BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Gesetzesnovelle in Deutschland verwandelt Sanktionsverstöße in Straftaten, die mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden können. Unternehmen müssen nun ihre Compliance-Prozesse und Lieferkettenprüfungen erheblich verstärken, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Die jüngste Gesetzesnovelle in Deutschland hat das Sanktionsrecht erheblich verschärft. Seit Februar 2026 gelten Verstöße gegen Sanktionen nicht mehr als bloße Ordnungswidrigkeiten, sondern als Straftaten, die mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden können. Diese Änderung setzt eine EU-Richtlinie um und erhöht das persönliche Haftungsrisiko für Geschäftsführer und Exportverantwortliche erheblich. Angesichts der geopolitischen Spannungen, insbesondere durch den Ukraine-Krieg, wird eine lückenlose Überprüfung gegen internationale Sanktionslisten zur Überlebensfrage für viele Unternehmen.
Unternehmen sehen sich nun gezwungen, ihre Compliance-Systeme technologisch aufzurüsten. Eine manuelle Überprüfung der ständig wachsenden Sanktionslisten der EU und UN ist kaum noch machbar und birgt ein hohes Fehlerpotenzial. Experten empfehlen daher den Einsatz automatisierter Softwarelösungen, die einen kontinuierlichen und lückenlosen Abgleich gewährleisten können. Zudem müssen Unternehmen ihre Risikoanalysen regelmäßig aktualisieren und besonders auf Transaktionen über Drittstaaten achten, um Umgehungen von Sanktionen zu verhindern.
Die Reform betrifft insbesondere Verstöße gegen Finanzsanktionen und sektorale Handelsverbote. Neu unter Strafe gestellt sind unter anderem die vorsätzliche Umgehung von Sanktionen, leichtfertige Verstöße gegen Ausfuhrverbote für Dual-Use-Güter und Geschäfte mit bestimmten staatsnahen russischen Unternehmen. Diese Ausweitung zwingt Unternehmen zu einer kompletten Neubewertung ihrer Geschäftsbeziehungen und Lieferketten. Die Botschaft des Gesetzgebers ist klar: Nachlässigkeit wird nicht mehr geduldet.
Für den exportstarken deutschen Mittelstand bedeutet die Harmonisierung auf EU-Ebene zwar fairere Wettbewerbsbedingungen, jedoch auch massive Investitionen in neue Compliance-Prozesse. Unternehmen müssen jetzt ihre gesamte Lieferkette im Blick behalten und sicherstellen, dass ihre Produkte nicht auf Umwegen in sanktionierte Länder gelangen. Proaktives Handeln ist entscheidend, um Strafen und Reputationsschäden zu vermeiden und sich als verlässlicher Partner im internationalen Handel zu positionieren.
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