MOUNTAIN VIEW / LONDON (IT BOLTWISE) – Google arbeitet nach eigenen internen Tests daran, Passkeys künftig zwischen Passwort-Managern auf Android zu übertragen. Nutzer sollen dafür im Google Password Manager neue Import- und Export-Optionen sehen, während ein Ziel-Passwortmanager den Transfer künftig anstößt. Der Schritt adressiert eine der größten Schwächen von Passkeys: die bislang fehlende einfache Portabilität außerhalb des eigenen Ökosystems. Gleichzeitig ist offen, wann und für welche Anbieter das Feature offiziell ausgerollt wird.

Passkeys gelten in der Theorie als deutlicher Sicherheitsgewinn gegenüber klassischen Passwörtern, weil sie nicht einfach erraten oder über Phishing abgegriffen werden können. In der Praxis bleibt jedoch eine Hürde: Während Betriebssysteme und Ökosysteme Passkeys oft gerätespezifisch oder innerhalb eigener Synchronisationskanäle weitergeben, ist der Wechsel zu einem anderen Passwort-Manager bislang komplizierter. Branchenbeobachter sehen darin eine Bremse für die Adoption bei Unternehmen und Power-Usern, die bewusst einheitliche Sicherheits-Policies über mehrere Apps hinweg fahren wollen. Genau hier setzt ein neuer Testlauf von Google auf Android an.
Konkret deutet sich an, dass Google auf Android eine Benutzeroberfläche aktiviert, mit der Passkeys zwischen Apps transferiert werden können – nicht nur innerhalb des Google-eigenen Synchronisationsmodells. Laut den aufgedeckten Funktionen lassen sich im Google Password Manager derzeit bereits neue Einstellungsoptionen erkennen, die sprachlich zwischen dem Import/Export von Passwörtern und dem ergänzenden Transfer von Passkeys trennen. Im sichtbaren UI-Umfeld stehen damit statt einfacher „Import passwords“/„Export passwords“ künftig „Import passwords & passkeys“ sowie „Export passwords & passkeys“ im Raum. Wichtig: Der Mechanismus wirkt getestet, ist aber offenbar noch nicht für alle Nutzenden freigeschaltet.
Technisch betrachtet geht es um Portabilität auf App-Ebene, also um den Übergang von Authentifizierungsdaten zwischen zwei Credential-Management-Frontends. Der Transfer soll nach aktuellem Stand nicht als direkter „Passkeys exportieren an App X“-Button enden, sondern über eine Interaktion starten: Beim Öffnen eines anderen Passwort-Managers soll dieser den Transferprozess anstoßen, wobei die Beschreibung auf eine entsprechende Prompt-Funktion hinweist. Damit folgt die Implementierung einem Ansatz, der stärker an „Credential Exchange“ erinnert als an klassisches Exportieren in eine Datei. Für die Usability ist das relevant, weil die Übergabe dann im Kontext der Ziel-App geschieht und weniger fehleranfällig wirkt.
Aus Anwendungssicht folgt daraus ein klarer Ablauf: Nutzer tippen im Google Password Manager auf „Import passwords & passkeys“, wählen anschließend den Passwort-Manager aus, der aktuell die Passkeys hält. Danach wird eine Liste unterstützter Passwort-Manager angezeigt, im Testfall etwa Bitwarden, sofern die entsprechende App installiert ist. Wird ein Ziel ausgewählt und „Next“ bestätigt, navigiert das System in die Ziel-App, wo die eigentlichen Datenübertragungen – Passwörter, Passkeys und weitere gespeicherte Elemente – angestoßen werden. Dabei berichten die Hinweise, dass Screenshots im Ziel-Setup nicht möglich waren, der Transfer aber offenbar abgeschlossen werden konnte.
