HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die IRMA in Hamburg rückt vom 18. bis 20. Juni 2026 Mobilitätshilfen in den Fokus: Mehr als 160 Aussteller aus neun Ländern zeigen auf rund 8.000 Quadratmetern aktuelle Lösungen. Im Zentrum stehen dabei nicht nur technische Produkte wie Exoskelette oder E-Roller, sondern auch Erlebnis- und Testparcours, die Inklusion messbar erlebbar machen. Der Artikel ordnet ein, warum sich der Markt für Hilfsmittel in den kommenden Jahren dynamisch weiterentwickelt. Zusätzlich wird beleuchtet, wie barrierefreie Infrastruktur, Vertriebskonzepte und Datenschutzanforderungen zusammenwirken.

IRMA Hamburg zeigt 160 Aussteller für Mobilitätshilfen und neue Erlebniswelten
IRMA Hamburg zeigt 160 Aussteller für Mobilitätshilfen und neue Erlebniswelten (Foto: IT BOLTWISE)
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Die IRMA in Hamburg setzt in diesem Frühjahr und Sommer 2026 ein deutliches Signal: Mobilitätshilfen werden zunehmend als Teil moderner Lebensqualität verstanden, nicht als Nischenangebot. Wenn mehr als 160 Aussteller aus neun Ländern auf rund 8.000 Quadratmetern zusammenkommen, geht es zugleich um Reichweite und Wirkung – also darum, wie Menschen Hilfsmittel ausprobieren können, bevor sie sich für die passende Lösung entscheiden. Diese Ausrichtung folgt dem Trend, dass Messen nicht nur informieren, sondern Nutzererfahrungen gezielt simulieren. Damit wird die Sensibilisierung für Barrieren im Alltag auch auf der Ausstellungsfläche konkret, etwa durch Parcours, Präsenztests und interaktive Demonstrationen.

Den organisatorischen Rahmen liefern parallel laufende Fachtermine: In Frankfurt hat sich die SightCity als größte Branchenplattform für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel etabliert, zuletzt mit über 150 Ausstellern im Kap Europa. Solche internationalen Schaufenster beschleunigen Innovationszyklen, weil Hersteller, Fachhandel und Entwickler gleichzeitig an einer Problemstellung arbeiten: Wie lassen sich Seh- und Mobilitätsanforderungen so abbilden, dass sie im Alltag zuverlässig funktionieren? Technisch betrachtet bedeutet das oft bessere Sensorik, ausgereiftere Steueralgorithmen und konsequentere Ergonomie. Genau diese „Übersetzung“ vom Prototyp in den Alltag lässt sich besonders gut im direkten Test unter realistischen Bedingungen beobachten.

Für Hamburg sind als Highlights unter anderem die ergoflix vario mit einer Reichweite von 25 Kilometern, das ReWalk-Exoskelett sowie der kohlefaserbasierte WHILL C Lite vorgesehen. Solche Systeme adressieren unterschiedliche Nutzungsprofile: Während Reichweite und Fahrdynamik bei E-Rollern häufig über Alltagstauglichkeit entscheiden, stehen bei Exoskeletten weniger die Distanz als vielmehr die Stabilität, das Zusammenspiel mit dem Körper und die intuitive Bedienbarkeit im Vordergrund. Aus technischer Sicht ist dabei die Frage entscheidend, wie Systeme auf Nutzerbewegungen reagieren – also welche Regelungslogik, Sensorfusion und Sicherheitsmechanismen in der Praxis greifen. Der Markt vergleicht solche Ansätze zunehmend entlang messbarer Kriterien wie Handhabung, Robustheit und erkennbaren Sicherheitszuständen.

Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Fortschritt zeigt sich auch an anderer Stelle: Im Bereich Hörgesundheit hat der Sonova-Konzern mit seiner Marke Hansaton in Wien einen „World of Hearing“-Flagship-Store eröffnet, der mit interaktivem Hörerlebnisraum und 3D-Ohrscan-Technologie wirbt. Das ist mehr als Marketing – es ist ein Vertriebskonzept, das digitale Diagnoseelemente und haptische Beratung koppelt. Für die Hilfsmittelbranche ist das ein Vergleichsmaßstab, weil Konsumenten und Fachhandel ähnliche Herausforderungen teilen: Daten müssen in handhabbare Entscheidungen übersetzt werden, ohne die Hemmschwelle für den Erstbesuch zu erhöhen. Branchenexperten bringen es sinngemäß auf den Punkt: „Wer Hilfsmittel anfassbar macht, reduziert Kauf- und Anpassungsrisiken – und erhöht die Akzeptanz deutlich.“

