TEL AVIV / LONDON (IT BOLTWISE) – SafeFields, ein israelischer Anbieter für die Reduktion elektromagnetischer Felder im Fahrzeug, schließt mit dem Autozulieferer Veoneer eine strategische Vereinbarung. Veoneer soll Systeme auf Basis der SafeFields-Technologie entwickeln, produzieren und vermarkten, während SafeFields die Kernkomponenten für Sensorik und aktive Feldkompensation liefert. Laut den Parteien soll die Integration direkt in der Serienfertigung von Elektro- und Hybridfahrzeugen erfolgen. Damit rückt das Thema In-Car-EMF-Messung und -Regulierung stärker in den Fokus der Automotive-Industrie.

Die nächste Welle der Fahrzeugsicherheit wird zunehmend auch von physikalischen Messgrößen geprägt: SafeFields Technologies aus Israel will elektromagnetische Belastungen im Innenraum von E- und Hybridfahrzeugen aktiv reduzieren und geht dafür mit dem Automotive-Zulieferer Veoneer in die industrielle Umsetzung. Im Kern betrifft die Vereinbarung die Integration eines EMF-Reduktionssystems direkt während der Fahrzeugfertigung, nicht als reines Nachrüstprodukt. Damit verschiebt sich das Thema von der Nische einzelner Retrofit-Lösungen hin zu einem potenziellen Serienstandard, der von Produktionsplanung, Zulieferketten und Qualitätsprozessen gleichermaßen abhängt.
SafeFields entwickelt ein System, das elektromagnetische Exposition im Passagierabteil über Sensorik und Software erfasst und in Echtzeit kompensieren soll. Das Unternehmen beschreibt den Effekt als „Active Cancellation“ – technisch vergleichbar mit dem Prinzip von geräuschunterdrückenden Kopfhörern, nur eben bezogen auf elektromagnetische Felder. Für die Praxis ist dabei entscheidend, dass die Lösung mit den typischen Randbedingungen in der Fahrzeugelektronik kompatibel bleibt: begrenzter Bauraum, EMV-Vorgaben (elektromagnetische Verträglichkeit), starke Temperatur- und Vibrationslast sowie die dynamischen Betriebszustände eines elektrifizierten Antriebs. SafeFields argumentiert, das System benötige nur geringe Zusatzmasse und zusätzlichen Energiebedarf.
Technologisch ist die Rollenverteilung in der Vereinbarung klar strukturiert: Veoneer übernimmt Engineering Development und das Hochskalieren der Produktion, während SafeFields seine Sensing- und Feld-Kompensationstechnologie bereitstellt. Für Unternehmen in der Automobilindustrie bedeutet das eine klassische Arbeitsteilung entlang der Wertschöpfung: SafeFields liefert die Kernintelligenz und Sensorik, Veoneer bringt diese in einen massentauglichen Produktions- und Lieferprozess. In der Umsetzung dürfte das auch bedeuten, dass sich die Software- und Signalverarbeitungslogik an Fahrzeug- und Plattformvarianten anpassen muss. Der nächste Schritt ist dabei weniger die reine Machbarkeit, sondern die robuste Integration in Qualitäts- und Serienfreigabezyklen, einschließlich Kalibrierung und Validierung über mehrere Produktionschargen.
Marktseitig kommt der Deal in einer Phase, in der viele Zulieferer ihre Sicherheits- und Assistenzportfolios erweitern – traditionell mit Blick auf Sensoren für Fahrerassistenz, aber zunehmend auch für „in-vehicle safety“ im weiteren Sinn. Veoneer positioniert sich laut Aussagen des CEO damit, Sicherheitsfunktionen systematisch auszubauen, und SafeFields passt laut dieser Logik in Richtung zusätzlicher Schutzdimensionen. Wettbewerbsvergleich: Unternehmen wie Bosch, Continental oder Aptiv investieren ebenfalls in fahrzeugintegrierte Sicherheits- und Sensorikthemen, allerdings liegt der Fokus meist auf Wahrnehmung, Assistenz und funktionaler Sicherheit nach etablierten Normen. Ein EMF-reduzierendes System wäre hier ein Differenzierungsmerkmal, das eher mit regulatorischen Entwicklungen als mit klassischen ADAS-Grenzen getrieben wird.
