FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Europa startet 2026 mit größeren, zugleich aber deutlich selektiveren M&A- und Private-Equity-Transaktionen. Laut Analyse von Drooms und PitchBook steigen die durchschnittlichen Dealgrößen spürbar, während Investoren vermehrt auf risikoärmere Add-ons und hochwertige Assets setzen. Besonders dynamisch wirkt der Mix aus KI-getriebenen Übernahmen, „Dry Powder“ und sinkenden Zinsen, allerdings verschärfen regulatorische und operative Anforderungen an Daten, Sicherheit und Cloud-Souveränität den Deal-Alltag. Für Unternehmen wird digitale Deal-Infrastruktur damit zum strategischen Engpass – nicht nur zur IT-Baustelle.

Europa zeigt zum Jahresstart ein differenziertes Bild: Während Schlagzeilen weiterhin von einzelnen Großtransaktionen geprägt werden, verschiebt sich die tatsächliche Aktivität hin zu größeren, aber selektiveren Deals. Der neue gemeinsame Report von Drooms und PitchBook ordnet das Marktbild als Erholung ein, die komplexer und wählerischer verläuft als frühere Zyklen. Treiber sind neben KI-nahen Technologie- und Infrastrukturthemen vor allem mehr „Dry Powder“ bei Investoren sowie ein Umfeld, in dem Finanzierungskonditionen weniger restriktiv erscheinen. Gleichzeitig bleiben die Hürden hoch: geopolitische Unsicherheiten und steigende regulatorische sowie operative Anforderungen wirken als Filter, nicht als Bremse.
In Zahlen wird die Bewegung greifbar. Die Analyse verweist darauf, dass europäische PE-Transaktionen 2025 mit 8.187 Deals nahezu ein Dekadenhoch erreichten; auch die M&A-Aktivität blieb mit 18.485 Transaktionen auf hohem Niveau. Für 2026 zeigt sich jedoch bereits „Year-to-date“ eine andere Qualitätslogik: Die durchschnittliche PE-Dealgröße liegt aktuell bei 359,7 Millionen Euro (gegenüber 289 Millionen Euro im Gesamtjahr 2025). Bei M&A steigt die durchschnittliche Dealgröße sogar auf 546,3 Millionen Euro, nach 289 Millionen Euro im Vorjahr. Besonders häufig adressieren Deals große Technologie- und KI-nahe Plattformen.
Der strategische Kern liegt in der Verbindung von Dealfinanzierung mit Deal-Execution-Software. Wenn die durchschnittlichen Summen steigen, verlängern sich Vorbereitung, Verhandlung und Integrationsplanung meist automatisch – und damit auch die Relevanz von Due-Diligence-Prozessen. Genau hier setzen Drooms und PitchBook an: Drooms positioniert eine Plattform für sichere digitale Due Diligence und virtuelle Datenräume, während PitchBook als Daten- und Analyseanbieter die Marktaktivitäten bewertet. Technisch heißt das in der Praxis: Datenräume müssen nicht nur effizient sein, sondern Lastspitzen bei Dokumenten, Nutzerzugriffen und Kollaborationsphasen zuverlässig abarbeiten. Entscheidend ist außerdem, dass Workflows für KI-gestützte Prüfpfade nachvollziehbar bleiben, damit Ergebnisse in Verhandlungen belastbar sind.
Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung digitaler Souveränität von einem reinen Compliance-Thema zu einem operativen Faktor im laufenden Transaktionsgeschäft. Der Report beschreibt einen wachsenden Druck, kritische Daten, Cloud-Infrastrukturen und KI-Anwendungen stärker innerhalb europäischer Rechtsräume zu kontrollieren. In der Umsetzung bedeutet das typischerweise: klare Zugriffskonzepte, einheitliche Mandanten- und Rollenmodelle, Auditierbarkeit sowie eine Datenklassifizierung, die schon während der frühen Screening-Phase greift. In sensiblen Due-Diligence-Schritten wird weniger „nur“ geprüft, sondern auch systematisch bewertet, wo Daten verarbeitet werden, welche Plattformen genutzt werden und wie sich regulatorische Anforderungen technisch nachweisen lassen.
