POTSDAM / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Startup Week Brandenburg vernetzt ab dem 8. Juni zehn Wissenschafts-Startups mit potenziellen Investoren in Potsdam und öffnet den Austausch anschließend für die Landesebene. Aus einer lokalen Potsdamer Initiative ist inzwischen eine landesweite Aktionswoche entstanden, die Gründerinnen und Gründer mit Förderakteuren zusammenbringt. Entscheidend ist dabei die Mischung aus Pitch-Format, Unternehmensnähe und Storytelling am Campus. Für die Gründungslandschaft in Brandenburg ist das Timing relevant: Wer jetzt Kontakte knüpft, kann Förderprogramme und Kapitalschritte schneller in konkrete Projekte überführen.

Startup Week Brandenburg startet in Potsdam: Treffen von Wissenschaft und Investoren
Startup Week Brandenburg startet in Potsdam: Treffen von Wissenschaft und Investoren (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Startup Week Brandenburg startet in Potsdam und macht damit deutlich, wie stark sich regionale Gründungsökosysteme aus Einzelimpulsen entwickeln können. Ursprünglich entstand das Format 2024 aus einer Kooperation der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam und dem Startup Service der Uni Potsdam. Schon ein Jahr später hatte sich daraus eine landesweite Aktionswoche entwickelt – ein Schritt, der nicht nur die Sichtbarkeit erhöht, sondern auch die Anschlussfähigkeit an Programme, Investoren und Förderstrukturen verbessert. In Zeiten, in denen sich Finanzierungslücken oft an fehlender Marktnähe oder unsauberen Go-to-Market-Plänen zeigen, setzt die Startup Week auf intensive Kontaktflächen statt einmaliger Bühnenauftritte.

Im Kern beginnt die Woche am 8. Juni mit dem Rooftop Pitch in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum. Dort treffen zehn Startups aus dem Wissenschaftskontext auf potenzielle Investoren. Der typische Mehrwert solcher Formate liegt weniger im reinen Pitch-Screening, sondern in der vorbereitenden Interaktion: Teams können ihre Annahmen zu Problem, Marktsegment und Umsetzungsrisiken in einem Umfeld testen, das stärker an Finanzierungskriterien gekoppelt ist. Gerade bei Spin-offs aus Forschungseinrichtungen ist das entscheidend, weil sich technische Reife, IP-Lage und frühe Validierungsdaten häufig zeitlich versetzen. Damit verschiebt sich der Fokus vom „Idee“-Narrativ hin zu belastbaren Entwicklungsschritten.

Technisch betrachtet entsteht der Gründungsnexus in Brandenburg oft genau an den Schnittstellen, an denen Transfer und Skalierung zusammenlaufen. Spin-offs und Gründungsförderung adressieren dabei nicht nur Produktentwicklung, sondern auch die Infrastruktur für spätere Wachstumsphasen: von der Betriebsaufnahme über Daten- und Betriebsprozesse bis zur Skalierbarkeit der Plattform- oder Servicekomponenten. Auch wenn die Startup Week als Veranstaltungsreihe konzipiert ist, ist ihre Wirkung in der Praxis oft die gleiche wie bei einem „Pre-Market-Matchmaking“: Teams priorisieren Hypothesen, definieren Messpunkte und richten ihre Roadmap so aus, dass sie Investorenentscheidungen unterstützen. Das ist eine funktionale Ergänzung zu späteren Accelerator- oder Seed-Programmen, die häufig erst nach einer ersten Markt- und Tech-Evaluierung greifen.

Ein weiterer Schwerpunkt folgt am 9. Juni mit dem Grill-Up auf dem Telegrafenberg. GFZ-Ausgründungen und Akteure der Gründungsförderung kommen dabei in informeller Atmosphäre zusammen. Diese Veranstaltungsform wirkt wie ein Sicherheitsnetz gegen das häufige Problem, dass aus Pitch-Terminen zwar Kontakte entstehen, aber Follow-ups organisatorisch versanden. Indem Förderakteure direkt mit den Gründerteams sprechen, kann schneller geklärt werden, welche Programme zu welchem Stadium passen und wie sich rechtliche Rahmenbedingungen konkret berücksichtigen lassen. Aus Datenschutz- und Compliance-Sicht ist das besonders relevant, weil spätere Investitions- und Pilotprojekte mitunter mit personenbezogenen Daten, IP-relevanten Dokumenten oder sensiblen Forschungsdaten arbeiten. Teams sollten deshalb von Anfang an Transparenz über Datenflüsse, Aufbewahrung und Zugriffskontrollen herstellen.

Am 10. Juni findet das Startup Meet & Greet in der ILB statt. Solche Termine in Förder- und Institutionenräumen schaffen typischerweise eine Nähe zu Entscheidungsgremien, die über reine Networking-Kontakte hinausgeht. Gleichzeitig erinnert das Format an die Logik großer Startup-Week-Konzepte, wie man sie aus Berlin kennt: Dort werden vergleichbare Zielgruppen über mehrere Tage hinweg in Themen- und Kontaktformate gezogen, um die Dichte an „möglichen nächsten Schritten“ zu erhöhen. Für Brandenburg ist das Timing dabei ein Wettbewerbsvorteil, weil die regionale Community dadurch planbare Einstiegspunkte erhält, statt nur über einzelne Konferenzen sichtbar zu werden. Genau diese Vorhersehbarkeit kann die Gründungsquote und die Qualität der Projektanträge mittelbar steigern.

