PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein französisches Gericht hat den Zementhersteller Lafarge zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen Schutzgelder an islamistische Milizen in Syrien gezahlt hatte. Diese Zahlungen sollen indirekt die Terroranschläge in Paris 2015 ermöglicht haben.

Ein französisches Gericht hat den Zementhersteller Lafarge zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen Schutzgelder an islamistische Milizen in Syrien gezahlt hatte. Diese Zahlungen sollen indirekt die Terroranschläge in Paris 2015 ermöglicht haben, bei denen 130 Menschen ums Leben kamen. Der ehemalige Chef des Unternehmens wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, während das Unternehmen selbst die höchstmögliche Strafzahlung von 1,125 Millionen Euro leisten muss.
Die Zahlungen in Höhe von insgesamt 5,6 Millionen Euro gingen an die Miliz Islamischer Staat (IS) und zwei weitere Gruppen, um den Betrieb einer Zementfabrik in Syrien während des Bürgerkriegs aufrechtzuerhalten. Die Vorsitzende Richterin Isabelle Prévost-Desprez betonte, dass diese Gelder dem IS geholfen hätten, Anschläge in Europa zu organisieren. Mehrere Angehörige der Opfer der Pariser Anschläge traten als Nebenkläger im Prozess auf.
Lafarge, das mittlerweile von dem Schweizer Konzern Holcim übernommen wurde, habe eine regelrechte Geschäftspartnerschaft mit dem IS eingegangen, so die Richterin. Die Verteidigung argumentierte, dass das Unternehmen von den Milizen erpresst worden sei, doch interne Kommunikation deutete auf ausgehandelte Vereinbarungen hin. Der frühere Chef des syrischen Tochterunternehmens, Bruno Pescheux, erklärte, dass das Unternehmen mit einem schnellen Ende des Konflikts gerechnet habe.
Die Staatsanwaltschaft erkannte an, dass die Angeklagten nicht die dschihadistische Ideologie unterstützten, kritisierte jedoch das Fehlen von Eingeständnissen und Reue. Lafarge hatte 2012 seine internationalen Mitarbeiter aus Syrien abgezogen, doch das Zementwerk blieb mithilfe der syrischen Mitarbeiter in Betrieb. 2014 übernahm der IS die Kontrolle über das Werk. Auch in den USA gab es bereits ein Verfahren gegen Lafarge beziehungsweise Holcim.
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