WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Lorenz Consult hat in der Seestadt Aspern einen neuen Forschungs- und Entwicklungsstandort mit rund 26.000 m² Bruttogrundfläche an einen biopharmazeutischen Auftraggeber übergeben. Der Neubau kombiniert ein hochflexibles Ballroom-Konzept für wandelbare Laborprozesse mit Total Quality Building (TQB)-Zertifizierung, umfassender Barrierefreiheit und einem Energiekonzept mit Erdwärme sowie Photovoltaik. Damit entsteht ein „Labor der Zukunft“ für etwa 250 Mitarbeitende und mehrere medizinische Forschungsschwerpunkte. Entscheidend ist, dass die Planung in einem engen Zeitfenster trotz strenger Pharma-Anforderungen eine präzise Fachkoordination über Elektrotechnik, TGA, Laborplanung und Brandschutz hinweg erfordert.

Der Laborbau in Europa befindet sich seit Jahren im Umbruch: Während klassische Neubauten meist auf feste Prozessketten und langfristig unveränderte Geräteauslastung optimiert waren, steigt nun der Druck, Forschungsschwerpunkte schneller umzuschichten. Genau hier setzt der jüngst übergebene Neubau in der Seestadt Aspern an. Lorenz Consult übergab einen Forschungs- und Entwicklungsstandort mit rund 26.000 m² Bruttogrundfläche, ausgelegt für ein international tätiges biopharmazeutisches Unternehmen. Das Projekt soll etwa 250 Mitarbeitenden Raum geben und gleichzeitig die technische Flexibilität liefern, die moderne R&D-Teams für wechselnde Studiendesigns benötigen.
Technisch beginnt die Besonderheit nicht bei „Labor-Look & Feel“, sondern bei der Grundlogik der Raumorganisation. Im Mittelpunkt steht ein Ballroom-Konzept, das Laborbereiche so plant, dass Prozessschritte mit einheitlicher Klassifizierung ablaufen und die Räume je nach Forschungsanforderung flexibel bestückt werden können. In der Praxis bedeutet das: Statt jede Änderung am Layout als Einzelprojekt zu behandeln, wird die Infrastruktur so vorgeplant, dass Apparate und Anlagen mit vergleichsweise geringer Reibung neu integriert werden. Für Unternehmen ist das ein strategischer Hebel, weil sich Ressourcenplanung und Umbauzyklen direkt auf Kosten, Time-to-Data und Personalbindung auswirken.
Damit ein solches Konzept im Laborbetrieb funktioniert, braucht es mehr als eine modulare Raumidee. Lorenz Consult hat als Generalplaner seit Oktober 2021 die Gesamtkoordination, Projektsteuerung sowie Tragwerksplanung übernommen, ergänzt durch TGA-Planung, Gebäudeplanung sowie örtliche Bauaufsicht und Baukoordination nach BauKG. Die Dimension des Projekts – Baukosten im dreistelligen Millionenbereich – spiegelt dabei die Komplexität typischer Laboranforderungen wider: Sonderluftführung, Laborabluft, Sicherheitskonzepte, definierte Zonen und spezifische Anforderungen an Medienversorgung und Schnittstellen. Gerade im enger getakteten Umsetzungszeitraum von knapp fünf Jahren wird sichtbar, wie stark Timing und Engineering-Disziplin zusammenhängen.
Ein zentraler Punkt für die technische Umsetzung ist die integrale Fachkoordination. Zu den gesteuerten Subplaner-Bereichen zählen Elektrotechnik, Laborplanung, Bauphysik, Brandschutz sowie Architektur. Für Pharma-Umgebungen kommt hinzu, dass Prozesse nicht nur „funktional“, sondern auch sicher und nachvollziehbar betrieben werden müssen. So entscheidet etwa die Abstimmung zwischen TGA und Laborplanung darüber, ob Umzüge von Geräten ohne langwierige Revalidierung möglich bleiben oder ob sich Änderungen ungewollt auf Druckzonen, Luftwechselraten oder Erreichbarkeiten auswirken. Branchenexperten berichten, dass genau diese Schnittstellenarbeit häufig der Engpass in Laborbauprojekten ist, nicht die einzelne Fachplanung an sich.
Auch im Gebäude- und Nachhaltigkeitsdesign setzt der Neubau auf messbare Kriterien. Das Objekt ist als Total Quality Building (TQB) zertifiziert und adressiert Anforderungen an Barrierefreiheit, Komfort und ökologische Aspekte. Bei der Energieversorgung kommen unter anderem Erdwärme und eine vollflächige Photovoltaikanlage auf dem Dach zum Einsatz. Ergänzend werden Begrünungen und Gartenräume in das Gebäudekonzept integriert, was nicht nur das Arbeitsumfeld verbessern, sondern auch zur Gestaltung von Mikroklima und Aufenthaltsqualität beitragen kann. Gerade für Unternehmen mit Standortstrategien über mehrere Jahrzehnte ist das relevant, weil Betriebsökonomie und Nutzerakzeptanz langfristig zusammenwirken.
