KOPENHAGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Cisco räumt beim iF Design Award mit seinem Workspace Designer ab: Der Konfigurator steuert Raum-Setups für Meeting- und Trainingsflächen und wurde im Juni um neue Speicher- sowie Integrationsfunktionen erweitert. Gleichzeitig zeigt die Branche, wie 3D-Planung, XR und BIM in hybride Arbeitsmodelle hineinwirken – aber auch, wo Standards, Kosten und Datenschutz noch bremsen.

Der iF Design Award 2026 geht an eine Lösung, die in der Büroplanung vor allem eines verspricht: planbare Flexibilität. Der prämierte Cisco Workspace Designer richtet sich an Unternehmen, die Meeting- und Trainingsräume nicht mehr als starre Kulisse betrachten, sondern als dynamische Systeme für hybride Arbeitsmodelle. Während klassische CAD-Workflows oft zu langsam für kurzfristige Anpassungen sind, setzt der Konfigurator auf eine geführte Nutzerführung, die Raumkonfigurationen in einem iterativen Prozess formt. Dass die Jury gerade diese Nutzerlogik auszeichnet, ist auch ein Signal für den Übergang von „Design by Drawing“ zu „Design by Configuration“.
Technisch betrachtet liegt die Stärke solcher Konfiguratoren weniger in einzelnen 3D-Ansichten, sondern in der Art, wie sie Material- und Geräteoptionen in eine konsistente Planung überführen. Laut den im Juni eingeführten Neuerungen können Nutzer nun Raumkonfigurationen speichern und zusätzliche Hardware-Komponenten integrieren. Für die Praxis bedeutet das: Teams können Varianten „durchspielen“, Entscheidungen dokumentieren und Konfigurationen später wiederverwenden – ein Kernaspekt bei wiederkehrenden Veranstaltungsformaten oder Rollouts neuer Raumstandards. Der Vergleich zu 3D-Anwendungen, wie sie etwa von Donnerblitz Design mit maßstabsgetreuen Raummodellen angeboten werden, macht klar, dass der Wettbewerb zunehmend in der Wiederverwendbarkeit und in der Interaktionslogik statt nur in der Visualisierung stattfindet.
Marktseitig fällt auf, dass die Digitalisierung der Planung zeitgleich mit der Verlagerung von Flächen in Richtung Coworking und kurzfristig buchbarer Meeting-Kapazitäten Fahrt aufnimmt. Im COLLECTION Business Center in Stuttgart steigt die Nachfrage nach flexiblen Arbeits- und Konferenzflächen, wie CEO Dr. Andre Helf betont: Unternehmen suchten heute verstärkt anpassbare Bereiche, um auf die Anforderungen des hybriden Arbeitens reagieren zu können. Genau hier setzen Konfiguratoren wie der Cisco Workspace Designer an, weil sie Planungsentscheidungen schneller in konkrete Raumvarianten übersetzen. Gleichzeitig konkurriert der Ansatz mit größeren Ökosystemen aus der Bau- und Architekturbranche, etwa wenn Autodesk-ähnliche Plattformen stärker Richtung 3D-Workflows und Datenkonsistenz treiben oder Anbieter aus dem Workplace-Bereich ihre Tools entlang von Erfahrungswerten weiterentwickeln.
Historisch betrachtet begann die digitale Raumplanung mit dem Austausch von Papiergrundrissen durch CAD – also vor allem mit besserer Geometrie. Der nächste Schritt war die Integration von Parametern, damit aus einem Layout eine wiederholbare Konfiguration wird. XR-Ansätze, also die Kombination aus Virtual, Augmented und Mixed Reality, versuchen aktuell, diese Parametrierung in eine „frühe Erlebbarkeit“ zu überführen, bevor sich Kosten in Bau- oder Umsetzungsphasen verfestigen. Im DACH-Raum laufen dafür Pilotprojekte, die Planungsfehler reduzieren und die Beteiligung verschiedener Akteure verbessern sollen. Doch hohe Kosten und fehlende Standards bremsen den internationalen Durchbruch – ein Muster, das man auch bei vielen bisherigen XR-Einführungen gesehen hat.
