führen. Unklar ist oft, wer die Kosten für den externen Gutachter tragen muss – der Bauherr oder der Auftragnehmer. Die Verordnung sieht eine Mitwirkungspflicht des Eigentümers vor, während die Sicherheitsverantwortung beim Arbeitgeber bleibt. Diese Unsicherheiten könnten zu Konflikten führen, die die Umsetzung der neuen Regelungen weiter erschweren.
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