HOLZMINDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ruven Stünkel wurde mit dem MAT-Award als „Most Aspiring Talent“ der Immobilienwirtschaft ausgezeichnet. Der ehemalige HAWK-Student arbeitet an Konzepten zur Nutzung von Wärme aus Trinkwasser, baut seine Qualifikation im Erasmus-Mundus-Master Smart Cities and Communities weiter aus und plant eine Promotion sowie ein Startup für klimaneutrale Wärmenetze. Die Ehrung zeigt, wie stark Praxis, Technik und Nachwuchsförderung in der Branche inzwischen ineinandergreifen.

Wer sich heute in der Immobilienwirtschaft profilieren will, braucht mehr als kaufmännisches Fundament: Gefragt sind technische Umsetzungskompetenz, ein Verständnis für Energie- und Wärmesysteme sowie die Fähigkeit, Projekte in reale Quartierslösungen zu übersetzen. Dass der ehemalige HAWK-Student Ruven Stünkel offiziell zu den „Most Aspiring Talents der Immobilienwirtschaft“ (MATs) gehört, wirkt deshalb wie ein Signal aus der Praxis heraus. Das MAT-Netzwerk nimmt jedes Jahr 30 Nachwuchstalente auf und positioniert sich zugleich als Thinktank der Branche. Für Stünkel verbindet sich die Auszeichnung mit einer klaren Agenda rund um nachhaltiges Bauen und Wärmetechnik.
Technisch verankert ist Stünkels Profil im Themenfeld Green Building – Nachhaltiges Bauen und Gebäudetechnik, das er an der HAWK am Standort Holzminden studiert hat. Vorher hatte er eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann absolviert, was für die Immobilienpraxis ein entscheidender Vorteil ist: Energie- und Gebäudethemen lassen sich nur dann skalieren, wenn Budgetlogik, Betreibermodelle und Nutzerbedarfe gemeinsam gedacht werden. Während des Bachelorstudiums arbeitete er zusätzlich in einer Immobilienverwaltung und war als Tutor an der Hochschule tätig. Diese Mischung aus Anwendung und Lehre passt zu dem, was Unternehmen bei Einstiegs- und Nachwuchsprofilen zunehmend erwarten.
Besonders interessant ist, dass seine Abschlussarbeit bereits auf eine konkrete energietechnische Fragestellung zielt: die Wärmenutzung aus Trinkwasser. Hier zeigt sich eine Entwicklung, die in der Gebäude- und Quartiersplanung seit Jahren an Fahrt gewinnt: Statt ausschließlich auf externe Energiequellen zu setzen, werden zunehmend Abwärme- und Sekundärwärmequellen betrachtet, die im Alltag ohnehin entstehen. Dass Stünkel dafür 2025 den Förderpreis der Kemper-Stiftung erhielt, deutet darauf hin, dass die Idee nicht nur akademisch gedacht war, sondern prüfbare Potenziale adressiert. Genau diese „Umsetzbarkeit“ wird in der Branche oft zum Engpass.
In seiner aktuellen Tätigkeit in einem Ingenieurbüro wirkt Stünkel an der Planung einer Pilotanlage zur Wärmenutzung aus Trinkwasser mit. Aus technischer Sicht ist das mehr als ein Projektname: Eine Pilotanlage muss typischerweise Fragen nach Effizienz, hydraulischer Einbindung, Temperaturprofilen, Wartung und Wirtschaftlichkeit beantworten. Entscheidend ist dabei die Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit Alternativen wie Wärmepumpen, Frischwasser-Temperierung oder konventionellen Versorgungskonzepten. Der Ausbau im internationalen Erasmus-Mundus-Master Smart Cities and Communities ergänzt diese Perspektive um den Blick auf skalierbare Strukturen: von der Gebäudetechnik bis zur Quartiers- und Versorgungsarchitektur.
Der Marktkontext dahinter ist klar: Deutschland und Europa stehen unter Druck, Wärmeversorgung schneller klimafreundlich zu gestalten, während Immobilienportfolios zugleich modernisiert und betriebswirtschaftlich stabil gehalten werden müssen. Netzwerke wie die MATs versuchen, das „Übersetzen“ zwischen Disziplinen zu fördern – und damit auch zwischen unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Forschung, Umsetzung und Finanzierung. Branchenbeobachter berichten, dass viele Projekte in der frühen Phase nicht an der Technologie scheitern, sondern an der Projektlogik: Zuständigkeiten, Bauzeiten, Datenflüsse und die Frage, wie Ergebnisse für Nachfolgevorhaben reproduzierbar werden. Hier kann die Kombination aus Engineering und Immobilien-Background besonders wirksam sein.
