LONDON (IT BOLTWISE) – UBS stellt das Wachstumspotenzial dollar-denominierter Schwellenmarktanlagen in den Fokus und verweist darauf, dass diese aktuell häufig bessere Renditen als Anlagen in lokalen Währungen liefern. Hintergrund sind weniger starke Effekte aus Währungsschwankungen, die in volatilen Phasen sonst die Performance drücken. Für wachstumsorientierte Investoren kann das eine Verschiebung in der Allokation bedeuten, bei der Diversifizierung und Renditechancen stärker miteinander verknüpft werden. Im Artikel wird eingeordnet, wie Anleger das Risiko-Nutzen-Profil bewerten und welche Markt- und Regulierungsaspekte dabei zählen.

UBS setzt derzeit ein klares Signal an den Kapitalmarkt: Dollar-denominierte Anlagen in Schwellenländern gelten vielen Anlegern wieder als strategisch attraktiver, weil sie häufig höhere Renditen ermöglichen als Investments, die in lokalen Währungen notieren. Der Gedanke dahinter ist weniger ein „One-size-fits-all“-Wunder, sondern eine nüchterne Risikoabwägung in einem Umfeld, das von Zins- und Inflationsdynamiken sowie geopolitischen Schocks geprägt ist. Gerade wachstumsorientierte Investoren sehen darin die Möglichkeit, Renditechancen aus dem EM-Wachstum zu ziehen, während gleichzeitig währungsbedingte Performancebremsen tendenziell gedämpft werden.
Technisch betrachtet beginnt der Effekt bereits bei der Währungsbasis eines Portfolios. Wenn ein Fonds oder eine Anleihe in USD denominiert ist, hängt die Rendite weniger stark davon ab, wie sich etwa eine lokale Währung gegenüber dem Dollar entwickelt. In der Praxis bedeutet das: Wechselkursrisiken, die sonst in Stressphasen die Kupons und Kursgewinne auffressen können, verlieren im Vergleich an Gewicht. Gleichzeitig bleibt die Bewertung komplex, weil USD-denominierte EM-Titel dennoch von Kreditrisiken, Liquidität sowie der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einzelner Länder beeinflusst werden. Das Zusammenspiel aus Zinsstruktur, Risikoaufschlägen und Währungsfaktoren wird damit zur Kernaufgabe im Asset-Management.
Der Timing-Aspekt ist dabei entscheidend. Viele Marktteilnehmer stehen unter dem Eindruck, dass Inflationsraten und geldpolitische Erwartungen in unterschiedlichen Regionen zeitlich auseinanderlaufen. In solchen Phasen können lokale Währungen überproportional reagieren und dadurch die „rein inhaltliche“ Wirtschaftsperformance überlagern. UBS argumentiert in diesem Kontext, dass USD-basierte EM-Strukturen als Puffer dienen könnten, weil die Renditeausprägung weniger direkt von Währungsbewegungen abhängt. Marktkommentatoren formulieren es oft zugespitzt: „Wenn die Währung zum Unsicherheitsfaktor wird, gewinnt der Dollar als stabilisierender Referenzpunkt an Bedeutung.“
Für die strategische Portfolioperspektive lässt sich daraus eine potenzielle Verschiebung in der Allokation ableiten. Diversifizierung ist im EM-Universum zwar grundsätzlich möglich, jedoch ist sie ohne Währungsstabilität häufig schwerer zu „kontrollieren“. USD-denominierte Bausteine können daher helfen, Renditepfade planbarer zu machen, selbst wenn einzelne Schwellenländer kurzfristig schwanken. Wettbewerber setzen ebenfalls auf eine aktivere Steuerung des Währungs- und Kreditrisikos: So betonen große Vermögensverwalter wie BlackRock und JP Morgan in ihren Research-Ansätzen regelmäßig, dass Währungskomponenten in EM-Portfolios nicht nur Nebenfaktor, sondern zentraler Treiber der realen Rendite sind. Gegenüber rein lokalen Währungsmandaten kann das zu einem anderen Risiko-Exposure-Profil führen.
