HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) ist von großen Erwartungen und ebenso großen Enttäuschungen geprägt. Während einige Unternehmen weiterhin massiv in KI investieren, zeigen sich in der Praxis oft nur geringe Produktivitätssteigerungen. Gleichzeitig steigen die Cyberrisiken, und erste Unternehmen streichen Arbeitsplätze.

Die Künstliche Intelligenz (KI) wird oft als revolutionäre Technologie angepriesen, die die Produktivität in Unternehmen drastisch steigern soll. Doch in der Realität zeigt sich ein anderes Bild: Viele Unternehmen berichten von ausbleibenden Produktivitätssteigerungen, während die Risiken im Bereich Cybersecurity zunehmen. Diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität wirft Fragen auf, ob die Versprechungen der Tech-Konzerne nicht mehr als cleveres Marketing sind.
Ray Kurzweil, Chefentwickler bei Google, hat vor den Gefahren der sogenannten KI-Singularität gewarnt. Diese beschreibt den Zeitpunkt, an dem KI die menschliche Intelligenz übertrifft und sich selbstständig weiterentwickelt. Doch bislang sind solche Szenarien eher theoretischer Natur. In der Praxis liefern KI-Systeme vor allem Antworten, die auf großen Datenmengen basieren, ohne dabei die erhofften Quantensprünge in der Produktivität zu erreichen.
Dennoch investieren Unternehmen weiterhin in KI-Technologien. Eine Studie der Managementberatung Horváth zeigt, dass Industrieunternehmen ihre KI-Budgets um 21 Prozent erhöhen wollen, während Dienstleister eine Steigerung von neun Prozent planen. Diese Investitionen zielen darauf ab, Prozesse neu zu gestalten und Effizienzsteigerungen zu realisieren. Doch der Erfolg solcher Vorhaben hängt stark von der strukturellen Integration der Technologie ab.
Ein weiterer Aspekt ist der Faktor Mensch. Professorin Uta Wilkens von der Ruhr-Universität Bochum betont, dass der Umgang mit KI auch von den Fähigkeiten der Mitarbeiter abhängt. Derzeit wird KI oft experimentell genutzt, um neue Ansätze zu entwickeln und bestehende Prozesse zu inspirieren. Die vollständige Automatisierung von Prozessen ist jedoch noch nicht in Sicht.
Die Risiken, die mit dem Einsatz von KI einhergehen, sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft PWC zeigt, dass 67 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen in Unternehmen feststellen, dass generative KI die Angriffsfläche für Cyberangriffe vergrößert. Dies hat bereits zu erheblichen Datendiebstählen und -missbräuchen geführt.
Trotz dieser Herausforderungen setzen einige Unternehmen verstärkt auf KI, um Kosten zu senken. Ein Tochterunternehmen der Allianz-Versicherung plant, über 1.500 Mitarbeiter durch KI zu ersetzen, insbesondere in Callcentern. Dies zeigt, dass der technologische Wandel auch erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben kann.
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