Marktseitig wird die selektivere Ausrichtung auch an der Kaufstrategie sichtbar. Trotz steigender durchschnittlicher Dealgrößen investieren viele Finanzinvestoren zunehmend in risikoärmere Add-on-Akquisitionen statt breit gestreuter Plattformkäufe. Der Anteilswert solcher kleineren strategischen Zukäufe steigt laut Report zuletzt auf über 58 Prozent aller europäischen PE-Transaktionen. Branchenexperten erklären das häufig mit Lernkurven aus Niedrigzinsphasen: Damals wurden Wertannahmen schneller durch Wachstumseffekte „glattgezogen“, heute muss jede Prämisse robuster belastbar sein. In den Verhandlungen prägt das die Datenanforderungen, die Geschwindigkeit von Entscheidungsvorlagen und den Umfang, mit dem KI-gestützte Analysen konkret als Entscheidungsgrundlage dienen.
Eine weitere Differenzierung liefert die regionale Bewertung. Die DACH-Region wird laut Report zunehmend zum Premium-Segment: Mit 2.858 M&A-Transaktionen im Jahr 2025 gehört sie erneut zu den aktivsten Europas und liegt nur hinter Großbritannien (4.545 Deals). Gleichzeitig zahlen Investoren hier besonders hohe Preise: Medianen-M&A-Multiples von bis zu 13,5x EBITDA werden vor allem in technologiegetriebenen Branchen, Software sowie Industrie- und KI-nahen Geschäftsmodellen sichtbar. Als Beispiel wird die etwa 7-Milliarden-Euro-Übernahme von STADA durch CapVest-Partner genannt, die zu den größten PE-Exit-Transaktionen zählt. Das erklärt zugleich, warum Due Diligence und Deal-Infrastruktur in DACH-Deals oft schneller „durchziehen“ müssen, um Momentum zu halten.
Aus Expertensicht ist die Stimmung zwar besser, aber nicht euphorisch. Alexandre Grellier, Co-Gründer und CEO von Drooms, bringt den Punkt auf den Kern: Der Markt verbessere sich, doch Investoren handelten weiterhin äußerst diszipliniert. Anstatt einen flächendeckenden M&A-Boom zu erwarten, sieht er gezielte Kapitalflüsse in hochwertige Assets, strategische Technologien und bestehende Plattformen. Dorothy Chan von PitchBook und Co-Autorin des Reports ergänzt die Logik: Unter großen Mega-Deals verfolge der Markt vermehrt Konsolidierungs- und Buy-and-Build-Strategien und müsse gleichzeitig operativen Komplexitäten Rechnung tragen. Viele Investoren verfügten weiterhin über erhebliches „Dry Powder“, investierten aber selektiver als in der Niedrigzinsphase.
Für die kommenden Monate ergibt sich daraus ein klares Zukunftsbild für Unternehmen und Tech-Teams. Sinkende Zinsen und KI-getriebene Wachstumsphantasien sorgen zwar für Impulse, doch geopolitische Unsicherheiten und Finanzierungskosten bleiben strukturelle Faktoren. Gleichzeitig verschärft die Regulierung die Anforderungen, nicht nur auf Papier, sondern in den technischen Prozessen. Unternehmen, die Transaktionsdatenräume bereits vor dem ersten Due-Diligence-Workshop „KI-fähig“ und zugleich souverän gestalten, gewinnen Zeit im Dealprozess und reduzieren Risiko in der Prüfung. Für Entwickler öffnet sich damit ein Markt für KI-gestützte Prüfpfade, die Governance-fähig sind: nachvollziehbar, auditierbar und mit klaren Daten-Grenzen. Wer diese Lücke adressiert, kann im europäischen M&A- und PE-Tempo der nächsten Sprints stärker mitziehen.
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