BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland erhalten Gründerinnen nur einen Bruchteil des Risikokapitals, während männliche Teams Milliarden sichern. Diese Ungleichheit gefährdet die Innovationskraft und zeigt strukturelle Probleme im Investorenmarkt auf.

In der deutschen Startup-Szene zeigt sich eine alarmierende Ungleichheit bei der Vergabe von Risikokapital. Während weltweit die Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) boomen, gehen deutsche Gründerinnen nahezu leer aus. Diese Diskrepanz zwischen den Geschlechtern stellt nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung dar, sondern gefährdet auch die Innovationskraft des Landes. Laut dem EY Startup Barometer für 2024 erhielten ausschließlich von Frauen gegründete Startups lediglich 43 Millionen Euro an Risikokapital, ein Rückgang von 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Im Gegensatz dazu sicherten sich rein männliche Gründungsteams beeindruckende 6,2 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 25 Prozent entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass auf Frauenteams nur ein Prozent des gesamten Investitionsvolumens entfällt, obwohl sie vier Prozent der finanzierten Startups ausmachen. Gemischte Teams schnitten mit einem Anteil von zwölf Prozent etwas besser ab. Finanzbeobachter kommentieren, dass sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten traditionelle Investitions-Bias verhärten, was den Einstieg für Frauen zusätzlich erschwert.
Die Ursachen für diese Schieflage sind vielfältig. Der Female Founders Monitor des Startup-Verbands und der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass der Anteil weiblicher Gründer im Jahr 2025 auf 18,8 Prozent gesunken ist. Bereits im Studium zeigt sich eine Kluft: Während 40 Prozent der männlichen Studenten über eine Gründung nachdenken, sind es bei Frauen nur 21 Prozent. Zudem sind Frauen stärker in weniger finanzierungsintensiven Sektoren wie Agrar-Technologie vertreten, während im hochdotierten Software- und Analytics-Bereich nur elf Prozent der Gründer Frauen sind.
Ein weiteres Problem sind die homogenen Investor-Netzwerke. Die VC-Branche im DACH-Raum ist männlich dominiert, und Investoren neigen dazu, Gründer zu fördern, die ihrem eigenen Hintergrund ähneln. Da es in Deutschland kaum weibliche Business Angels und VC-Partner gibt, fehlt Gründerinnen häufig die entscheidende Frühphasen-Unterstützung. Initiativen wie die Wo//men Investors Alliance in München versuchen, diese Lücke zu schließen, indem sie Gründerinnen gezielt mit Investoren vernetzen. Verbände fordern zudem spezielle Fonds für Frauen und verpflichtende Bias-Trainings für VC-Entscheider, um eine inklusivere Gründungslandschaft zu schaffen.
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