WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Weltbank warnt, dass sich die Weltwirtschaft bei einer Fortsetzung der militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran deutlich langsamer entwickelt. Für 2026 korrigiert das Institut seine Wachstumsprognose um 0,1 Punkte auf 2,5 Prozent nach unten. Treibende Faktoren sind anhaltend hohe Inflation und steigende Energiepreise, nachdem der freie Schiffsverkehr im Bereich der Straße von Hormus und der Rohstoffhandel erheblich gestört wurden. Experten erwarten zwar eine Erholung im nächsten Jahr, sehen aber insgesamt eine Wachstumsdelle unter dem Niveau der 2010er Jahre.

Die globale Konjunktur steht laut Weltbank erneut unter dem Eindruck geopolitischer Risiken: Sollte der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht zeitnah beendet werden, nimmt der wirtschaftliche Gegenwind eher zu als ab. Das Institut rechnet für 2026 mit dem schwächsten Wachstum seit Beginn der Corona-Pandemie und korrigiert seine Prognose um 0,1 Punkte auf 2,5 Prozent. Im Jahr zuvor lag das Wachstum noch bei 2,9 Prozent. Damit verschiebt sich die Erwartungslinie weg von einem «Normalisierungspfad» hin zu einem Szenario, in dem Lieferketten, Finanzierungskonditionen und Preisniveaus länger unter Druck bleiben.
Im Kern wirken dabei gleich mehrere Transmission-Mechanismen zusammen: steigende Energiepreise heizen die Inflation an, Inflation wiederum reduziert Kaufkraft und dämpft Investitionen, und beides trifft gerade Volkswirtschaften, die ohnehin fragil sind. Laut Weltbank spielt die direkte Störung der Güterlogistik eine zentrale Rolle, weil der freie Schiffsverkehr und der Rohstoffhandel im Bereich der Straße von Hormus praktisch zum Erliegen kommen könne. Diese Art von Engpass wirkt nicht nur kurzfristig über Transportkosten, sondern schlägt häufig auch in länger laufende Beschaffungsverträge, Lagerstrategien und Risikoprämien für Energie- und Rohstoffderivate durch.
Technisch lässt sich das wirtschaftliche Muster als Kette von Preis- und Erwartungsänderungen beschreiben, die sich über Datennetze und Handelsinfrastrukturen in Minuten übertragen. Sobald Routen unzuverlässig werden, steigen die Volatilität und damit die Sicherheitsaufschläge: Unternehmen sichern sich gegen Lieferausfälle, indem sie mehr Puffer vorhalten oder auf teurere Alternativen ausweichen. Gleichzeitig reagieren Märkte auf neue Informationen, indem sie Finanzierungsrisiken neu bepreisen. Die Weltbank erwartet deshalb für das laufende Jahr eine Inflation von 4,0 Prozent, nach 3,3 Prozent im Jahr 2025. Falls Versorgungsengpässe länger anhalten, könnte die Inflation auf 4,4 Prozent steigen.
Für die Wachstumsseite prognostiziert die Weltbank bei anhaltenden Störungen einen deutlichen Dämpfer: Das globale Wachstum könnte dann nur noch bei 1,3 Prozent liegen. Interessant ist dabei der Zeitpunkt: Die Abwärtskorrektur erfolgt, obwohl die Eskalation im Nahen Osten zum Zeitpunkt der Prognosen im Januar noch nicht absehbar war. Das zeigt, wie stark Makromodelle von den Annahmen zur Dauer, Intensität und geografischen Ausbreitung abhängig sind. Hier treffen sich auch die Bewertungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der bereits im April seine Wachstumserwartungen für 2026 um 0,2 Punkte auf 3,1 Prozent gesenkt hatte – allerdings unter der Voraussetzung, dass wirtschaftliche Störungen bis Mitte 2026 abklingen.
