WASHINGTON / TEHERAN / TEL AVIV / LONDON (IT BOLTWISE) – US-Präsident Donald Trump erklärt, er stehe vor einem Rahmenabkommen mit dem Iran. Im Zentrum steht die Wiedereröffnung der Straße von Hormus sowie eine Verlängerung der Waffenruhe. Teheran widerspricht jedoch öffentlich Trumps Darstellung und betont die iranische Kontrolle und Gebühren bei der Schifffahrt. Gleichzeitig wächst in den USA und in Israel die Kritik, besonders wegen der Atomfrage und möglicher Sicherheitsrisiken.

US-Präsident Donald Trump sieht die Verhandlungen mit dem Iran in eine entscheidende Phase eintreten: Auf seiner Plattform Truth Social bezeichnet er ein Rahmenabkommen als „weitgehend“ ausgehandelt und spricht davon, dass die letzten Details derzeit besprochen würden. Damit verbindet er zwei zentrale politische Ziele—die Beendigung des Iran-Konflikts und die Entlastung der globalen Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus. Dass gleichzeitig der Zeitraum bis zu einer endgültigen Umsetzung eng getaktet ist, macht die Lage jedoch volatil: Trump dämpft die Erwartung auf eine schnelle Einigung und knüpft die Ergebnisse explizit an eine abschließende Zustimmung durch die USA, den Iran und weitere Staaten.
Technisch betrachtet betrifft das Vorhaben nicht nur diplomatische Aussagen, sondern konkrete Betriebsregeln entlang einer der wichtigsten Seeengen der Welt. Trump stellt in Aussicht, dass die Straße von Hormus wieder entsprechend der Zeit vor dem Krieg genutzt werden kann, während die US-Blockade iranischer Häfen bis zur vollständigen Fertigstellung und Unterzeichnung eines Deals fortbesteht. Der Iran kontert unmittelbar: Ein iranischer Militärsprecher betont, die Passage bleibe unter „voller iranischer Verwaltung und Souveränität“, was in der Praxis bedeutet, dass Reedereien trotz einer möglichen Entspannung weiterhin mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und Gebühren entrichten müssen. Auch eine iranische Agentur widerspricht der These einer „freien Durchfahrt“.
Die Kommunikationslinien zeigen damit ein typisches Muster früherer Runden von Nuklear- und Regionalabkommen: Während Washington häufig auf überprüfbare Schritte und rasch wirksame Handelserleichterungen setzt, pocht Teheran auf die Souveränität über sicherheitsrelevante Infrastruktur. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals Axios soll der Entwurf einer Absichtserklärung eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe vorsehen. In diesem Zeitraum wären die Hormus-Gebühren aus US-Sicht entfallen, während der Iran die Räumung verlegter Minen zusagen würde. Im Gegenzug plant die US-Seite die Aufhebung der Blockade iranischer Häfen und Sanctions-Ausnahmen, um den Ölexport zu erleichtern. Hier ähnelt der Ansatz in Timing und Hebelstruktur teilweise dem, was unter der US-Administration im Umfeld des JCPOA versucht wurde, allerdings mit weniger technischer Öffentlichkeit.
Der Kernkonflikt bleibt die Atomfrage, und genau dort zeigen sich erneut die Grenzen klassischer „Track-1“-Diplomatie. Washington verlangt demnach eine langfristige Aussetzung des iranischen Atomprogramms sowie die Übergabe hochangereicherten Urans. Teheran lehnt diese Bedingungen ab und argumentiert weiterhin, die Nuklearanlagen dienten ausschließlich zivilen Zwecken. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und mehrere Staaten sehen jedoch seit Jahren ein Risiko der Annäherung an Waffenfähigkeit; dabei wird im Raum stehender „beinahe waffentauglicher“ Reinheitsgrad als Indikator genannt. Selbst wenn viele Schritte formal erst im Rahmen des endgültigen Abkommens erfolgen sollen, entscheidet der Zeitplan, ob Vertrauen entsteht oder ob neue Kontroll- und Verifikationsfragen die Gespräche bremsen.
