RAPPERSWIL / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim my health congress 2026 erklärt Prof. Hanno Steinke, warum Faszien weit mehr als „Verpackungsmaterial“ sind. Sein Vortrag „Faszien Update Teil 2“ verknüpft hierarchische Biologie mit beeindruckenden submakroskopischen Filmaufnahmen. Teilnehmer können den Vortrag vor Ort in ENTRA oder per Live-Stream verfolgen. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie neue Bild- und Modellansätze Therapie- und Präventionsentscheidungen in der Praxis unterstützen.

Faszien sind im Alltag oft nur als umgebendes Bindegewebe bekannt, doch der Blick auf den Körper wird beim my health congress 2026 deutlich erweitert. Im Zentrum steht ein Keynote-Vortrag mit dem Titel „Faszien Update Teil 2“, in dem Prof. Hanno Steinke die „Raumordnung“ dieses Gewebes einordnet. Statt Faszien als passives Material zu betrachten, beschreibt Steinke sie als hochkomplexes, hierarchisch organisiertes Netzwerk, das Zellen und Organe nicht nur trennt, sondern aktiv verbindet. Genau diese Perspektive verschiebt den Fokus von isolierten Symptomen hin zu einer systemischen Sicht auf Gesundheit und Krankheit.
Technisch spannend wird der Vortrag vor allem durch die verwendeten submakroskopischen Filmaufnahmen, die Jean-Claude Guimberteau in transparenten, zellarmen Umgebungen sichtbar gemacht hat. Die Darstellung wirkt wie ein Fenster in eine „glasartige Landschaft“: Blutbewegung pulsiert in transparenten Räumen, während schleimige Fäden und semifluide Kammern eine dynamische Struktur vermitteln. Dass klassische Anatomiebücher diese wasserreichen Strukturen häufig ausblenden, erklärt, warum viele klinische Interpretationen zu kurz greifen. Steinke macht daraus eine therapeutische Ableitungslogik: Wenn die Gewebearchitektur anders verstanden wird, kann auch die Planung von Interventionen präziser werden.
Um die Komplexität greifbar zu machen, nutzt der Referent eine Analogie aus der Raumplanung: Wie ein Zweifamilienhaus in Wohnung, Quartier und Stadt eingebettet ist, ordnet sich die Biologie in Ebenen von Zelle über extrazelluläre Matrix bis hin zu Organen und dem Gesamtkollagensystem. Diese Modellierung ist mehr als didaktische Spielerei, denn sie zeigt, warum Störungen sich nicht zwingend an einer einzigen Stelle „festmachen“. In der klinischen Praxis bedeutet das: Man betrachtet Bewegungs- und Schmerzphänomene als Ergebnis von Wechselwirkungen innerhalb eines mehrschichtigen Systems. Ergänzt wird diese Einsicht durch die live gezeigten anatomischen Präparate auf einem großen LED-Screen, wodurch der Vortrag den Charakter einer kontrollierten Entdeckungsreise annimmt.
Auch im Marktumfeld ist die Ausrichtung relevant: Experten berichten, dass sich Fachkongresse zunehmend in Richtung „Therapie statt Skalpell“ bewegen, um mehr Evidenz-orientierte, konservative Behandlungswege sichtbar zu machen. Wettbewerbsseitig konkurrieren solche Formate vor allem mit etablierten medizinischen Tagungen und Fortbildungsreihen der Orthopädie- und Rehabilitationsszene, in denen Faszien häufig als Ergänzung vorkommen, aber selten als durchgängiges Ordnungsmodell. Steinke adressiert diese Lücke ausdrücklich, indem er die submakroskopische Bildwelt mit klinischer Konsequenz verknüpft. In einem zugespitzten Satz bringt er es sinngemäß auf den Punkt: „Faszien sind Systemarchitektur, nicht Verpackung.“
Für Entscheider in Gesundheitseinrichtungen und für Anbieter aus dem Bereich Therapie und Prävention stellt sich damit eine zweite Frage: Welche Rolle können Visualisierung und Modellansätze künftig in der Routine spielen? Der Vortrag liefert zwar keine unmittelbare „Software-Implementierung“, aber er macht deutlich, wie wichtig ein gemeinsames Strukturverständnis ist, um Maßnahmen konsistent zu planen. Technischer Vergleich: So wie in der IT bei der Migration von Legacy-Systemen nicht nur Daten, sondern auch die Modellierungsebene entscheidet, bestimmt im Körperverständnis die „Datenstruktur“ des Gewebes, welche Hypothesen plausibel sind. Genau hier können Kongresse als Transferplattform wirken, insbesondere wenn Live-Visualisierung das gemeinsame Lernen beschleunigt.
Regulatorisch und datenschutzbezogen ist das Event-Setting ebenfalls ein Thema, auch wenn es im Ankündigungstext nicht im Detail ausgeführt wird. Da ein Live-Stream angeboten wird, sind in der Praxis Fragen relevant wie Protokollierung von Zugängen, Speicherung von Teilnahme-Events sowie der Umgang mit personenbezogenen Daten der Zuschauerinnen und Zuschauer. Für Einrichtungen mit strengeren Compliance-Vorgaben gilt: Bei digitalen Kanälen muss klar sein, welche Daten an Dienstleister fließen, wie lange sie gespeichert werden und welche Rechtsgrundlagen gelten. Gleichzeitig kann der wissenschaftliche Anspruch des Vortrags helfen, weil er bildbasierte Erklärmodelle nutzt, statt Behandlungsempfehlungen rein anekdotisch zu begründen.
Der konkrete Termin ist auf Samstag, den 14. November 2026, festgelegt, Veranstaltungsort ist ENTRA in Rapperswil/SG. Der Vortrag kann vor Ort besucht oder live gestreamt werden, der Kongresstag ist zum Preis von CHF 280 beziehungsweise EUR 280 buchbar. Die Teilnehmerzahl vor Ort ist begrenzt, was die praktische Relevanz unterstreicht: Gerade bei praxisnahen Einheiten mit visueller Demonstration ist ein enger Teilnehmerkreis ein Qualitätsfaktor. Inhaltlich ordnet sich „Faszien Update Teil 2“ in das Leitthema „Therapie statt Skalpell“ ein und rundet die Big Five-Reihe ab, die von Dr. med. Christian Larsen verantwortet wird.
Mit Blick in die Zukunft deutet die Veranstaltung auf einen breiteren Trend hin: Gewebebiologie, Bildgebung und klinisches Handeln rücken näher zusammen, weil bessere Visualisierung das Verständnis komplexer Strukturen beschleunigt. Für Fachkräfte kann das bedeuten, dass Schulungs- und Entscheidungsprozesse stärker „modellbasiert“ werden—also mit klarer Vorstellung davon, wie Ebenen des Körpers zusammenwirken. Entwickler- und Prozessseiten können daraus ebenfalls Impulse ziehen: Auch in der MedTech- und Gesundheits-IT wächst die Nachfrage nach Systemen, die Erklärmodelle, Bildreferenzen und klinische Pfade konsistent miteinander verbinden. Wenn kommende Kongresse diese Kette weiterbauen, könnte das die Lücke zwischen Forschung und Therapieplanung weiter verkleinern.
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