Marktseitig verschärft sich die Lage besonders dort, wo Energie- und Lebensmittelpreise einen großen Anteil am Warenkorb haben oder wo Devisen knapp sind. Laut Weltbank wurden in zwei Dritteln der Volkswirtschaften die Wachstumsprognosen seit Januar nach unten korrigiert. Experten verweisen zudem darauf, dass selbst scheinbar entfernte Ereignisse – etwa die Unterbrechung eines Seehandelskorridors – in vielen Ländern über Währungsbewegungen, Importabhängigkeiten und fiskalische Spielräume schnell sichtbar werden. Während sich Deutschland hierzulande vor allem über höhere Benzinpreise ärgert, steht bei vielen besonders stark belasteten Regionen die makroökonomische Stabilität auf dem Spiel. Das Risiko reicht bis in die Armutsdynamik: Bis Ende 2026 könnte ein Viertel der Entwicklungsländer ärmer sein als 2019, unter Niedrigeinkommensländern sogar ein Drittel.
Die Industrie- und Technologieperspektive liegt weniger in kurzfristigen Lieferketten-Notlösungen, sondern in der Fähigkeit, resilientere Betriebs- und Planungsprozesse aufzubauen. Wenn Energie als Kostenfaktor dauerhaft schwankt, steigt der Bedarf an präziseren Prognosen, besseren Hedging-Strategien und einer stärkeren Kopplung von Risiko- und Finanzplanung. Unternehmen, die ihre Datenflüsse von Beschaffung, Transport und Treasury enger integrieren, können auf neue Preisniveaus schneller reagieren. Zugleich verlangt das Thema Security und Compliance mehr Aufmerksamkeit: Viele Gegenmaßnahmen laufen über externe Datenquellen, grenzüberschreitende Lieferantenportale und automatisierte Freigabeprozesse, die ohne saubere Zugriffskontrollen und Audit-Trails ein Risiko darstellen. Hier entsteht ein klarer Bedarf an Governance, sobald Unternehmen den Betrieb in kurzer Zeit umstellen müssen.
Auch politisch bleibt die Lage ambivalent. Die Weltbank greift selbst ein, indem sie bereits zu Beginn der Krise Soforthilfen im Volumen von 20 bis 25 Milliarden US-Dollar bereitgestellt hat. Darüber hinaus kündigte die Entwicklungsbank an, zwischen 50 und 60 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen, um Regierungen in Entwicklungsländern zu unterstützen und landwirtschaftliche Betriebe zu stabilisieren; ein Teil der Mittel soll aus anderen Projekten umgeschichtet werden. Falls Konflikt und wirtschaftliche Folgen anhalten, könnte die Finanzierung über 15 Monate hinweg auf 80 bis 100 Milliarden US-Dollar erhöht werden. Das ist für den Markt relevant, weil es Stabilität schafft, aber gleichzeitig Erwartungsmanagement erfordert, damit Mittel effizient, nachvollziehbar und mit Blick auf Daten- und Prüfrechte eingesetzt werden.
Für die Zukunft zeichnet sich trotz der Abwärtskorrektur ein vorsichtig positiver Pfad ab: Im kommenden Jahr dürfte die Weltwirtschaft insgesamt stärker zulegen als gedacht, von 2,7 Prozent auf 2,8 Prozent. Grundlage ist die Annahme, dass sich die Energieversorgung erholt, Regierungen ihre Geldpolitik lockern und der Handel wieder anzieht. Allerdings betont die Weltbank, dass das Wachstum damit immer noch unter dem Durchschnitt der 2010er Jahre liegen würde. Der IWF erwartet für 2027 weiter 3,2 Prozent. Für Unternehmen und Entwickler bedeutet das: Resilienz wird zum dauerhaften Produkt- und Betriebsprinzip. Wer in KI-gestützte Prognosen, Energie- und Lieferketten-Optimierung sowie robuste Sicherheitsarchitekturen investiert, kann in einem volatileren Umfeld schneller skalieren und bleibt auch bei regulatorischen Anforderungen und strengerem Datenschutz handlungsfähig.
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