HAMBURG / BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Analyse zeigt, dass KI-gestützte Meeting-Bots in Bewerbungsgesprächen gegen die DSGVO und den EU-KI-Akt verstoßen. Deutsche Unternehmen riskieren hohe Bußgelder und Klagen, da diese Technologien oft ohne ausreichende Kontrolle eingesetzt werden.

In deutschen Personalabteilungen wächst die Sorge über den Einsatz von KI-gestützten Meeting-Bots. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass Tools wie Otter.ai oder Microsoft Copilot in Bewerbungsgesprächen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und den EU-KI-Akt verstoßen könnten. Diese Bots, die oft als stille Teilnehmer auftreten, zeichnen Gespräche auf und verarbeiten Sprachdaten, ohne dass Bewerber die Tragweite vollständig verstehen. Experten warnen vor einer systemischen Datenschutzlücke, die deutsche Unternehmen anfällig für Klagen und hohe Bußgelder macht.
Im Zentrum der Diskussion steht der Bericht der Denkfabrik Social Europe, der sogenannte „Schatten-KI“ als Hauptgefahr identifiziert. Diese Tools werden häufig von Mitarbeitern eigenmächtig installiert, ohne dass die IT-Abteilung davon weiß. Ein typisches Szenario ist, dass ein Recruiter einen KI-Assistenten zu einem Video-Interview einlädt, um eine automatische Zusammenfassung zu erhalten. Das Problem dabei ist, dass die Einwilligung der Bewerber in dieser Machtungleichheit oft rechtlich wertlos ist, da sie keine freiwillige Zustimmung im Sinne der DSGVO darstellt.
Die Rechtslage hat sich mit dem EU-KI-Akt, der ab 2026 vollumfänglich greift, weiter verschärft. Systeme für Personalmanagement und Rekrutierung werden explizit als Hochrisiko-KI eingestuft. Dies bedeutet, dass menschliche Aufsicht Pflicht ist und Einstellungsentscheidungen nicht allein auf KI-Zusammenfassungen basieren dürfen. Zudem müssen Bewerber vorab klar informiert werden, dass eine KI ihre Antworten analysiert. Die strengen Datenkontrollen sollen diskriminierende Ergebnisse verhindern, doch viele Unternehmen unterschätzen die weitreichenden Anforderungen des EU-KI-Akts.
Besondere Vorsicht ist bei der Verarbeitung von Artikel-9-Daten der DSGVO geboten, die in Vorstellungsgesprächen häufig preisgegeben werden. Für die Aufzeichnung solcher hochsensiblen Daten reicht das „berechtigte Interesse“ des Arbeitgebers nicht aus. Hier ist eine ausdrückliche, verstärkte Einwilligung nötig. Die Gefahr potenziert sich durch die „Always-on“-Funktion mancher Bots, die versehentlich vertrauliche interne Meetings aufzeichnen können. Wirtschaftsverbände raten daher zu sofortigen Notfallmaßnahmen, um unautorisierte KI-Erweiterungen auf Firmengeräten zu sperren und nur Enterprise-Versionen mit klaren Datenverarbeitungsverträgen zu erlauben.
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