WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Volvo erhält vom US-Handelsministerium eine Sonderfreigabe, um weiterhin in den USA Fahrzeuge mit chinesischer Connected-Car-Technologie zu importieren und zu verkaufen. Damit umgeht der Hersteller vorerst ein strengeres Sicherheitsregime, das bereits für bestimmte Modelljahre im Jahr 2027 einsetzt. Im Hintergrund steht die Prüfung von Governance, Technologie- und Daten-Sicherheitskonzepten. Die Entscheidung hat Signalwirkung für weitere OEMs und für die Frage, wie streng die USA künftig auch Tests autonomer Systeme aus China regulieren.

US-Ausnahme für Volvo: Connected-Car-Technik weiterverkaufen trotz China-Sicherheitsregeln
US-Ausnahme für Volvo: Connected-Car-Technik weiterverkaufen trotz China-Sicherheitsregeln (Foto: IT BOLTWISE)
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Volvo kann seine Strategie für den US-Markt vorerst fortsetzen: Laut besonderer Autorisierung durch das US-Handelsministerium darf der schwedische Autobauer weiterhin Fahrzeuge in die USA bringen und dort verkaufen, selbst wenn deren Connected-Car-Technik auf Software basiert, die mit chinesischen Unternehmen verbunden ist. Die Nachricht ist deshalb mehr als eine einzelne Ausnahme, weil die Regelarchitektur der vergangenen Monate ausdrücklich auf die Lieferkette von Fahrzeugsoftware und die dort gespeicherten bzw. verarbeiteten Daten zielt. Für Entscheider bedeutet das: Die eigentliche Stellschraube ist weniger das Auto selbst als die Software- und Datenhoheit hinter dem Fahrzeugsystem.

Im Kern geht es um „Connected Car“-Funktionen, also um die Software, die Mobilgeräte koppelt, digitale Dienste bereitstellt und teilweise auch Assistenzfunktionen bis in Richtung teilautonomer Abläufe abbildet. Volvo ist dabei nicht nur ein beliebiger OEM, sondern zugleich ein politisch sensibler Kandidat: Der Hersteller ist mehrheitlich im Besitz von Geely, einem chinesischen Konzern. Volvo liefert in die USA überwiegend aus eigener Fertigung in Schweden; eine Ausnahme bildet das EX90, das im Werk in South Carolina montiert wird. Gerade diese Struktur macht deutlich, warum Sicherheitsprüfungen typischerweise sowohl den Tech-Stack als auch die Produktions- und Integrationswege betrachten.

Die Genehmigung entsteht vor dem Hintergrund der Regeln, die die Biden-Administration im Januar 2025 finalisiert hat. Diese Vorschriften untersagen den Import bzw. Verkauf bestimmter Fahrzeuge, wenn Software und Hardware in ihrer Entwicklung und Betreuung von chinesischen Unternehmen stammen – und sie staffeln die Einschränkungen zeitlich. Für Modelljahr 2027 gilt der Fokus auf Softwarekomponenten; ab Modelljahr 2030 kommt ein Verbot für den Import vernetzter Fahrzeug-Hardware hinzu. Laut Berichten war Bloomberg der Erstmelder. Dass Volvo nun trotzdem weitermachen darf, zeigt, dass das US-Verfahren in Einzelfällen offenbar über Compliance-, Governance- und Sicherheitsnachweise steuerbar bleibt.

Technisch betrachtet verlagert sich damit die Bewertung von „wer gehört wozu“ hin zu „wie wird kontrolliert“. Volvo erklärt, die Freigabe sei das Ergebnis „konstruktiver Diskussionen“ mit dem Commerce Department und weiteren US-Behörden gewesen – insbesondere zu Governance, Technologie und Datensicherheit. Für die Praxis heißt das: Unternehmen müssen nachweisen, wie sie Zugriff auf kritische Softwarebausteine handhaben, wie Updates kontrolliert werden und wie Datenflüsse abgesichert sind. Im Automobilumfeld ist das besonders komplex, weil über die Lebenszeit des Fahrzeugs ein kontinuierlicher Update- und Integrationsprozess stattfindet und nicht nur ein einmaliges Build.

Ökonomisch verschiebt die Ausnahme auch den Wettbewerb: Andere Hersteller, die in ähnlicher Weise mit Zulieferern, Software-Partnern oder Entwicklungsstandorten in China arbeiten, müssen damit rechnen, dass die USA künftig entweder stärker differenzieren oder bei fehlenden Nachweisen konsequent ausschließen. Volvo steht hier zwischen zwei Welten – einerseits der Integration moderner Connected-Car-Funktionen, andererseits der Notwendigkeit, Sicherheits- und Datenanforderungen nachzuweisen. Vergleichbare regulatorische Spannungen kennt die Branche seit Jahren, etwa im Umfeld von Kommunikationstechnik und Over-the-Air-Updates. Besonders relevant ist dabei, dass die Bewertung nicht bei einzelnen Features endet, sondern die Lieferkette als Ganzes adressiert.

Auch mit Blick auf den Autonome-Fahrzeug-Ökosystem bleibt die Lage angespannt. Die Regel, offiziell als „Securing the Information and Communications Technology and Services Supply Chain: Connected Vehicles“ beschrieben, adressiert nicht nur Connected-Car-Software, sondern behandelt automatisiertes Fahren entlang ähnlicher Risikologiken. Unter den Vorschriften wäre es chinesischen Unternehmen untersagt, autonome Fahrzeuge in den USA zu testen. Heute existieren allerdings bereits Genehmigungen für Testfahrten in Kalifornien, unter anderem für Unternehmen wie Baidu (Apollo Autonomous Driving LLC), Pony.ai und WeRide – mit einem menschlichen Sicherheitsoperator am Steuer. Wie streng Behörden Genehmigungen künftig verlängern oder entziehen, wird damit zu einer zentralen Unsicherheitsvariable.

Für die Marktfolgen ist zudem entscheidend, wie Volvo seine US-Produktion und Portfolio-Strategie anpasst. Der Konzern plant, zwei weitere Fahrzeuge – einen XC60 in der Kompakt-/Mittelklasse als SUV sowie ein neues Hybridmodell – in South Carolina in Produktion zu bringen. Außerdem soll die Produktion des Polestar 3, eines EV aus der Schwesterfirma Polestar, vollständig in das US-Werk verlagert werden; aktuell entsteht der Polestar 3 noch in Chengdu, China. Diese Verschiebungen sind nicht nur Logistikthemen, sondern wirken als Signal, dass Investitionen in lokalisierte Fertigung und kontrollierbare Lieferketten zunehmend regulatorische Bedeutung bekommen.

Mit Blick auf die Zukunft ist die Botschaft klar: Die nächsten Jahre dürften von einem Mix aus Einzelfall-Freigaben, stufenweisen Verboten und strengeren Nachweispflichten geprägt sein. Unternehmen sollten deshalb ihre Architektur für Datensouveränität, Update-Sicherheit und Drittanbieter-Governance frühzeitig auditieren – ähnlich wie man es aus kritischen Infrastrukturen kennt. Gleichzeitig bleibt Raum für Differenzierung: Wo Software-Teile, Datenverarbeitung und Zugriffsrechte transparent beherrscht werden, sind Ausnahmen möglich. Experten gehen davon aus, dass Behörden dabei zunehmend überprüfbare technische Kontrollmechanismen statt pauschaler Firmenzugehörigkeiten verlangen. Für Entwickler und Produktteams bedeutet das: Security-by-Design wird vom „zusätzlichen Aufwand“ zum Marktzugang.


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