BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Startup-Szene in Deutschland steht vor einem massiven Problem der Geschlechterungleichheit. Trotz der Betonung von Diversität fließen 94 Prozent des Risikokapitals an männliche Gründerteams, während Gründerinnen nur ein Prozent erhalten. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass strukturelle Faktoren und Branchen-Bias diese Schieflage verstärken.

Die deutsche Startup-Szene sieht sich mit einer erheblichen Geschlechterungleichheit konfrontiert, die sich in der Verteilung des Risikokapitals manifestiert. Im Jahr 2025 flossen 94 Prozent der 7,8 Milliarden Euro Risikokapital an rein männliche Gründerteams, während weibliche Teams lediglich ein Prozent erhielten. Diese Zahlen stammen aus einer Analyse von EY-Parthenon, die 660 finanzierte Startups untersuchte.
Die Untersuchung zeigt, dass von den 660 Startups 536 ausschließlich von Männern gegründet wurden, was einem Anteil von 81 Prozent entspricht. Nur drei Prozent der Startups hatten ein rein weibliches Gründungsteam. Der Rest verteilte sich auf gemischte Teams. Besonders alarmierend ist, dass der Frauenanteil unter allen Gründern von elf Prozent im Jahr 2024 auf neun Prozent in 2025 sank.
Ein weiterer Faktor, der zur Ungleichheit beiträgt, ist der Branchen-Bias. Gründerinnen konzentrieren sich häufiger auf Sektoren wie E-Commerce, Bildung und Klima-Tech, die zwar Kapital anziehen, aber selten die Größenordnungen von Software, Fintech oder Defense erreichen. In diesen kapitalintensiven Branchen liegt der Frauenanteil bei mageren 5,5 Prozent oder weniger.
Die Ursachen für diese Schieflage sind tief in strukturellen Faktoren verwurzelt. Frauen sind in MINT-Fächern nach wie vor unterrepräsentiert, was die Basis für viele Tech-Startups bildet. Hinzu kommen fehlende weibliche Vorbilder und unvereinbare Rahmenbedingungen zwischen Familie und Unternehmertum. Ein homogenes Investoren-Netzwerk verstärkt diese Schieflage zusätzlich.
Die Venture-Capital-Welt spricht oft von Meritokratie, doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Wenn 94 Prozent des Kapitals an Männerteams gehen, liegt das nicht an fehlender Qualität bei Gründerinnen, sondern an einem System, das Frauen systematisch ausschließt. Solange Investoren in homogenen Netzwerken agieren und Frauen in Tech-Studiengängen fehlen, bleibt der Gender-Gap bestehen.
Für Investoren sollte dies ein Weckruf sein, denn wer die Hälfte des Talentpools ignoriert, verschenkt Rendite. Diversität ist kein Nice-to-have, sondern ein wirtschaftlicher Imperativ. Wer das nicht versteht, wird langfristig verlieren.
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