BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Corona-Pandemie hat Schwächen im deutschen Katastrophenschutz offenbart. Zwei ehemalige Bundesinnenminister fordern nun eine gesetzliche Verankerung von Bundeskompetenzen im Katastrophenfall. Diese Änderung könnte eine effizientere Krisenbewältigung ermöglichen und erfordert möglicherweise eine Anpassung des Grundgesetzes.

Die Corona-Pandemie hat in Deutschland nicht nur gesundheitliche Herausforderungen mit sich gebracht, sondern auch Schwächen im Katastrophenschutz offenbart. In einer Sitzung der Enquete-Kommission des Bundestages zur Aufarbeitung der Pandemie wurde deutlich, dass die bisherigen Strukturen nicht ausreichen, um Krisen effizient zu bewältigen. Zwei ehemalige Bundesinnenminister, darunter Nancy Faeser von der SPD, haben deshalb vorgeschlagen, dem Bund gesetzlich verankerte Kompetenzen im Katastrophenfall zu übertragen.
Der Vorschlag zielt darauf ab, die derzeitige Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern zu überdenken. Während der Bund für den Schutz der Bevölkerung im Kriegs- und Spannungsfall verantwortlich ist, liegt der Katastrophenschutz bei den Ländern. Diese Trennung wird von den ehemaligen Ministern als nicht sinnvoll erachtet, da in beiden Fällen ähnliche Maßnahmen erforderlich sind, wie der Aufbau von Notunterkünften oder die Versorgung von Verletzten.
Ein zentrales Element des Vorschlags ist die Einführung eines Bundeskatastrophenschutzgesetzes, das eine Änderung des Grundgesetzes erfordern könnte. Thomas de Maizière, ebenfalls ehemaliger Bundesinnenminister, betonte die Notwendigkeit einer solchen gesetzlichen Grundlage, um in Krisenfällen effektiver agieren zu können. Er kritisierte die Ministerpräsidentenkonferenz, die während der Pandemie eine entscheidende Rolle gespielt hatte, als ungeeignetes Krisen-Gremium, da ihre Beschlüsse letztlich nur politische Verabredungen seien.
Die Diskussion um eine stärkere Bundeskompetenz im Katastrophenschutz wirft auch Fragen zur Balance zwischen Legislative und Exekutive auf. Während der Pandemie wurde deutlich, dass dem Bundestag oft die notwendige Informationsgrundlage fehlte, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Die Enquete-Kommission, die sich mit der Aufarbeitung der Pandemie befasst, soll bis 2027 einen Bericht mit Erkenntnissen und Handlungsempfehlungen vorlegen.
Ein weiterer Aspekt der Debatte ist die Rolle der Wirtschaft in Krisenzeiten. De Maizière schlug vor, dass es für die Wirtschaft Mitwirkungspflichten geben müsse, um die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in Krisenstäben zu verbessern. Dies könnte dazu beitragen, die Effizienz und Effektivität der Krisenbewältigung zu steigern und die Bevölkerung besser zu schützen.
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