WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim Ampega Investment Forum 2026 in der Wiener Börse stand die Kernfrage im Raum, ob Anleger in Krisenzeiten stärker auf Substanz und Bewertung setzen sollten. Referenten beleuchteten Value-Ansätze, den Makro-Mix aus Geopolitik, Wachstum und Geldpolitik sowie die Chancen im Crossover-Bereich zwischen Investment Grade und High Yield. Dazu kamen europäische Aktienstrategien mit Fokus auf Qualität, Dividenden und Nachhaltigkeit. Der Beitrag ordnet die Kernthemen technisch und marktseitig ein und zeigt, was das für Portfolien in den kommenden Quartalen bedeutet.

Wenn Kapitalmärkte in unruhigen Phasen „schnelle Antworten“ verlangen, rücken Bewertungsfragen oft wieder in den Vordergrund. Genau diese Spannung wurde beim Ampega Investment Forum 2026 in der Wiener Börse sichtbar: Während Schlagzeilen die Aufmerksamkeit binden, diskutierten die Referenten, wie sich Stabilität im Portfolio über Zyklen hinweg organisieren lässt. Unter dem Leitmotiv „Value statt Glamour“ ging es nicht um kurzlebige Kursstorys, sondern um die Frage, welche Unternehmens- und Kreditstrukturen auch dann standhalten, wenn Konjunktur, Inflation und politische Risiken gleichzeitig Druck erzeugen. Das ist weniger ein Bauchgefühl als ein mehrschichtiger Ansatz aus Risiko- und Bewertungslogik.
Technisch betrachtet beginnt „Value“ für Fondsmanager typischerweise bei der präzisen Abbildung von fundamentaler Qualität und dem Abgleich mit dem Preis, den der Markt gerade fordert. Im Forum wurde das als langfristig attraktives Investieren beschrieben: Entscheidend sind dabei nicht nur Kennzahlen wie Cashflow- und Ertragskraft, sondern auch die Güte der Annahmen, mit denen Risiken in Portfoliomodellen bewertet werden. Gerade in Krisenzeiten verschiebt sich die Gewichtung der Modelle: Korrelationen steigen, Liquiditätsprämien verändern sich, und Ausfallrisiken werden dynamischer. Value-Strategien müssen daher robust gegen Modellbruch sein, etwa durch stress-basierte Portfoliokonstruktion und konsequentes Rebalancing.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Makro-Framework. Sven Werner stellte im Kontext der Wechselwirkung aus geopolitischen Risiken, Wachstum, Inflation und Geldpolitik klar, dass „Aufruhr“ eher der Normalzustand als die Ausnahme sei. Das hat direkte Auswirkungen auf die Asset-Allokation: Wenn Inflation und Zinsen nicht stabil kalkulierbar sind, verschiebt sich der relevante Zeithorizont der Bewertung. Zudem können geopolitische Spannungen sektorspezifische Engpässe erzeugen, die wiederum Margen, Zahlungsfähigkeit und Kreditspreads beeinflussen. Ein kompetenter Makroausblick übersetzt deshalb Politik- und Risikoindikatoren in Szenarien, nicht in Schlagzeilen. So wird aus Unsicherheit ein steuerbares Set von Annahmen für die Portfolioebene.
Besonders interessant wurde es beim Thema Crossover im Credit-Markt. Jean Chilaud erläuterte, warum der Bereich zwischen Investment Grade und High Yield in der aktuellen Gemengelage Chancen bieten kann: Dort treffen potenziell höhere Renditen auf Ausfallrisiken, die sich – bei sauberem Screening – häufig besser kontrollieren lassen als im klassischen High-Yield-Segment. Inhaltlich ist das ein technischer Balanceakt zwischen Carry und Spread-Risiko. Der Markt „preist“ in solchen Phasen oft zu pauschal, während sich die Bonitätsverläufe einzelner Emittenten überdurchschnittlich unterscheiden. In der Praxis bedeutet das: sorgfältige Selektion, laufendes Monitoring der Covenants und die Disziplin, Duration- und Liquiditätsrisiken konsistent zu begrenzen.