Für die technische Umsetzung sind Konfiguratoren typischerweise in eine Daten- und Integrationsstrategie eingebettet: Sie brauchen eine stabile Modellbasis, klare Regeln für Abstände, Ergonomie-Constraints und die Verknüpfung von Möbel- oder Hardwareoptionen. Im Zusammenspiel mit BIM wie beim Berliner Multi-Use-Projekt „HMS 51“, das mit Building Information Modeling realisiert wird und bis Anfang 2030 fertiggestellt sein soll, wird die Linie zwischen Planung und Ausführung zunehmend durchgezogen. Der Nutzen liegt auf mehreren Ebenen: Erstens lassen sich Entscheidungen dokumentieren und später in Bau- und Beschaffungsprozesse überführen. Zweitens entsteht ein durchgehender Datenfluss, der die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass im Betrieb andere Spezifikationen umgesetzt werden als im Entwurf vorgesehen.
Auch ergonomische und haptische Validierung bleibt dabei entscheidend. Hersteller setzen daher verstärkt auf Showrooms, in denen Teams Materialien, Farben und Möbel direkt testen – mit Fokus auf Sitzkomfort und gesundheitsfördernde Lösungen. Dass Interstuhl etwa Standorte in mehreren deutschen Städten nutzt, unterstreicht, dass digitale Planung allein nicht alle Fragen beantwortet. Der Cisco-Konfigurator adressiert hingegen den „Planungs-takt“: Er hilft, Varianten zu erstellen, zu speichern und zu kommunizieren. In Kombination entsteht ein zweistufiges Vorgehen, das in Enterprise-Umgebungen besonders gut funktioniert: erst virtuelle Konsistenz und schnelle Abstimmung, dann physische Verifikation, bevor Budgets verbindlich festgezurrt werden.
Ein weiterer Punkt ist Regulierung und Datenschutz – gerade wenn Planungstools Nutzeraktionen speichern oder Konfigurationen mit Gerätegrunddaten anreichern. Sobald Raumpläne, Standorte oder Nutzungsprofile in den Konfigurationsprozess einfließen, berührt das schnell Fragen zur Vertraulichkeit von Betriebsinformationen. Für Unternehmen ist daher wichtig, dass Datenflüsse transparent sind, Zugriffsrechte sauber geregelt werden und personenbezogene Angaben (etwa aus Feedback- oder Nutzungsdaten) nach Prinzipien wie DSGVO-konformer Zweckbindung behandelt werden. Der Konfigurator-Mehrwert entfaltet sich im Alltag nur dann, wenn Unternehmen auch auditierbare Prozesse für Datenaufbewahrung, Löschung und Rollenmanagement etablieren können.
Blickt man nach vorn, deutet die Kombination aus iF-prämierter Nutzerführung, XR-Piloten und BIM-orientierter Umsetzung auf eine Roadmap hin: weg von „Einmal-Entwurf“, hin zu „kontinuierlicher Raumproduktion“. Bis Standards für XR breiter verfügbar sind, werden Konfiguratoren wahrscheinlich die Rolle des zentralen Orchestrators übernehmen, während immersive Techniken punktuell für Reviews und Change-Management genutzt werden. Konkret könnten Entwickler und IT-Abteilungen erwarten, dass sich APIs, Exportformate und Integrationen rund um Konfigurationen weiter verdichten. In Berlin plant die Primestar Group zudem mit „WorX“ bis 2028 einen modernen Arbeitsort in einem denkmalgeschützten Gebäude; solche Vorhaben zeigen, dass hybride Workplace-Standards künftig häufiger in komplexen Umgebungen landen – und damit der Bedarf an verlässlicher, wiederholbarer Konfiguration weiter steigt.
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