LONDON (IT BOLTWISE) – Nach einem massiven Kursrutsch zeigt K33, dass erstmals seit früheren Bärenphasen mehr als 50% der zirkulierenden Bitcoin-Menge „unter Wasser“ liegt. Historisch folgten die Zyklus-Tiefs meist innerhalb weniger Wochen – oft erst nach einer letzten Abwärtswelle. Gleichzeitig fallen wichtige Marktindikatoren wie der 200‑Wochen-Durchschnitt zurück in den Fokus, während Outflows aus börsengehandelten Produkten und extreme Angststimmung auf ein Kapitulationsszenario hindeuten. Der Bericht ordnet das Setup als potenziell begrenztes Abwärtsrisiko bei offenem Upside-Fenster ein.

Bitcoin hat eine turbulente Phase hinter sich: Innerhalb weniger Wochen sackte der Kurs um rund 28% von etwa 82.000 US-Dollar bis unter 60.000 US-Dollar ab. In diesem Umfeld rückt eine Kennzahl besonders stark in den Vordergrund: Laut K33 sind mittlerweile mehr als 50% der zirkulierenden Bitcoin-Menge „underwater“, also zu Preisen in Umlauf geraten, die unterhalb des Niveaus liegen, bei dem die jeweiligen Coins zuletzt gehandelt wurden. Das ist insofern bemerkenswert, als solche Schwellenwerte in der Vergangenheit typischerweise nahe großen Bärenmarkt-Tiefs auftauchten – allerdings selten ohne zuvor noch eine letzte Abwärtsbewegung gesehen zu haben.
Was hinter der Beobachtung steckt, lässt sich als Zusammenspiel aus On-Chain- und Marktmechanik beschreiben. K33 stützt sich dabei auf die Verteilung der realisierten Kaufpreise vieler Coins und darauf, welcher Anteil heute in der Verlustzone liegt. Der entscheidende Punkt ist: Nicht jeder Verlust wird zwangsläufig zu sofortigem Verkaufsdruck. Ein großer Teil älterer Bestände bewegt sich entweder gar nicht – etwa wegen verlorener Coins – oder bleibt bei Haltern, die nicht verkaufen wollen. Dadurch „wandert“ ein nicht realisierter Verlust nicht immer in eine aktive Verkaufsspur, sondern setzt eine Art natürliche Decke auf die Intensität von Verkäufen.
Historisch betrachtet, zeigt K33 ein wiederkehrendes Muster: In den Bärenmärkten 2011, 2018 und 2022 trat der Zustand „über 50% der Coins im Minus“ nur kurz vor oder rund um das tatsächliche Tief auf. In allen Fällen folgte jedoch zunächst noch eine letzte Abwärtsstrecke, bevor sich das Bild stabilisierte. Erst nachdem der Markt noch einmal eine Art „Final Leg Lower“ durchlaufen hatte, sank die Kursbildung häufig stärker aus, bevor später Erholungsphasen einsetzten. Der Bericht betont zudem, dass die mittel- bis langfristige Entwicklung nach dem ersten Überschreiten der 50%-Marke deutlich positiv ausfiel – mit späteren Gewinnen, die in einzelnen Zyklen sehr weit auseinanderlagen.
Die Einordnung bleibt wichtig: Eine solche Statistik ist keine Garantie, aber sie verknüpft die Wahrscheinlichkeit. K33 argumentiert, dass die Phase nach einer über längere Zeit anhaltenden Verlustkonstellation typischerweise weniger „verkaufsgetrieben“ wird, weil profitable Halter erschöpft werden, während gleichzeitig ein Teil der in Verlust geratene Coins faktisch nicht mehr aktiv in den Markt gelangt. Hinzu kommt ein weiteres technisches Bild, das K33 in den Mittelpunkt stellt: Der aktuelle Kursrutsch brachte Bitcoin zurück in die Nähe des 200‑Wochen-Moving-Average – ein Niveau, das in früheren großen Abwärtsphasen als markanter Trigger für Bodenbildung diente. Auch das RSI erreichte dabei laut Bericht ein Extremniveau, wie es zuletzt seit November 2018 zu sehen war.
Marktseitig verdichten mehrere Signale das „Bear-Momentum“-Ende. So nennt K33 recordnahe Abflüsse bei börsengehandelten Bitcoin-Produkten (ETPs), die zwischen 7. Mai und 8. Juni im Tagesdurchschnitt bei rund 4.108 BTC gelegen hätten. Parallel sank der Fear & Greed Index auf eine Lesart, die als „extreme fear“ beschrieben wird. In Summe ergibt sich damit ein Stimmungs- und Flussbild, das oft mit Kapitulationsphasen korreliert: Wenn Kapital nicht nur „zweifelt“, sondern aktiv aus Vehikeln abzieht, verlagert sich die Nachfrage-zu-Angebotsbalance häufig erst dann, wenn zusätzliche Verkäufer nicht mehr dominieren. Vergleichbare On-Chain-Insights werden in der Branche regelmäßig auch von Datenanbietern wie Glassnode oder CryptoQuant diskutiert, auch wenn deren konkrete Methodik und Schwellenwerte nicht identisch sind.
Ein zusätzlicher Treiber könnte dabei laut K33 in der Kapitalrotation liegen: In Stressphasen fließt Liquidität häufig aus Risikoasset-Klassen ab, um sie bei wieder steigender Erwartungsrendite in „High-Conviction“-Themen umzuschichten. Als Beispiele nennt der Bericht Wachstumslinien rund um KI-Unternehmen, bestimmte Tech-Giganten sowie die geplante Börsennotierung von SpaceX. Für die Bewertung ist entscheidend, dass es sich nicht zwingend um ein Entweder-oder handelt, sondern um Timing und Risikoappetit: Wenn sich innerhalb von Wochen die Erwartungen stabilisieren, kann Bitcoin als großes Liquiditäts- und Volatilitätsinstrument wieder stärker ins Kalkül rücken. Dass der aktuelle Drawdown zwar „kürzer und flacher“ ausfiel als in früheren Zyklen, könnte zudem darauf hindeuten, dass das Abwärtspotenzial zwar begrenzt sein könnte, die Marktreaktion aber dennoch eine gewisse Nachlaufzeit benötigt.
Mit Blick auf die Zukunft verbindet K33 das Setup mit einer konkreten Erwartung: Das 60.000‑US-Dollar-Niveau soll nach Einschätzung des Hauses das Zyklus-Tief markieren oder zumindest eine stark attraktive Zone für langfristiges Einsammeln darstellen. Technisch wird zusätzlich erwähnt, dass Bitcoin in der letzten Woche kurz unter das 200‑Wochen-Moving-Average fiel, bevor es in der Nähe dieses Referenzpunkts wieder betrachtet wurde. Regulierung und Risikoseite bleiben jedoch für Unternehmen und institutionelle Akteure relevant: Je stärker die Verwahr-, Handels- und Produktinfrastruktur in den Fokus rückt, desto mehr spielt Compliance eine Rolle, etwa im Rahmen der EU-weit zunehmenden Aufsicht über Krypto-Assets (Stichwort MiCA) und über den Umgang mit Kundengeld, Transparenz und Market-Integrity. Für CIOs heißt das praktisch: Selbst wenn der Markt ein Bodenmuster zeigt, müssen Portfoliopositionierung, Custody-Modelle und Risikocontrolling die Volatilität weiterhin einkalkulieren.
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