BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz massiver Bedenken der Luftfahrtbranche hält die EU-Kommission am Starttermin für das biometrische Entry/Exit-System (EES) fest. Ab dem 9. April 2026 wird das System an allen Außengrenzen des Schengen-Raums verbindlich eingeführt. Die Luftfahrt warnt vor erheblichen Verzögerungen und langen Wartezeiten, da der Testbetrieb bereits gravierende Mängel aufzeigt.

Die EU-Kommission hat entschieden, das biometrische Entry/Exit-System (EES) wie geplant am 9. April 2026 einzuführen, ungeachtet der Warnungen aus der Luftfahrtbranche. Diese befürchtet massive Wartezeiten an den Grenzen, insbesondere während der Sommermonate. Die Kommission weist jedoch darauf hin, dass das System nach einem Übergangszeitraum ab dem 10. April 2026 an allen Außengrenzen des Schengen-Raums verpflichtend sein wird.
Die Luftfahrtverbände ACI EUROPE, A4E und IATA hatten in einem Schreiben an den EU-Innenkommissar Magnus Brunner eine Verschiebung der Einführung auf Oktober 2026 gefordert. Sie argumentieren, dass der seit Oktober 2025 laufende Testbetrieb erhebliche Mängel offenbart habe, die zu Wartezeiten von bis zu zwei Stunden führen. Im Sommer könnte sich diese Zeit ohne Anpassungen verdoppeln.
Die Kommission bleibt jedoch hart und bietet lediglich eine Flexibilitätsklausel an. Diese erlaubt es Mitgliedstaaten, die EES-Kontrollen vorübergehend für bis zu 90 Tage auszusetzen, um manuelle Passkontrollen in Stoßzeiten zu ermöglichen. Diese Klausel wird jedoch nicht als Aufschub, sondern als geplanter Übergangsmechanismus betrachtet.
Technische Probleme im Probebetrieb nähren die Skepsis der Branche. Auf Gran Canaria führten technische Fehler wiederholt zum Absturz der Grenztore, und in Lissabon wurden die biometrischen Checks nach großen Verzögerungen ausgesetzt. Die Luftfahrt fragt sich, wie das System den Sommer-Ansturm bewältigen soll, wenn es bereits im Testlauf nicht robust funktioniert.
Das EES markiert einen fundamentalen Wandel, indem es den manuellen Passstempel durch eine digitale Registrierung ersetzt. Bei der Einreise in den Schengen-Raum werden künftig Gesichtsbild und Fingerabdrücke von Nicht-EU-Bürgern erfasst. Diese massenhafte Erfassung biometrischer Daten wirft erhebliche Datenschutzfragen auf, die systematisch bewertet werden müssen.
Mit weniger als zwei Monaten bis zum Stichtag wächst der Druck auf nationale Regierungen und Reiseanbieter. Die Kommission hat einen formalen Aufschub abgelehnt, und es bleibt abzuwarten, wie intensiv die Mitgliedstaaten von der Aussetzungs-Klausel Gebrauch machen werden. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die grundlegenden Personal- und Technikprobleme wohl bis weit in die zweite Jahreshälfte bestehen bleiben.
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