Als unmittelbarer Wettbewerbs- und Vergleichsrahmen lässt sich zudem betrachten, wie etablierte Nachhaltigkeits- und Planungsinitiativen den Markt prägen. So arbeiten Zertifizierungs- und Bewertungslogiken wie etwa die DGNB-Standards oder energiebezogene Richtlinien in der Praxis oft als „De-facto-Sprache“ für Investoren und Betreiber. Während der MAT-Award auf Talententwicklung zielt, wirken solche Standards indirekt als Markthebel: Wer künftig erfolgreiche Wärme- und Gebäudekonzepte vorweisen will, muss sie in Bewertungsmaßstäbe übersetzen können. Expertinnen und Experten betonen daher regelmäßig die Bedeutung integrierter Ansätze, bei denen Technik, Betrieb und Nutzeranforderungen gemeinsam berücksichtigt werden – ein Anspruch, der Stünkels Laufbahn bereits strukturell unterstützt.
Damit rückt auch die Digitalisierung als „Infrastruktur der Innovation“ in den Vordergrund. Pilotanlagen, Smart-City-Lösungen und klimaneutrale Wärmenetze profitieren typischerweise von Mess- und Monitoringdaten, etwa zu Temperaturniveaus, Durchflussprofilen und Lastgängen. Für Unternehmen entsteht daraus eine neue Pflichtlinie: Datenqualität, OT/IT-Schnittstellen und sauberes Lifecycle-Management werden zu Voraussetzungen, um die Ergebnisse aus einer Pilotphase in eine breite Rollout-Strategie zu übertragen. Gleichzeitig müssen Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen früh adressiert werden, insbesondere wenn Betriebsdaten, Nutzerinformationen oder gerätespezifische Telemetrie in digitale Plattformen eingespeist werden. Eine sichere Architektur reduziert das Risiko, dass wertvolle Betriebsdaten unkontrolliert in unsichere Umgebungen gelangen.
Für Stünkel folgt nach dem Masterstudium der nächste Schritt: Er plant eine Promotion im Bereich klimaneutrale Wärmenetze und möchte parallel ein Startup gründen, um die Wärmeversorgung in Wohngebieten voranzubringen. Diese Kombination aus wissenschaftlicher Vertiefung und Produkt-/Marktlogik folgt einem Muster, das in vielen Tech- und Engineering-Branchen erfolgreich ist: Forschung erzeugt Belastbarkeit, Startups verkürzen den Weg zur praktischen Anwendung. Ob und wie schnell sich solche Ansätze im Immobilienmarkt durchsetzen, hängt jedoch von der Skalierbarkeit ab. Technische Effizienz allein reicht nicht; entscheidend ist, wie schnell Genehmigungs- und Planungsprozesse, Betreiberrollen und Schnittstellen zu bestehenden Versorgungssystemen zusammenfinden. Genau hier könnte das MAT-Netzwerk als Austauschplattform zusätzliche Hebel liefern.
Auch sein Engagement außerhalb klassischer Unternehmenskarrieren unterstreicht den Anspruch, Wissen breit zu vermitteln. Die von ihm betriebenen YouTube-Kanäle „Immomind“ und „Energiehirn“ richten sich an angehende Immobilienkaufleute und Ingenieur*innen und zielen darauf, Fachwissen verständlicher zu machen. Für die Branche ist das mehr als Selbstmarketing: Kompetenzaufbau ist ein Engpass, weil viele Teams zwar einzelne Spezialisten haben, aber zu wenig integriertes Wissen über Wärmesysteme, Bauabläufe und Wirtschaftlichkeit. Indem er Schnittstellenkompetenz öffentlich macht, reduziert er den „Lernradius“ neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das kann indirekt die Geschwindigkeit erhöhen, mit der Unternehmen Pilotprojekte in Serienstandard überführen.
Mit Blick auf die Zukunft ist absehbar, dass Wärmenutzung aus Trinkwasser und verwandte Konzepte stärker in Quartiersplanungen auftauchen, sobald belastbare Betriebsdaten vorliegen und Investoren die Wirtschaftlichkeit besser quantifizieren können. Wenn Stünkel seine Promotion und das Startup bündelt, könnte sich daraus ein klarer Beitrag zur Transformation von Wärmenetzen entwickeln. Gleichzeitig wird die Branche stärker darauf achten, wie Pilot- und Skalierungsrisiken gemanagt werden: etwa durch belastbare Messkonzepte, standardisierte Schnittstellen und Sicherheitskonzepte für Monitoring- und Steuerungssysteme. Der MAT-Award unterstreicht letztlich, dass Nachwuchsinitiativen heute nicht nur Karriere starten, sondern technologische Umsetzungspfade in der Immobilienwirtschaft mitgestalten.
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