BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Stark, das Berliner Drohnen-Startup, verhandelt Medienberichten zufolge über eine neue Finanzierungsrunde von mindestens 300 Millionen Euro. Gelänge die Runde wie geplant, könnte die Bewertung des Unternehmens auf etwa 2,5 Milliarden Euro steigen. Damit würde die Dynamik im europäischen Defense-Tech weiter anziehen – während gleichzeitig politische und Sicherheitsbedenken wegen der Nähe zu Peter Thiel diskutiert werden. Parallel erweitert Stark seine Technologien sowohl für Angriff als auch Abwehr von Drohnen und positioniert sich so als potenzieller Plattformanbieter im unbemannten Ökosystem.

Stark-Drohnen-Startup vor 300-Millionen-Runde: Bewertung könnte auf 2,5 Milliarden steigen
Stark-Drohnen-Startup vor 300-Millionen-Runde: Bewertung könnte auf 2,5 Milliarden steigen (Foto: IT BOLTWISE)
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Stark steht in diesen Wochen sinnbildlich für zwei parallele Trends: Erstens erleben europäische Defense-Tech-Startups eine neue Phase von Kapitalzuflüssen, in der Wachstumspläne und industrielle Skalierung stärker bewertet werden als reine Prototypen. Zweitens rückt die Frage nach politischer Steuerbarkeit und sicherheitsrelevanten Abhängigkeiten noch stärker in den Fokus. Laut Berichten aus dem Finanz- und Medienumfeld verhandelt das Berliner Startup über eine Finanzierungsrunde von mindestens 300 Millionen Euro; je nach Ergebnis könnte die Bewertung auf rund 2,5 Milliarden Euro steigen und damit gegenüber dem Wert Anfang 2025 deutlich zulegen. Die Runde wäre ein sichtbares Signal für den Markt.

Technisch betrachtet geht es bei Stark weniger um eine einzelne Drohne, sondern um einen funktionalen Baukasten aus KI-gestützter Navigation, Zielerkennung und schneller Einsatzbereitschaft. Das Unternehmen beschreibt seine sogenannten „Kamikaze-Drohnen“ als unbemannte Systeme, die sich auf Ziele zusteuern und mit Gefechtsköpfen zu zerstören. Damit treffen mehrere Disziplinen zusammen: autonome Flugsteuerung, robustes Zielen unter Unsicherheit sowie ein Feldbetrieb, der den Übergang von Labor-Performance zu wartungsarmem Einsatz abbilden muss. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie stark die Systeme in Echtzeit auf Umgebungsdaten reagieren und wie gut sie gegen Störungen durch Funkumgebungen oder Gegenmaßnahmen abschneiden.

Historisch betrachtet ist die Kategorie der unbemannten „loitering“ und „kamikaze“-Systeme nicht neu, aber die Investitions- und Erwartungskurve schon. In den vergangenen Jahren haben viele Programme vor allem an der Zuverlässigkeit in heterogenen Szenarien gearbeitet: GPS-Schwankungen, wechselnde Funkbedingungen, anspruchsvolle Zielklassifikation und die Anforderungen an sichere Kommunikation. Die Entwicklung hin zu KI-gestützter Autonomie verschiebt dabei die Kernfrage von „Wie fliegt die Drohne?“ zu „Wie trifft das System unter Zeitdruck die richtige Entscheidung?“. Genau diese Entscheidungslogik wird für Investoren zunehmend zum Bewertungshebel, weil sie sich später als wiederholbarer Engineering- und Produktionsvorsprung monetarisieren lässt.

Im Marktumfeld zeigt sich, dass Stark nicht isoliert ist, sondern in einer Liga mit klaren Wettbewerbern arbeitet. Helsing aus München, das als eines der prominentesten europäischen Defense-Tech-Scale-ups gilt, steht Berichten zufolge vor einer weiteren Finanzierungsrunde mit einer Bewertung in der Größenordnung von 18 Milliarden Dollar. Auch Starks Schwesterunternehmen Quantum Systems, das eher auf Überwachungsdrohnen fokussiert ist, sucht offenbar ebenfalls nach zusätzlichem Kapital. Branchenexperten sehen darin eine Ausdifferenzierung der Produktlandschaft: Angriffs- und Abwehrfähigkeiten werden kombiniert oder zumindest über Plattformen orchestriert, statt sich ausschließlich auf eine Rolle im Einsatzspektrum zu beschränken.