Den Abschluss bildet am 11. Juni die Startup Story Night am Campus Golm. Während Pitch-Events häufig auf Kennzahlen und Wettbewerbsvorteile fokussieren, setzen Story-Formate stärker auf Verständnis und Vertrauen: Gründerinnen und Gründer können ihre Lernkurven, Kundenbeobachtungen und ihre Team- und Umsetzungsdynamik greifbar machen. Das unterstützt besonders Startups, deren Technologie zwar fortschrittlich ist, deren Marktverständnis aber noch in der Konsolidierungsphase steckt. In der Praxis entstehen hier nicht selten die Gespräche, die später in Pilotkunden, erste strategische Partnerschaften oder themenspezifische Beratungsleistungen münden. Entscheidend ist: Der Fokus bleibt auf Austausch und Verbindungen, nicht auf reiner Selbstdarstellung.

Die politische Rahmung unterstreicht den Anspruch, Innovationskraft messbar zu machen. Oberbürgermeisterin Noosha Aubel ordnet die Entwicklung so ein, dass aus einer Potsdamer Initiative eine landesweite Aktionswoche geworden ist, und versteht das als „starkes Signal“ für die Innovationsdynamik der Region. Wirtschaftsministerin Martina Klement ergänzt die Einordnung mit Blick auf das Potenzial der Gründerszene und hebt die sichtbare Dynamik hervor. Wie Branchenexperten berichten, sind genau solche politischen und institutionellen Anker wichtig, weil sie Nachfrage- und Angebotsseiten im Ökosystem synchronisieren: Förderlogik, Investorentiming und Gründerreife müssen aufeinander abgestimmt sein, damit aus Kontaktpunkten echte Finanzierungspfade werden.

Aus Marktsicht zeigt die Startup Week Brandenburg zudem, dass die Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts nicht nur an einzelnen Leuchttürmen hängt. Vielmehr entsteht Relevanz über Wiederholung, Kontinuität und die Fähigkeit, neue Gründungsteams regelmäßig in einen Kreis aus Nachfrage, Kapital und Unterstützung einzubinden. Das gilt auch für den Vergleich mit anderen regionalen Formaten, etwa Berlin-Events, die stärker auf internationale Sichtbarkeit ausgelegt sind. Brandenburg kann dagegen seine Stärke über thematische und institutionelle Nähe ausspielen, insbesondere wenn Wissenschaft, Förderakteure und regionale Entwicklungsvorhaben in konkreten Schritten zusammenkommen. Für Unternehmen bedeutet das: Sie können gezielt nach passenden Projektpartnern suchen, statt lange nach „richtigen“ Ansprechpartnern zu scrollen oder in unklaren Ausschreibungsprozessen zu landen.

Für die kommenden Tage und Wochen ist die wichtigste Frage, wie die Veranstaltungsimpulse in belastbare nächste Schritte übersetzt werden. Teams, die am Rooftop Pitch teilnehmen, sollten ihre Investorengespräche bereits mit einem klaren Datenraum-Konzept begleiten: strukturiert, versionskontrolliert und nachvollziehbar, damit Due-Diligence-Fragen schnell beantwortbar sind. Auch hinsichtlich Datenschutz und IP-Schutz sind saubere Prozesse zentral, etwa bei der Weitergabe von Prototypbeschreibungen oder Forschungsunterlagen. Die Startup Week bietet dafür den Startschuss; die eigentliche Wertschöpfung liegt im Anschluss an die Termine. Wer Follow-ups, Pilot-Planung und technische Roadmap jetzt systematisch aufsetzt, kann Förderfenster und Investitionszyklen effektiver nutzen.

Langfristig dürfte die Startup Week Brandenburg damit als wiederkehrender Katalysator wirken – insbesondere, wenn die Formate stärker in industriebezogene Entwicklungs- und Testpfade eingebettet werden. Für die Startup-Szene entsteht daraus ein planbarer Rhythmus: Erst Kontakt und Matching, dann Vertiefung und Storytelling, schließlich die Einbettung in Förder- und Partnerstrukturen. Für die Region ist das eine Chance, die Dichte an „gründerfähigen“ Ressourcen zu erhöhen, etwa über Wissenstransfer, strukturierte Mentoring-Ketten und frühzeitige Marktvalidierung. Wer das ernst nimmt, sollte spätestens nach der Woche die Ergebnisse in messbare Ziele überführen, damit aus Innovationsenergie ein kontinuierlicher Aufbau von tragfähigen Unternehmen wird. Weitere Details zu allen Veranstaltungen finden sich unter www.startup-week-bb.de.


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