BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Eigentümerverband Haus und Grund drängt die Bundesregierung zu einem Kurswechsel beim Neubau von Wohnraum. Im Zentrum stehen konkrete Steuererleichterungen für Menschen, die zum ersten Mal eine Immobilie kaufen oder vermieten. Zudem fordert der Verband Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer und Mieteinnahmen sowie Entlastungen für Sanierungen und Käufer unter 35 Jahren. Damit soll eine neue Generation von Immobilieneigentümern entstehen, statt Wohnungsbau stärker auf Institutionen zu verlagern.

Haus und Grund fordert Steuerentlastung für Erstkäufer beim Immobilienbau
Haus und Grund fordert Steuerentlastung für Erstkäufer beim Immobilienbau (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Ruf nach mehr Wohnraum bekommt in Deutschland eine politische Zusatzdimension: Nicht nur die Menge neuer Wohnungen, sondern auch die Frage, wer sie baut, finanziert und langfristig hält. Der Eigentümerverband Haus und Grund macht dafür einen klaren Hebel aus. In einem Vorstoß an die Bundesregierung fordert der Verband einen Kurswechsel beim Neubau und argumentiert, der Staat solle nicht weiter „aufblähen“, sondern Bürgerinnen und Bürgern den Weg erleichtern, selbst in Wohneigentum zu investieren. Dahinter steht die Überlegung, dass Eigentum nicht nur Wohnqualität schafft, sondern auch als Baustein der Altersvorsorge wirkt.

Konkret setzt Haus und Grund auf steuerliche Entlastungen, die insbesondere Erstkäufer und Erstvermieter adressieren. Der Verband plädiert dafür, Käufer beim Einstieg in die Immobilienwelt bei der Grunderwerbsteuer spürbar zu entlasten. Je nach Bundesland fällt diese Steuer derzeit in Höhe von 3,5 bis 6,5 Prozent des Kaufpreises an. In der Praxis bedeutet das bei üblichen Kaufvolumina häufig eine zusätzliche Belastung im Bereich von mehreren Tausend Euro. Gerade wer zum ersten Mal kauft oder vermietet, steht damit oft vor einer Hürde, bevor überhaupt mit dem Aufbau von Vermögen und einer stabilen Wohnsituation begonnen werden kann.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ersten vermieteten Immobilie. Haus und Grund will Freibeträge etablieren, die sowohl die Grunderwerbsteuer als auch die frühen Mieteinnahmen entlasten. Dabei geht es unter anderem um die Idee, nicht nur einen Teil der Steuer zu reduzieren, sondern auch die ersten 6.000 Euro an Mieteinnahmen pro Jahr zu befreien. Aus Verbandssicht würde das die Anfangsphase erleichtern, in der Anschaffungskosten und laufende Finanzierung typischerweise noch besonders stark ins Gewicht fallen. Ökonomisch betrachtet senkt eine solche Maßnahme die „Wartezeit“ bis ein Investment in einen positiven Cashflow kippt.

Damit verbunden ist ein adressierter demografischer Engpass: Der Verband argumentiert, dass der Anteil der Menschen, die in der eigenen Immobilie wohnen, besonders in der Altersgruppe der 25- bis 45-Jährigen sinkt. Diese Lücke ist politisch und gesellschaftlich relevant, weil sie die langfristige Eigentumsquote und die Verankerung der Altersvorsorge beeinflusst. Haus und Grund schlägt deshalb einen zweckgebundenen Bonus für unter 35-Jährige vor, der auf die Erwerbsnebenkosten zielt. Ergänzend fordert der Verband finanzielle Erleichterungen bei Sanierungen, da gerade der Werterhalt und die energetische Modernisierung häufig zusätzliche Hürden für private Eigentümer schaffen.

Gleichzeitig stellt der Verband die Strategie der Bundesregierung infrage, Neubau stärker über Institutionen abzuwickeln. Haus und Grund betont, es funktioniere nicht, Neubau „in die Hände von Institutionen“ zu legen, und sieht auch eine geplante Bundesbaugesellschaft nicht als Lösung. Stattdessen fordert der Präsident des Verbandes, eine neue Generation von Immobilieneigentümern aufzubauen. Die Argumentationslinie lautet: Eigentum mache Menschen unabhängiger und helfe, gegen Unsicherheiten abzusichern. Diese Sichtweise steht im Kontrast zu Entwicklungen, in denen öffentliche Akteure, Wohnungsgesellschaften oder neue Modellförderungen eine größere Rolle spielen sollen.

Im Marktumfeld wird die Debatte zudem zwischen Interessenlinien geführt. Während Haus und Grund die Hürden für private Eigentümer senken will, pochen andere Akteure auf bezahlbare Mieten und strengere Rahmenbedingungen für neue Eigentums- und Vermietungsmodelle. Als unmittelbarer Gegenpol wird häufig der Deutsche Mieterbund genannt, der bei Entlastungen meist zugleich auf Mieterschutz und die Vermeidung von Preisdruck achtet. Für die politische Umsetzung bedeutet das: Steuerliche Vorteile müssen in eine Gesamtsicht eingebettet werden, in der Mieten, energetische Standards und kommunale Planungsfähigkeit zusammenwirken. Experten berichten daher wiederholt, dass fiskalische Anreize allein selten genügen, wenn zugleich Genehmigungen und Baukostenstrukturen nicht adressiert werden.