Vergleichbar positionieren sich Wettbewerber wie BlackRock, Amundi oder auch spezialisierte Credit-Manager seit Jahren über unterschiedliche Risikobudgets und Screening-Mechanismen im Crossover-Umfeld. Der Unterschied liegt weniger im Etikett, sondern in der Umsetzung: Während einige Häuser stärker auf quantitativen Credit-Research und Signal-Fusion setzen, bauen andere stärker auf fundamentalem Bottom-up-Research und strukturieren Risiko über klar definierte Limits. In diesem Spannungsfeld lässt sich auch die Forendiskussion einordnen: Der „Crossover-Übergangskorridor“ ist nicht automatisch ein Renditeversprechen, sondern ein Bereich, in dem die Qualität der Analyse entscheidend wird. Wer hier investiert, braucht Prozesse, die Nichtlinearitäten in Krisenzeiten abfedern, etwa durch Szenario-Analysen und strukturierte Ausstiegslogik.
Auf der Aktienseite zeigte sich ein ähnliches Muster: David Krahnenfeld stellte mit „eter(r)Assisi Aktien Europa“ einen Ansatz vor, der Nachhaltigkeit, Qualitätswachstum und Dividendenstärke zusammenführt. Das ist mehr als ein ESG-Label, denn Nachhaltigkeitskriterien wirken als Filter für Geschäftsmodelle, Governance und langfristige Ressourcenverfügbarkeit. Gleichzeitig können Dividendenstrategien in volatilen Märkten das Profil der Cashflow-Stabilität stützen. Im Forum wurde zudem auf die strategische Abkehr von der Dominanz globaler Schwergewichte verwiesen – insbesondere dort, wo Konzentrationsrisiken durch hohe Indexgewichtungen entstehen können. Solche Diversifikationsentscheidungen sind aus Portfoliosicht relevant, weil sie nicht nur Renditepotenzial, sondern auch Risikoverteilung und Drawdown-Charakteristik verändern.
Dominikus Wagner betonte schließlich den Unternehmerfonds-Ansatz unter dem Leitmotiv „Substanz statt Börsenmoden“. Übertragen auf die Portfolio-Realität heißt das: Aktien werden nicht als kurzfristige Handelsposition verstanden, sondern als langfristige Beteiligungen an Unternehmen, deren Wert sich über Zeit entwickelt. Genau hier treffen sich Wertorientierung und Governance-Denken. Denn „unabhängig vom Markt“ bedeutet operativ nicht, Risiken auszublenden, sondern bewusst auf Bewertungs- und Unternehmensqualität zu setzen, auch wenn kurzfristige Preisbewegungen dagegen wirken. Für Anleger ist das ein anderes Erwartungsmanagement: Man akzeptiert Phasen der Unterperformance, um in späteren Bewertungsanpassungen besser positioniert zu sein. Gleichzeitig verlangt diese Haltung konsequente Liquiditäts- und Exit-Planung.
Mit Blick auf die nächsten Quartale bleibt die zentrale Implikation: Der Markt könnte zwischen Risikoaversion und selektiver Chancenwahrnehmung oszillieren. Value- und Crossover-Strategien werden dabei besonders dann relevant, wenn Spreads nicht nur steigen, sondern auch wieder heterogener werden und Emittenten auseinanderdriften. Für Enterprise-Anleger und institutionelle Portfolios heißt das, dass Investment-Prozesse stärker in Richtung integrierter Risikomodelle ausgebaut werden sollten, die Makro-Szenarien mit Kredit- und Equity-Faktoren verbinden. Dazu kommen regulatorische und datenschutzbezogene Aspekte: Je granularer Research- und Datenpipelines werden, desto wichtiger sind Governance, Transparenz und saubere Datenhaltung. In Summe zeigt das Forum: Substanz ist nicht nur ein Narrativ, sondern eine Architekturentscheidung für Portfolios in unsicheren Zeiten.
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