Unternehmensintern zeigt sich die Umsetzung durch vergangene Beschaffungszyklen und Tests. Stark ist 2024 gestartet und hat sich schnell zu einem bekannten Namen entwickelt; gleichwohl berichten die Unterlagen von Schwierigkeiten: Die Virtus-Drohne des Startups habe in zwei Tests bei britischen und deutschen Streitkräften Probleme gezeigt. Interessant ist hier die strategische Signalwirkung nach außen: Stark hat die Rückschläge als Teil eines Innovationsprozesses bewertet, erhielt aber dennoch im Februar einen Auftrag der Bundeswehr über Kamikaze-Drohnen, wobei die Deals jeweils ein Volumen von rund 300 Millionen Euro haben. Diese Kombination aus „iterieren“ und „skalieren“ passt zu dem, was auch in Enterprise-Software-Infrastrukturen entscheidend ist: messbare Stabilisierung bei gleichzeitiger Weiterentwicklung.

Für die Marktattraktivität ist die Investorenseite besonders prägend. Stark zählt bislang unter anderem den NATO Innovation Fund, den CIA-nahen Fonds In-Q-Tel sowie Sequoia Capital zu den Unterstützern. Zudem spielt Peter Thiel eine Rolle, was wiederum politische Debatten auslöst. Einige deutsche Parlamentarier betrachten die Beteiligung kritisch; Thiel werde mit engen Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump in Verbindung gebracht. Stark weist diese Einwände zurück und betont, dass Thiels Anteil unter zehn Prozent liege und er keine Informationsrechte in Bezug auf Produkte oder Geschäftsabläufe habe. In der Praxis bedeutet das: Für Kunden und Behörden ist weniger die Person als die Governance entscheidend—also Verträge, Zugriffskontrollen, Datenflüsse und Sicherheitsarchitektur.

Parallel erweitert Stark sein Portfolio in Richtung Anti-Drohnen-Systeme, was sowohl technische als auch wirtschaftliche Gründe hat. Im April wurde eine Partnerschaft mit Inleap Photonics angekündigt: Das Unternehmen baut Laser, die Drohnen vom Himmel schießen können. Aus Sicht eines Systems-of-Systems-Ansatzes ist das eine konsequente Ergänzung, weil Angriff und Abwehr im selben unbemannten Funktionsraum stattfinden, aber unterschiedliche Anforderungen an Sensorik, Reaktionszeit und Energieeffizienz stellen. Während KI-gestützte Angriffsdrohnen andere Risiken tragen (z. B. Zuverlässigkeit der Zielentscheidung), zielen Anti-Drohnen-Laser eher auf robuste Gegenmaßnahmen gegen bekannte Bedrohungsprofile. Wie ein europäischer Investor in einem Hintergrundgespräch sinngemäß formulierte: „Der Markt belohnt Teams, die die gleiche Plattformdenke sowohl für Offensive als auch für Defensive operationalisieren können.“

Der Ausblick auf die nächste Phase hängt stark von drei Faktoren ab: First, ob die Finanzierungsrunde tatsächlich zustande kommt und zu den genannten Bewertungsniveaus führt; Second, wie schnell Stark aus Tests in stabile Serienfähigkeit überführt; Third, ob Regulatorik und Sicherheitsanforderungen auf Beschaffungs- und Betriebsebene die Skalierung bremsen oder klarer machen. In vielen europäischen Ausschreibungen rückt dabei zunehmend die Nachweisbarkeit von Sicherheitskontrollen in den Vordergrund, inklusive Lieferketten-Transparenz, Software-Updates, Zugriffsbeschränkungen und Datenverarbeitungsregeln. Für Entwickler und Integratoren bedeutet das zugleich Chancen: Teams, die KI-Entwicklung mit Security-by-Design, Auditierbarkeit und skalierbarer Deployment-Praxis verbinden, können schneller in bestehende Beschaffungs- und Integrationslandschaften gelangen. Wenn Stark seine Roadmap in diese Richtung konsequent umsetzt, könnte die bevorstehende Runde mehr sein als ein Bewertungs-Event—sie kann zum Startsignal einer breiteren Plattformstrategie für unbemannte Systeme werden.


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