Wettbewerbs- und Marktbezug entsteht vor allem durch den Vergleich mit Apple und dem breiten Geräte-Ökosystem. Apple unterstützt bereits seit neueren iOS- und macOS-Generationen eine Form des Passkey-Transfers zu Drittanbieter-Passwort-Managern, womit zumindest dort die Portabilitätslücke geschlossen wirkt. Google versucht damit, Android als gleichwertige Plattform darzustellen, auch wenn die Backend-Funktionalität offenbar noch nicht flächendeckend an Endnutzer ausgeliefert wurde. Zusätzlich wird betont, dass es bei der Unterstützung vermutlich auf Passwort-Manager ankommt, die auf einem gemeinsamen Standard aufsetzen – konkret wird das Credential Exchange Protocol (CXP) als Grundlage genannt.
Damit rückt auch die Frage nach Interoperabilität und Sicherheitsmodell in den Fokus. Wenn der Transfer an CXP-Anbieter gebunden ist, profitieren zwar „große“ Plattformen und etablierte Passwort-Manager, aber kleinere Anbieter müssen möglicherweise nachziehen. Genannt werden als mögliche Player u. a. Google, Apple und Samsung – ein Hinweis darauf, dass die wichtigsten Ökosystem-Partner den Mechanismus tragen könnten. Für Unternehmen bedeutet das: Eine Migrationsstrategie lässt sich mittelfristig planbarer machen, sofern die eingesetzten Passwort-Manager CXP-fähig sind und die Geräteflotte die entsprechenden OS-Versionen erfüllt. Sicherheitsforscher betonen in diesem Zusammenhang meist vor allem die sichere Schlüsselhandhabung, also die Frage, wie in jedem Schritt die privaten Anteile der Passkeys geschützt bleiben.
Der historische Hintergrund zeigt, warum es so lange gedauert hat. Passkeys wurden als moderne WebAuthn-/FIDO2-Mechanik vorangetrieben, die sich besser in sichere Hardware- und OS-Schichten integrieren lässt. Gleichzeitig mussten Hersteller und Anbieter erst Mechanismen entwickeln, die nicht nur „Sync innerhalb der Familie“ erlauben, sondern einen kontrollierten Transfer zwischen unterschiedlichen Credential-Policies. Der jetzige Schritt wirkt wie die Konsequenz aus einem Jahr Arbeit an einem standardisierten Austauschprozess. Selbst bei erfolgreichen Tests bleibt aber das Risiko, dass Funktionen in internen Builds landen und in der öffentlichen Freigabe später geändert oder gestrichen werden – ein Muster, das bei vielen Plattform-Roadmaps wiederkehrt.
Für den Markt ist das potenziell ein Signal: Google macht Android weniger „manager-getrieben“ und mehr „credential-neutral“. Das könnte die Wechselbereitschaft erhöhen, weil Nutzer weniger Angst haben müssen, ihre Passkeys bei der Migration zu verlieren oder aufwendig neu zu verknüpfen. Gleichzeitig konkurrieren viele Passwort-Manager mit unterschiedlichen UX- und Sicherheitsversprechen, wodurch Interoperabilität auch zu einem Vertrauensindikator wird. Branchenanalysten erwarten häufig, dass Nutzer zuerst die Portabilität wollen, bevor sie tiefer in erweiterte Features wie Rollen- und Geräte-Management einsteigen. Insofern könnte der Testlauf eine Tür öffnen, die mittelfristig auch Admin- und Compliance-Themen in Unternehmen leichter macht.
In die Zukunft gedacht, lohnt sich außerdem ein Blick auf Googles parallel kommunizierte Migrationsansätze. Berichte deuten darauf hin, dass Google daran arbeitet, das drahtlose Kopieren von Dateien, Apps und sogar Startbildschirm-Setups beim Wechsel zwischen iPhone und Android zu vereinfachen. Dabei wird zwar erwähnt, dass Passwörter leichter zu übertragen sind, aber Passkeys werden nicht explizit genannt. Sollte der Passkey-Transfer dennoch in der Praxis in diese Migrationswelle integriert werden, wäre das aus Enterprise-Sicht besonders relevant: Onboarding neuer Mitarbeiter könnte sich deutlich beschleunigen, ohne dass jede WebAuthn-Identität manuell neu registriert werden muss. Offener Punkt bleibt, wann Google den CXP-basierten Transfer offiziell für alle Nutzer aktiviert und ob dann auch genügend Passwort-Manager sauber eingebunden sind.
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