Ein weiterer Marktimpuls entsteht über Kapitalflüsse: Wenn sich die Wahrnehmung zugunsten USD-denominierter EM-Anlagen verschiebt, kann das die Nachfrage nach entsprechenden Produkten erhöhen. Mehr Nachfrage bedeutet in der Regel mehr Emissionstätigkeit, engere Spreads in liquideren Segmenten und einen stärkeren Fokus auf Hedging-Strategien bei Investoren, die dennoch Währungen optimieren wollen. Für Unternehmen in Schwellenländern kann das indirekt vorteilhaft sein, weil Kapital günstiger zugänglich wird und Investitionen in Produktivität oder Digitalisierung eher realisierbar werden. Gleichzeitig kann eine erhöhte Emissionsbereitschaft Risiken verbergen, wenn die Mittelverwendung nicht diszipliniert erfolgt oder Länder in schwachen Zyklusphasen höhere Refinanzierungsbedarfe haben.
Aus Enterprise- und Governance-Sicht ist relevant, dass solche Portfolioentscheidungen nicht nur „Investment-Case“-Logik erfordern, sondern auch saubere Prozesse rund um Datenqualität, Risiko-Reporting und Compliance. Institutionen müssen währungen, Laufzeiten und Kreditparameter konsistent modellieren, um Limits einzuhalten und Szenarien nachvollziehbar zu dokumentieren. Dazu gehört auch, Währungsumrechnungen, Sensitivitäten und Liquiditätsannahmen in den regelmäßigen Risikoberichten abzubilden. Regulatorisch spielen hierbei Transparenzanforderungen sowie Eignungs- und Informationspflichten eine Rolle, insbesondere wenn Produkte in Zielfondsstrukturen, ETFs oder Mandaten umgesetzt werden. In vielen Organisationen wird zudem genauer geprüft, wie Derivate oder Währungsabsicherungen eingesetzt werden, um Risiken nicht unbemerkt zu erhöhen.
Historisch ist die Debatte um EM-Währungen nicht neu. In früheren Zyklen haben sich Anleger bereits wiederholt gefragt, ob lokale Währungsrisiken die Renditechancen überwiegen. In den letzten Jahren zeigte sich außerdem, dass „Stabilität“ keine konstante Eigenschaft ist: Politische Entscheidungen, Rohstoffzyklen und Leistungsbilanzschocks konnten Wechselkurse jederzeit neu bewerten. USD-denominierte Lösungen entstanden deshalb als pragmatische Antwort auf wiederkehrende Stressphasen, wurden aber zeitweise auch hinterfragt, wenn USD-Finanzierung teurer wurde oder wenn lokale Märkte gleichzeitig attraktive Renditen boten. Die aktuelle Argumentationslinie knüpft an diese Erfahrung an, verlagert aber den Fokus stärker auf das Zusammenspiel aus kurzfristiger Währungswirkung und laufender Rendite.
Für die Zukunft ergibt sich daraus ein realistisches Szenario: Wenn die Differenz zwischen USD-basierten Renditen und lokalen Renditen strukturell bestehen bleibt, könnte sich der Markt schrittweise weiter in Richtung USD-Exposure bewegen. Anleger sollten dabei jedoch nicht nur den aktuellen Renditeabstand betrachten, sondern auch die Nachhaltigkeit der Kreditqualität und mögliche Pfadänderungen bei Zinsen und Risikoaufschlägen. Eine plausible Entwicklung ist, dass Anbieter ihre Produktarchitektur verfeinern, etwa durch transparentere Kostenstrukturen, klarere Risikoindikatoren und bessere Szenario-Simulationen. Für Entwickler und Data-Teams in Finanzhäusern bedeutet das zusätzlichen Bedarf an präziser Modellierung von Währungseinflüssen, schnellerer Datenanbindung sowie einer durchgehenden Auditierbarkeit der Entscheidungslogik.
Operativ empfiehlt es sich, den Ansatz in mehreren Ebenen zu validieren: erstens die tatsächliche Renditezerlegung in USD (Kupon, Spread, FX-Effekte), zweitens die Sensitivität gegenüber Zins- und Kreditstress, und drittens die Liquiditäts- und Umsetzungsbedingungen im konkreten Produkt. Gerade in Schwellenländern kann die Handelbarkeit schneller kippen als im entwickelten Markt, was die Realisierbarkeit von Kursannahmen beeinflusst. Wer USD-denominierte EM als Diversifikationshebel nutzt, sollte außerdem die Länder- und Sektorstreuung prüfen, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Damit wird aus einem plausiblen Makroargument ein belastbarer Investmentprozess, der auch in volatilen Phasen bestehen kann.
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