Währenddessen verschärft sich der politische Preis in Washington und Tel Aviv. Der republikanische Senator Ted Cruz warnte auf X vor einem „desaströsen Fehler“, falls der Iran trotz Vereinbarung weiterhin Uran anreichere, Atomwaffen entwickle und die Hormus-Kontrolle effektiv beibehält. Dan Shapiro, ehemaliger US-Botschafter in Israel und Berater bei Iran-Verhandlungen, formulierte gegenüber dem Wall Street Journal sinngemäß, Trump müsse zwischen dem Risiko einer Eskalation und der Sicherheit entscheiden, für ein schwaches Abkommen kritisiert zu werden. Solche Einwände spiegeln eine Markt- und Sicherheitslogik: Abkommen gelten nicht nur als diplomatische Erfolge, sondern als Risikoreduktion für Investitions- und Versicherungsentscheidungen in Energie- und Handelsketten.
Auch Iran dämpft die Erwartungen öffentlich. Im Staatsfernsehen und über Teheraner Kanäle wird betont, man befinde sich zwar in der abschließenden Phase eines 14-Punkte-Memorandums, doch Details—darunter die Zukunft des Atomprogramms und der technische Prozess zur Sanktionsaufhebung—sollen erst in den kommenden 30 bis 60 Tagen konkret verhandelt werden. Teils wird dabei eine „Annäherung der Standpunkte“ beschrieben, gleichzeitig jedoch das tiefe Misstrauen gegenüber Washington hervorgehoben. Das politische Kalkül ist klar: Wenn die US-Seite zwischen Waffenruhe, Sanktionen und maritimen Bedingungen verknüpft, steigt für Teheran der Anreiz, jede Einschränkung der eigenen Kontrolle zu vermeiden. Präsident Massud Pezeschkian wird zudem als gesprächsbereit beschrieben, aber unter dem Vorbehalt äußerster Vorsicht.
Israels Position bleibt dabei ein zusätzlicher Risikofaktor für die Umsetzbarkeit. Benjamin Netanjahu sagte auf X, der Iran werde „niemals“ eine Atomwaffe besitzen; seine Haltung wird in den Medien als Grund für die wachsende Sorge skizziert, Trump könne ein Abkommen abschließen, das aus israelischer Sicht die Sicherheitsinteressen nicht ausreichend berücksichtigt. Israel verweist seit Jahren auf das iranische Atomprogramm als existenzielle Bedrohung, während Teheran Israel wiederholt mit Vernichtung gedroht hatte. Zudem wird auf den zeitlichen Kontext verwiesen: US- und israelische Angriffe am 28. Februar, danach eine Waffenruhe, die zuletzt einseitig durch Trump verlängert wurde. Sollte Teheran die Hormus-Regeln faktisch enger definieren als Washington es kommuniziert, könnte die politische Spannung erneut eskalieren.
Für Unternehmen und die operative Ebene—insbesondere Reedereien, Energiehändler und Versicherer—wird entscheidend, ob aus den Aussagen verlässliche, überprüfbare Prozesse werden. Selbst wenn die Minenräumung und die Waffenruhe formal verlängert werden, bestimmen technische Details der Schifffahrtsfreigabe, die Kontrolle über Genehmigungen und die tatsächliche Gebührenstruktur die Transportkosten und damit die globalen Energiepreise. Aus Compliance-Sicht ist außerdem wichtig, dass Sanktionsausnahmen und Vermögensfreigaben nur dann planbar sind, wenn die Dokumentation, Fristen und Überwachungsmechanismen klar sind—ähnlich wie bei komplexen Exportkontroll- und Sanktionsregimen. In der Zukunft könnten sich drei Linien überlagern: Erstens eine schnellere Entspannung bei der Seeroute, zweitens zähe Atomverhandlungen unter IAEA-naher Beobachtung und drittens ein innenpolitischer Druck in den USA, der Tempo und Reichweite des Deals begrenzen könnte.
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