BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU-Kommission hat neue Sicherheitsvorgaben für kritische Infrastrukturen beschlossen, die den Austausch von als hochriskant eingestuften Technologieanbietern vorschreiben. Diese Maßnahme zielt insbesondere auf chinesische Unternehmen ab und hat bereits zu Spannungen mit Peking geführt.

Die Europäische Union hat mit der Einführung des Digital Networks Act einen bedeutenden Schritt zur Stärkung ihrer digitalen Souveränität unternommen. Diese neue Gesetzgebung verpflichtet die Mitgliedstaaten, Technologie von als hochriskant eingestuften Anbietern aus kritischen Infrastrukturen zu entfernen. Diese Entscheidung zielt vor allem auf chinesische Telekommunikationsunternehmen wie Huawei und ZTE ab, die in der Vergangenheit im Fokus von Sicherheitsbedenken standen.
Die EU-Kommission hat eine Frist von drei Jahren gesetzt, um die notwendigen Änderungen in 18 kritischen Sektoren, darunter Mobilfunknetze, Energienetze und Transportsysteme, umzusetzen. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie, die digitale Unabhängigkeit Europas zu stärken und potenzielle Sicherheitslücken zu schließen. Die Kosten für den Austausch der betroffenen Hardware werden auf drei bis vier Milliarden Euro geschätzt.
Die Reaktion aus China ließ nicht lange auf sich warten. Peking verurteilte die EU-Maßnahmen als diskriminierend und drohte mit Vergeltungsmaßnahmen. Chinesische Unternehmen, die seit Jahren in Europa tätig sind, sehen sich durch die neuen Regelungen benachteiligt. Das chinesische Außenministerium kritisierte die EU für die Ausweitung des Sicherheitsbegriffs, um protektionistische Handelsbarrieren zu rechtfertigen.
Für die europäische Telekommunikationsbranche stellt das neue Gesetz eine Herausforderung dar. Die Verpflichtung, bestehende Infrastruktur auszutauschen, bringt hohe Kosten mit sich und könnte zu Serviceunterbrechungen führen. Dennoch bietet der Digital Networks Act auch Vorteile, wie die Einführung unbefristeter Frequenzlizenzen, die den Netzbetreibern langfristige Investitionssicherheit bieten sollen.
Analysten weisen darauf hin, dass die Einbeziehung weiterer Sektoren über die Telekommunikation hinaus eine deutliche Ausweitung der EU-Abwehrhaltung bedeutet. Die überarbeitete Cybersecurity-Richtlinie wird auch Cloud-Dienste, Medizingeräte und vernetzte Transportlogistik unter die Lupe nehmen. Die Folgen dieser Maßnahmen werden sich durch die gesamte IT-Lieferkette ziehen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, wenn der Vorschlag das Europäische Parlament und den Rat der EU durchläuft. Widerstand ist von Mitgliedstaaten zu erwarten, die die Kosten des Infrastrukturaustauschs und die Gefahr eines Handelskonflikts mit dem zweitgrößten Handelspartner der EU fürchten. Experten sagen voraus, dass das Gesetz, wenn es verabschiedet wird, den europäischen IT-Markt grundlegend verändern wird.
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