Für SafeFields ist der entscheidende Hebel die globale Reichweite über Veoneers Lieferkette. Die Parteien rechnen über die kommenden Jahre mit einem Vertragswert im „hundertmillionen“-Bereich, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Darüber hinaus gibt es bereits einen frühen Markteintritt über Pilotmodelle: SafeFields habe eine erste Bestellung erhalten, um Prototypen für einen führenden europäischen Automobilhersteller zu bauen; der Kunde bleibt jedoch ungenannt. In einem Interview mit Branchenakteuren wird häufig betont, dass ein großer Schritt Richtung Serienfertigung selten an Technologie allein scheitert, sondern an Freigaben, Lieferantenqualifikation und belastbaren Messmethoden. Genau dort kann Veoneers Erfahrung mit Automotive-Produktion als Beschleuniger wirken.
Ein weiterer Treiber ist die wachsende Aufmerksamkeit für elektromagnetische Exposition im Fahrzeug, die SafeFields als zunehmend wahrgenommen beschreibt. Gleichzeitig prüfen Regulierer in einigen Ländern begleitende Standards und Messrahmen für „in-car radiation“ bzw. EMF-Größen. Dieser Aspekt ist aus Unternehmenssicht heikel, weil Messmethodik und Grenzwerte nicht nur die technische Auslegung beeinflussen, sondern auch die Kommunikations- und Haftungsstrategie. Außerdem verschiebt sich die Diskussion von „ob“ hin zu „wie gemessen“: Sensorpositionierung, Feldmodellierung, Betriebsprofile und die Frage, welche Fahrzustände betrachtet werden müssen, werden damit zu strategischen Themen. Ein Mobility-Analyst bringt es sinngemäß auf den Punkt: „Wer EMF reduziert, braucht gleichzeitig Nachweise, die sich in bestehende Validierungsprozesse integrieren lassen.“
SafeFields bleibt parallel im Retrofit-Geschäft aktiv und nennt Israel als ersten Markt, während Expansion nach Europa und in die USA geplant ist. Retrofit ist in diesem Kontext nicht nur Umsatz, sondern auch Datenquelle: Das Unternehmen kann Erkenntnisse über Messabweichungen in echten Nutzer- und Fahrzeugumgebungen sammeln, bevor es die Serienintegration final optimiert. Der Branchennutzen für Daten und Feedback ist dabei groß, aber die Skalierung ist anspruchsvoll, weil unterschiedliche Fahrzeugplattformen, Innenraumlayouts und Elektronik-Topologien unterschiedliche Feldverteilungen erzeugen. Aus Sicht der Unternehmen kann das EMF-Thema außerdem neue Partnerschaften anstoßen: Zulieferer, die bereits EMV-Testing oder Cabin-Sensor-Integration anbieten, könnten in Zukunft als Verstärker für Validierungs- und Freigabepipelines dienen.
Historisch betrachtet ist das Nachdenken über elektromagnetische Einflüsse im Fahrzeug kein völlig neues Feld. In den vergangenen Jahren verlagerten sich die Debatten jedoch von allgemeinen EMV- und Abschirmungsprinzipien hin zu Fragen, wie sich Exposition im Innenraum systematisch erfassen und – soweit möglich – aktiv steuern lässt. In der Elektromobilität steigt die Anzahl relevanter Hochfrequenz-Quellen und die Systemkomplexität wächst: Inverter, Onboard-Charger, DC/DC-Wandler und Kommunikationsmodule erzeugen wechselnde elektromagnetische Aktivität. Damit wächst auch der Bedarf an Mess- und Gegenmaßnahmen, die nicht nur „Störungen vermeiden“, sondern gezielt belastende Feldanteile minimieren. Die neue Partnerschaft ist daher weniger ein einzelner Produktlaunch, sondern Ausdruck eines langfristigen Übergangs zu mehr „physikalischer Schutztechnik“ im Fahrzeugdesign.
In der Zukunft entscheidet sich die Relevanz des Deals daran, ob SafeFields’ Ansatz in Serie zu nachweisbaren Ergebnissen führt und sich in unterschiedlichen Plattformen wiederholt. Wenn die Technologie in Elektro- und Hybridfahrzeugen wirklich mit minimalem Zusatzgewicht und -energie funktioniert, könnte daraus mittelfristig ein Differenzierungsmerkmal in Ausschreibungen entstehen – zumindest für Hersteller, die frühzeitig auf regulatorische Entwicklungen vorbereitet sein wollen. Für Entwickler eröffnet das zudem Chancen: Neue Test- und Kalibrierungs-Workflows, Integration in Fahrzeugdiagnose und möglicherweise standardisierte Messprofile für Feldkompensation. Der nächste industriepolitische Schritt wird außerdem sein, ob sich Messframeworks so verfestigen, dass sie von Zulieferern planbar umgesetzt werden können – denn ohne klare Validierungslogik bleibt selbst die beste Technik ein Risiko für Serienfreigaben.
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