KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die DEVK treibt ihr Wachstum weiter voran: Das Neugeschäft erreicht den besten Wert seit 140 Jahren, während die gebuchten Bruttobeiträge auf 5,75 Milliarden Euro steigen. Besonders auffällig ist die Verbesserung der versicherungstechnischen Ergebnisse und die gestärkte Kapitalbasis. Für 2026 kündigt das Unternehmen rund 4 Prozent Beitragswachstum an und setzt zugleich auf eine vorsichtige Zeichnungspolitik. Gleichzeitig nutzt die DEVK KI-gestützte Simulationen, um Elementarrisiken wie Starkregen künftig präziser zu bewerten.

Die DEVK-Gruppe schafft es, ihre traditionsreiche Aufstellung in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld zu operationalisieren: Sowohl das Neugeschäft als auch das Ergebnisniveau entwickeln sich 2025 deutlich besser. Nach Angaben des Unternehmens wuchsen die gebuchten Bruttobeiträge auf 5,75 Milliarden Euro, und damit liegt die Entwicklung leicht über den Erwartungen des guten Vorjahres. Der strategische Kern bleibt dabei laut Unternehmensführung, aus eigener Kraft zu wachsen – also ohne den schnellen Hebel reiner Volumenakquise. Gleichzeitig sinkt die Zahl versicherter Risiken und Verträge um 0,4 Prozent, was auf eine gezielte Ablösung älterer Bestände hindeutet.
Technisch und fachlich zeigt sich das Bild in der Kombination aus Schadenmanagement und Reservenpolitik. Für die Schaden- und Unfallversicherung berichtet die DEVK nach Zuführung zur Schwankungsrückstellung über ein stark verbessertes versicherungstechnisches Ergebnis: Vor Veränderungen der Rückstellung stieg es auf 143 Millionen Euro, nach einer Einzahlung von 125 Millionen Euro verbleibt ein weiteres Ergebnis von 18 Millionen Euro. Auch das Gesamtergebnis über Lebens- und Krankenversicherung sowie Pensionsfonds fällt wieder positiv aus. Die Kapitalanlagevolumen steigen um 2,9 Prozent auf 24,07 Milliarden Euro, während das Eigenkapital auf 3,04 Milliarden Euro wächst. Das bedeutet praktisch: mehr Puffer, weniger Ergebnisvolatilität und eine bessere Basis für gezielte Neuabschlüsse.
Im Markt ist der Wettbewerb in der Komposit-Sparte weiterhin spürbar. Besonders im Kfz-Geschäft bleibt der Preisdruck hoch: Die DEVK nennt sinkende Combined Ratio-Werte als Qualitätsindikator, gleichzeitig verschärfen Kostensteigerungen bei Ersatzteilen und Werkstattstunden seit 2017 das Kalkulationsumfeld. Hier konkurrieren große Anbieter wie Allianz, AXA oder HUK-COBURG über Preis, Service und Risikoselektion – ein Umfeld, in dem spürbar wird, wie wichtig prozessuale Exzellenz ist. Die DEVK verbessert im Kompositbereich die Combined Ratio auf 94,3 Prozent (Vorjahr 98,5 Prozent) und senkt sie im Kfz auf 105 Prozent. Solche Spannen sind weniger „Magie“ als konsequente Prämien- und Kostensteuerung entlang der Schadensachbearbeitung.
Parallel investiert die DEVK in datengetriebene Methoden, um Risiken nicht nur nach Historie, sondern zunehmend nach Szenarien zu bewerten. Im Ausblick hebt das Unternehmen KI-gestützte Simulationen von Starkregenereignissen hervor, um die Risikoeinschätzung bei Elementargefahren präziser zu treffen und damit wettbewerbsfähige Konditionen zu sichern. Aus Tech-Sicht ist das ein relevanter Schritt: Während klassische Modelle häufig auf statistischen Verteilungen und vereinfachten Annahmen beruhen, können Simulationen – etwa in Kombination mit Wetterdaten, Geokoordinaten und Ereignishäufigkeiten – die Modellunsicherheit reduzieren. Entscheidend ist dabei nicht nur die Genauigkeit, sondern auch die Governance der Modelle: nachvollziehbare Features, versionierte Modelle und definierte Freigabeprozesse für underwriting-relevante Entscheidungen.
