LONDON (IT BOLTWISE) – Während US-Spot-Bitcoin-ETFs seit dem Start im Januar 2024 noch wie ein offenes Wettbewerbsspiel wirkten, verdichtet sich der Markt inzwischen zu einem Zwei-Anbieter-Modell. Daten zeigen, dass vor allem BlackRocks iShares Bitcoin Trust und Fidelitys Wise Origin Bitcoin Fund den Großteil der neuen institutionellen Zuflüsse tragen. In Phasen steigender Volatilität bestimmen diese zwei Fonds häufig, ob der gesamte ETF-Sektor netto Zuflüsse verzeichnet oder abfließt. Damit verschiebt sich die Frage vom „Wer steigt ein?“ hin zu „Wer liefert Liquidität und Distribution?“

Als die US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 starteten, sah es nach einem offenen Markt mit vielen Konkurrenten aus. Inzwischen deutet sich jedoch eine deutlich andere Dynamik an: Der Wettbewerb zwischen Dutzenden Emittenten wirkt zunehmend wie ein zweifaches Rennen, bei dem zwei große Produkte den Takt vorgeben. Besonders sichtbar wird das in der Verteilung der Zuflüsse an Tagen, an denen sich institutionelle Investoren neu positionieren. So zeigen Auswertungen aus dem bisherigen Jahresverlauf, dass BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) und Fidelitys Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) den Löwenanteil der Nettozuflüsse abwickeln, während kleinere Fonds den Markt zwar weiterhin „füllen“, aber kaum Einfluss auf die Richtung nehmen.
Technisch betrachtet steckt hinter dieser Marktmechanik weniger „besserem Bitcoin-Exposure“ als vielmehr die Kombination aus Liquidität, Order-Flow und operativer Reichweite. ETFs sind in der Praxis nicht nur Anlageprodukte, sondern auch Infrastruktur: Market Maker müssen Handelsvolumen in kurzfristigen Preis- und Spread-Schwankungen absichern, und für große institutionelle Allokationen zählt, wie schnell und verlässlich Kapital in den Fonds fließen kann. Wenn IBIT und FBTC auf den meisten großen Allocation-Tagen den größten Anteil der Nachfrage bündeln, reduziert das die Such- und Transferkosten für Berater, Treasury-Teams und Investment-Ausschüsse. Der Effekt ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus Sichtbarkeit, Volumen und Vertrauen.
Marktseitig zeigt sich die Konzentration besonders in 2026 in Phasen, in denen Bitcoin zeitweise unter Druck gerät und gleichzeitig die Kryptofondslandschaft mit ETF-Rückgaben konfrontiert ist. Die bisherigen Monate verdeutlichen, dass Rückgänge nicht mehr ausschließlich als „Kaufthema“ interpretiert werden, sondern in einigen Situationen zu strukturierten Redemptions führen. In solchen Volatilitätsfenstern wird sichtbar, dass die beiden dominierenden Fonds bei Zufluss und Abfluss oft als „Stabilisator“ bzw. „Hebel“ fungieren: Bleiben sie vergleichsweise im positiven Bereich oder fallen weniger stark zurück als andere, kann der gesamte Sektor trotz Gegenwind netto zulegen. Umgekehrt reichen ihre Bewegungen häufig aus, um andere Nettoabflüsse zu überdecken.
Dass dieser Trend gerade BlackRocks Produkt stärker begünstigt, ist nicht überraschend: Große Käufergruppen in den USA – etwa registrierte Anlageberater, Hedgefonds, Family Offices, Pensionskonsulenten und institutionelle Allokatoren – bewerten häufig die Umfeldfaktoren ähnlich hoch wie die reine Preisexponierung. Dazu gehören Handelsvolumina, institutionelle Prozessfähigkeit, Transparenz im Handling und der Ruf des Emittenten. BlackRock verwaltet global mehr als 10 Billionen US-Dollar und verfügt über Beziehungen zu tausenden Wealth-Management-Plattformen. Fidelity profitiert zudem von seiner historisch starken Rolle im Brokerage- und Retirement-Geschäft. Für viele Zuteilungsentscheidungen werden IBIT und FBTC damit zur „Default“-Wahl, weil sie Verlässlichkeit im Betrieb versprechen und das Risiko von Liquiditätsengpässen für den gesamten Investment-Workflow senken.
Der Preis dieser Bequemlichkeit ist für kleinere Anbieter spürbar: Fonds wie Franklin Templetons EZBC, VanEcks HODL, Valkyries BRRR oder WisdomTrees BTCW bewegen sich laut den beschriebenen Beobachtungen häufig in Zuflussdimensionen im einstelligen Millionenbereich. Damit bleiben sie im Gesamtbild unsichtbar, selbst wenn ihre Kosten- oder Strukturdetails für einzelne Investoren theoretisch attraktiv wären. Auch Emittenten, die anfangs als ernstzunehmende Alternativen galten, verlieren relativ an Bedeutung, etwa Bitwise (BITB) oder Ark Invest (ARKB). Ein früherer Versuch eines weiteren Wettbewerbers, in den Spot-ETF-Markt einzusteigen, wurde zudem vorzeitig beendet, was das Gefühl verstärkt, dass der Markt inzwischen anders „gewinnt“: weniger über Produktdifferenzierung, mehr über Skalierung und Vertriebskraft.
Aus Expertensicht verdichtet sich die Interpretation häufig zu einem „Winner-take-most“-Prinzip. In Marktkommentaren wird das oft so beschrieben: Wenn institutionelle Investoren in Stressphasen umschichten, gehen sie zuerst zu den Vehikeln mit dem tiefsten Liquiditätspolster und der besten operativen Anbindung. Das erklärt auch, warum an Tagen mit hohen Zuflüssen der Kapitalfluss überproportional zu den beiden größten Fonds läuft – und warum umgekehrt bei Verkäufen das Sektorresultat stärker von IBIT und FBTC abhängt als von der Breite der Restlandschaft. Für die Branche bedeutet das: Der Bitcoin-ETF-Markt wird weniger wie ein Startup-Ökosystem mit vielen Experimenten funktionieren, sondern stärker wie ein Markt, in dem Netzwerkeffekte aus Datenzugriff, Order-Flow und Distribution dominieren.
Der Ausblick für Unternehmen und Entwickler ist damit konkret: Wer Depot- und Order-Workflows für institutionelle Kunden betreibt, sollte die Fondslandkarte als „liquiditätszentriert“ auslegen. Das betrifft nicht nur Trading-Schnittstellen, sondern auch Reporting-Logik, Risiko-Schwellen und die Simulation von ETF-Flow-Szenarien über mehrere Emittenten hinweg. Gleichzeitig rückt Regulatorik stärker in den Vordergrund: Spot-ETFs bewegen sich in einem stark überwachten Rahmen, in dem Datenqualität, Verwahrketten, Offenlegung und Compliance-Prozesse entscheidend sind. Für künftige Produkte heißt das, dass Differenzierung weniger in der reinen Assetexponierung liegen wird, sondern in Service-Leveln rund um Liquidität, Prozessintegrität und Transparenz. Wenn sich die Konzentration fortsetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass neue Anbieter künftig gezielt Nischen bedienen – statt gegen die beiden Platzhirsche in den „Main Allocation Days“ anzutreten.
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