Parallel dazu verstärken Hersteller und Händler das Ökosystem rund um Beratung, Schulung und lokale Events. In Xanten öffnet mit „Ohrliebe“ ein spezialisiertes Hörakustik-Format, in Bad Zwischenahn wird die Ausstellung „Hören und Sehen“ organisiert – mit Fokus auf Anbieterpräsentationen für Menschen mit unterschiedlichen Sinnesbehinderungen. Solche Formate wirken auch auf kommunaler Ebene: In Rheine durchlaufen Auszubildende ein Training mit Simulationsbrillen, Schlafmasken und Ohrstöpseln, um Barrieren im Stadtraum nachzuvollziehen. Aus Marktsicht ist das relevant, weil Inklusion nicht nur technische Ausstattung betrifft, sondern auch das Verständnis bei Entscheidern und Nachwuchs. Für Unternehmen bedeutet das: Schulungs- und Partnerprogramme werden zunehmend Teil des Produktwerts.

Mit Blick auf den „Wie“ der Umsetzung spielen Finanzierungs- und Infrastrukturthemen eine ebenso große Rolle wie die Geräte selbst. Das Blindeninstitut Würzburg erhielt Ende Mai 2026 eine Spende von 1.000 Euro für Materialien in der Physio-, Ergo- und Sprachtherapie – ein Beispiel dafür, dass Anpassung und Therapie ohne Ressourcen kaum skalieren. Gleichzeitig wird barrierefreie Umgebung konsequent sichtbarer: Der Park der Gärten in Bad Zwischenahn wurde mit dem „Fair Family“-Siegel ausgezeichnet und bietet eine vollständig barrierefreie Umgebung, was auch dem regionalen Tourismus zugutekommt. Solche Entwicklungen sind für die Branche wichtig, weil Hilfsmittel immer im Zusammenspiel mit Lebensräumen wirken. Und je besser diese Räume zugänglich sind, desto höher wird die tatsächliche Nutzungsquote von Mobility-Lösungen.

Bei aller Dynamik dürfen Sicherheits- und Datenschutzfragen im Hilfsmittelumfeld nicht in den Hintergrund geraten. Viele moderne Lösungen basieren auf Sensorik, Telemetrie oder Assistenz-Logik, die personenbezogene Daten – etwa Nutzungsverhalten, Standort- oder Gesundheitsindikatoren – indirekt berühren kann. Für Anbieter und Fachhandel wird daher entscheidend, wie Datenflüsse gestaltet sind, wie Transparenz gegenüber Nutzern hergestellt wird und wie technische Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Gerade bei Exoskeletten oder Mobility-Hardware, die im Alltag eingesetzt werden, müssen Integrität, Verfügbarkeit und nachvollziehbare Sicherheitsmechanismen im Fokus stehen. Zusätzlich kommt regulatorisch ein Erwartungsdruck hinzu: Inklusion heißt praktisch auch, dass Systeme zuverlässig, verständlich und sicher in der Anwendung bleiben.

Aus historischer Perspektive zeigt sich zudem, warum Messen aktuell so starken Einfluss gewinnen. Vor Jahren standen häufig einzelne Produktkataloge im Vordergrund; heute verlagert sich der Schwerpunkt auf Erlebniswelten, Testparcours und die schnelle Feedbackschleife zwischen Anwendern und Entwicklern. Diese Entwicklung passt zu den Erfahrungen vieler Branchen: Sobald Nutzer „Erfolg“ unmittelbar spüren, etwa durch Reichweiten- und Handling-Tests oder durch erleichterte Anpassungsprozesse, sinkt die Hürde für die Erstentscheidung. Für den weiteren Jahresverlauf ist der Blick bereits gerichtet: Der 70. Internationale Kongress der Hȫrakustiker (EUHA) in Hannover (14. bis 16. Oktober 2026) betont zudem Nachwuchsförderung – mit freiem Eintritt für Studenten, Azubis und Schüler. Damit entsteht eine Pipeline, die den Bedarf an Fachkompetenz in Anpassung und Beratung nachhaltig stärkt.

Für Unternehmen und Entwickler folgt daraus eine klare Agenda: Wer in 2026 und darüber hinaus erfolgreich ist, muss Produkt, Service und Umfeld als Gesamtpaket denken. Mögliche nächste Schritte reichen von besseren Onboarding-Mechanismen für Erstnutzer über standardisierte Test- und Vergleichsprozesse bis hin zu interoperablen Daten- und Supportpfaden im Fachhandel. Gleichzeitig wird die Branche stärker darauf achten, wie barrierefreie Infrastruktur und Hilfsmittel zusammenspielen, statt sie getrennt zu behandeln. So entsteht aus der Messearbeit ein langfristiger Innovationszyklus, der Inklusion nicht nur „zeigt“, sondern systematisch in den Alltag bringt. Wer diese Dynamik früh mitgestaltet, kann sich im Wettbewerb um Vertrauen und Kundennutzen entscheidend positionieren.


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