Auch auf der Rückversicherungsseite wird die Strategie klarer diversifiziert. Die gebuchten Rückversicherungsbeiträge aus konzernfremdem Geschäft steigen auf 1,41 Milliarden Euro, die Zahl der Kunden in diesem Segment wächst auf 1.057. Das Portfolio wird nach Regionen und Sparten weiterentwickelt, und die Schaden-Kosten-Quote vor Zuführung zur Schwankungsrückstellung liegt bei 90,4 Prozent. Michael Knaup unterstreicht, dass Rückversicherer als Wert- und Diversifikationstreiber einen wesentlichen Anteil am Beitragsaufkommen ausmachen – rund ein Viertel. Wettbewerber am Markt verfolgen ähnliche Muster, jedoch unterscheiden sich Risikoapportionierung und Kapitalkosten; für Unternehmen bedeutet das: bessere Stabilität, aber auch strengere Vertrags- und Modellanforderungen in der Zusammenarbeit.
Beim Lebensgeschäft setzt die DEVK zudem auf Produkt- und Vertriebsimpulse, die eher an die Schnittstelle von Finanz-Engineering und Kundenbedürfnissen gehen. Als Treiber nennt das Unternehmen eine flexible Fondsrente mit Garantiekomponenten, die zur Jahresmitte eingeführt wurde. Solche Produkte versuchen, die Erwartungen nach Renditechancen und Absicherung zu verbinden – ein Thema, das seit Jahren die Diskussion im Markt prägt, weil Zinsumfeld und Kapitalmarktrisiken nicht linear verlaufen. Die gebuchten Bruttobeiträge der Lebensversicherer im engeren Sinne steigen um 2,6 Prozent auf 783,8 Millionen Euro. Gleichzeitig wächst auch die Krankenversicherung dynamisch, was im Zusammenspiel mit Digitalisierung und Serviceprozessen typischerweise zu effizienteren Underwriting- und Vertriebsabläufen beiträgt.
Experten sehen in der Kombination aus Ergebnisdisziplin und moderner Risikomodellierung eine praktikable Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. Wie Branchenbeobachter berichten, werden in den nächsten Jahren vor allem drei Hebel den Ausschlag geben: erstens die Fähigkeit, Elementarrisiken und Schadenverläufe in Echtzeit oder zumindest zeitnaher als bisher zu modellieren, zweitens die Kapitalallokation bei volatilem Kapitalanlageumfeld und drittens die Vertriebsqualität, die nach Produktmargen und Kundenwert steuert statt nur nach Abschlusszahlen. Genau hier ordnet sich die DEVK-Story ein: bestes Vertriebsergebnis bei gleichzeitigem Bestandsumbau, stabile Kapitalkennzahlen und die gezielte Zeichnung, die im Ausblick als „vorsichtig“ beschrieben wird.
Für 2026 bleibt die Richtung damit eindeutig: rund 4 Prozent Beitragswachstum und ein deutlich verbesserter Konzern-Jahresüberschuss vor Steuern – bei bewusst selektiver Risikoübernahme, reduzierten Rückversicherunganteilen und weiterem Aufbau der Schwankungsrückstellungen. Operativ deutet das darauf hin, dass die DEVK ihre Modellierungs- und Betriebsprozesse weiter ausbauen wird, statt nur Volumen nachzulegen. Für die Branche ist das ein Signal: Unternehmen, die KI in Risikobewertung, Bestandssteuerung und Schadenanalyse integrieren, können in Preisdruckphasen stabiler bleiben. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Compliance, Datenschutz und Modelltransparenz, insbesondere wenn Wetter- und Geodaten in underwriting-nahe Entscheidungen einfließen. Entwickler und Data-Teams können daraus konkrete Chancen ableiten: saubere Datenpipelines, Auditierbarkeit und robuste MLOps-Workflows werden zum Wettbewerbsvorteil.
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