Im Markt ist diese Kombination aus Flexibilitätslogik und energietechnischer Planung gut einzuordnen: Viele Wettbewerber im europäischen Laborbau – von spezialisierten Planungs- und Baugesellschaften bis hin zu großen Generalunternehmen – rücken zunehmend „adaptierbare“ Flächen in den Fokus. Verglichen mit früheren Ansätzen, bei denen Laborgrundrisse häufig in vergleichsweise starren Zonen optimiert wurden, verlagert sich der Schwerpunkt heute auf wiederverwendbare Installationsstrukturen, standardisierte Medienanschlüsse und schneller skalierbare Laborprozesse. Laut einer verbreiteten Einschätzung aus dem Engineering-Umfeld entscheidet der Umgang mit Änderungswünschen oft darüber, ob Projekte zu einem echten Standortvorteil werden oder nach kurzer Zeit in Umbau- und Nachrüstspiralen geraten.
Historisch lässt sich der Wandel in mehreren Wellen beschreiben: In der Vergangenheit dominierten Gebäude, die sich primär am Betrieb heute etablierter Geräte orientierten. Mit der zunehmenden Spezialisierung – etwa in Onkologie, Neurowissenschaften und seltenen Erkrankungen – mussten Labore jedoch häufiger umgebaut werden. Gleichzeitig professionalisierten sich Energie- und TGA-Konzepte: Energieeffizienz, Reduktion von Betriebskosten und kontrollierte Umgebungsbedingungen wurden stärker zusammengedacht. Der „Laborbau der Zukunft“ ist damit weniger ein einzelnes Bauteil als ein Orchestrierungsproblem, das Architektur, Bauphysik und Gebäudetechnik als zusammenhängendes System behandelt.
Für den konkreten Standort in Aspern ist die inhaltliche Ausrichtung ebenso Teil der technischen Story. Der Neubau deckt Forschungsschwerpunkte in Neurowissenschaft, Onkologie, Gastroenterologie und seltenen Erkrankungen ab und schafft neben hochspezialisierten Laborräumen auch Großraumbüros sowie Gemeinschafts- und Infrastrukturbereiche. Diese Mischung ist strategisch, weil sie Wissensarbeit, Laborbetrieb und administrative Abläufe näher zueinander rückt. In der Praxis kann das Kommunikationswege verkürzen und Prozesse wie Probenmanagement, Dokumentation oder interdisziplinäre Abstimmungen effizienter machen – vorausgesetzt, das Sicherheits- und Zonenmodell bleibt dabei konsistent und lässt keine unkontrollierten Übergänge zu.
Im Bereich Regulierung und Sicherheit ist der Bau trotz fehlender öffentlicher Detailangaben klar in einem anspruchsvollen Umfeld verankert. Pharma-nahe Einrichtungen unterliegen typischerweise strengen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen; dazu gehören Brandschutzkonzepte, funktionale Trennung von Bereichen sowie robuste technische Betriebskonzepte, die auch bei Umbauten verlässlich bleiben. Datenschutz ist zwar meist stärker auf IT-Prozesse bezogen, doch in Laborumgebungen hängen Datentransparenz und Zugriffskontrollen oft an infrastrukturellen Gegebenheiten, etwa bei Zutrittsmanagement und Arbeitsplatz-IT. Experten betonen deshalb, dass „Flexibilität“ im Laborbau nur dann nachhaltig ist, wenn Sicherheitsanforderungen in das Design-by-Default eingeplant werden.
Für die Unternehmenspraxis ergibt sich daraus ein klares Bild: Wer in neue Laborkapazitäten investiert, muss gleichzeitig die Änderungsgeschwindigkeit der Wissenschaft einkalkulieren. Das Ballroom-Konzept und die modulare Gebäudestruktur können dazu beitragen, dass Gerätewechsel, neue Studienansätze und Anpassungen an Teams schneller umgesetzt werden. Gleichzeitig ist die Frage, wie gut das Betriebsteam die technischen Grundlagen dokumentiert und weiterentwickelt – denn bei komplexen TGA-Installationen entscheidet die betriebliche Handhabung darüber, ob Effizienzgewinne real werden. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob der enge Koordinationsansatz, den Lorenz Consult beschrieben hat, die erwartete Reibungsreduktion im Ramp-up tatsächlich erreicht.
Blick nach vorn dürfte der „Laborbau der Zukunft“ stärker in Richtung softwareähnlicher Wartbarkeit gehen: Planungsstandards, digitale Übergabedokumentation und wiederverwendbare Betriebsmodelle werden wichtiger, weil Umbauten häufiger werden. Wettbewerber werden parallel ihre Lösungen für standardisierte Schnittstellen und Energieoptimierung weiter ausbauen; dabei konkurrieren häufig nicht nur technische Details, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der ein Laborteam Änderungen ohne Betriebsrisiko umsetzen kann. Wenn der Neubau in Aspern als bisher größtes Projekt in der über 50-jährigen Unternehmensgeschichte von Lorenz Consult seine Zielsetzung erfüllt, könnte er als Referenz dienen, wie sich Flexibilität, Zertifizierung und energiewirtschaftliche Planung in einem Laborbetrieb wirklich zusammenbringen lassen.
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