Technisch betrachtet lässt sich der Impuls auch als „Finanzierungs- und Anreiz-Engineering“ für den Immobilienlebenszyklus lesen. Grunderwerbsteuer und Nebenkosten wirken wie eine Eintrittsbarriere in die langfristige Vermögensbildung, während Sanierungskosten wie ein zweites „Kostenregime“ nach dem Kauf entstehen. Wenn steuerliche Entlastungen und Freibeträge gezielt in diese Übergänge gelegt werden, entsteht ein plausibler Pfad: Erstens steigt die Kaufbereitschaft, zweitens sinkt die Anfangsbelastung der Vermietung, drittens lassen sich Modernisierungen häufiger in Angriff nehmen. In der Praxis ähnelt das dem Modell aus anderen Bereichen, in denen Startphasen besonders teuer sind und staatliche Regeln den Markteintritt entscheiden.

Auch die historische Entwicklung der Debatte zeigt, warum der Zeitpunkt politisch sensibel ist. In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland bereits verschiedene Förderinstrumente und Steueränderungen diskutiert oder umgesetzt, häufig jedoch mit dem Problem, dass die Wirkung zeitverzögert ist: Selbst wenn Anreize gesetzt werden, dauern Planung, Genehmigung, Bau und Finanzierung. Hinzu kommt, dass steigende Bau- und Finanzierungskosten die Effekte fiskalischer Entlastungen relativieren können. Haus und Grund argumentiert nun, dass der Neubau nicht allein über staatliche Konstrukte beschleunigt werde, sondern durch private Investitionen, die politisch „anschlussfähig“ gemacht werden müssen. Das ist ein klares Timing-Argument: Man müsse jetzt die Eigentumsnachfrage stabilisieren, bevor sie weiter erodiert.

Für die Marktteilnehmer bedeutet das potenziell mehr Wettbewerb und mehr Kapitalflüsse in einzelne Segmente des Wohnungsmarkts. Wenn Erstkäufer entlastet werden und junge Haushalte bessere Chancen beim Erwerb haben, kann das die Angebots- und Nachfragezyklen beeinflussen. Allerdings hängt die tatsächliche Entlastungswirkung davon ab, wie stark Marktpreise die steuerliche Verbesserung „absorbieren“. Der politische Hebel muss deshalb so gestaltet werden, dass er nicht nur das Preisniveau stützt, sondern echte Investitionen in Bestand und Neubau anstößt. Aus Sicht vieler Branchenbeobachter ist es entscheidend, dass die Maßnahmen mit kommunalen Baukapazitäten, Energie- und Sanierungsanforderungen sowie einem verlässlichen Finanzierungskorridor zusammenpassen.

In die Zukunft gedacht, zeichnet sich für Unternehmen und Startups im Umfeld der Wohnungswirtschaft ein neues Koordinationsfenster ab. Wenn Politik verstärkt Anreize für Eigentum und Sanierung setzt, steigen zugleich die Anforderungen an Beratungs- und Finanzierungslösungen, etwa bei der Kombination von Kaufnebenkosten, Modernisierungsplanung und langfristiger Vermietungsrechnung. Digitale Tools, die die Förder- und Steuerlogik transparent machen, werden damit attraktiver, weil sie Komplexität reduzieren und Fehlentscheidungen verhindern. Gleichzeitig bleibt die Regulierungs- und Datenschutzdimension relevant: Steuer- und Fördermodelle basieren auf personenbezogenen Daten, wodurch saubere Informationsarchitekturen, rechtssichere Datenerhebung und sichere Verarbeitung in der Praxis entscheidend sind. Damit die neuen Anreize wirken, braucht es nicht nur steuerliche Gestaltung, sondern auch technische Umsetzungskompetenz.

Ob Haus und Grunds Vorschläge den politischen Prozess verändern, hängt an drei Engpässen: der fiskalischen Gegenfinanzierung, der Ausgestaltung in den Bundesländern und der Koordination mit Wohnungs- und Energiestandards. Eine reduzierte Grunderwerbsteuer senkt zwar die Einstiegskosten, muss aber gegen den Aufbau einer verlässlichen Neubau- und Sanierungskette stehen. Der Verband fordert dabei ausdrücklich „Hürdenabbau“ und Anreize für Neubau und Altersvorsorge, und damit liefert er eine Richtung für mögliche nächste Gesetzgebungsschritte. Für die weitere Entwicklung ist vor allem entscheidend, ob die Bundesregierung die Debatte so führt, dass private Investitionen tatsächlich in neue Wohnungen und nachhaltig sanierte Bestände münden.


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