MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Erdrotation ist ein faszinierendes Phänomen, das durch verschiedene natürliche Prozesse beeinflusst wird. Eine neue Forschungsgruppe an der LMU München widmet sich der genauen Messung dieser Schwankungen. Mit einem Fördervolumen von vier Millionen Euro durch die DFG wird die Gruppe innovative Technologien wie Ringlaser einsetzen, um die Erdrotation präzise zu analysieren.

Die Erde dreht sich wie ein gigantischer Kreisel um ihre eigene Achse, doch diese Bewegung ist keineswegs konstant. Verschiedene Faktoren wie Hochdruckgebiete in der Atmosphäre, die Verlagerung von Wassermassen durch Ebbe und Flut sowie das Abschmelzen der Eisschilde an den Polen beeinflussen die Rotationsgeschwindigkeit unseres Planeten. Diese Schwankungen stehen im Fokus der neuen Forschungsgruppe „RING: Rotationsbewegungen in der Physik, Geophysik und Geodäsie“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit vier Millionen Euro gefördert wird.
Die präzise Messung der Erdrotation ist nicht nur für die Erforschung des Klimawandels von Bedeutung, sondern auch für die Funktionalität moderner Navigationssysteme unerlässlich. Heiner Igel, Professor für Geophysik und Seismologie an der LMU München und Sprecher der Forschungsgruppe, betont die Wichtigkeit genauer Daten. Um bislang kaum messbare Veränderungen der Erdrotation sichtbar zu machen, setzt die Gruppe auf den Einsatz von Ringlasern. Diese optischen Messinstrumente nutzen den Sagnac-Effekt, bei dem gegenläufige Laserstrahlen eine frequenzabhängige Verschiebung zeigen, die direkt mit der Rotationsrate der Erde zusammenhängt.
Die Forschungsgruppe baut auf ihrer langjährigen Expertise mit dieser Technologie auf und plant, sowohl große stationäre Ringlaser als auch portable Sensoren weiterzuentwickeln. Ziel ist es, extrem empfindliche Rotationsmessungen mit hoher Stabilität zu erreichen, die sowohl in der Geodäsie als auch in der Geophysik eingesetzt werden können. Dadurch sollen neue Einblicke in Prozesse gewonnen werden, die die Erdrotation beeinflussen, sowie genauere Analysen von Erdbeben und den dadurch ausgelösten seismischen Wellen ermöglicht werden.
Die neue Forschungsgruppe besteht aus sechs Teilprojekten, an denen neben der LMU auch die Universität Bonn und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie beteiligt sind. Weitere Partner sind die TU München, das GFZ Potsdam, das KIT Karlsruhe, die Universität Hamburg sowie die Hamburger Sternwarte, die Universität Hannover, die TU Berlin und das BKG-Observatorium Wettzell. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.
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