LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle datengetriebene Analyse argumentiert, dass Bitcoins Tiefpunkt im laufenden Drawdown noch nicht erreicht sein könnte. Der Kern der Erwartung liegt weniger in klassischen Preisregeln, sondern in der Beobachtung von On-Chain-Metriken wie MVRV und dem Verhalten der sogenannten Cost Basis. Das Dokument skizziert eine wahrscheinliche Boden-Zone im Bereich von 40.000 bis 46.000 US-Dollar und legt zugleich dar, warum frühere „-75% bis -85%“-Daumenregeln diesmal zu kurz greifen. Gleichzeitig betont die Studie die Gefahr, dass eine echte Kapitulation die „höhere Untergrenze“ wieder schnell verwischen kann.

Bitcoin handelt seit Jahren in Wellen: Auf mehrjährige Hochphasen folgt ein schmerzhafter Rückgang, danach beginnt die Erholung erneut. Viele Marktteilnehmer verknüpfen dieses Muster mit dem rund vierjährigen Halving-Zyklus, das die reguläre Ausgabe neuer Coins halbiert. Doch die entscheidende Frage für Investoren bleibt praktisch immer dieselbe: Ist das aktuelle Tief bereits „drin“, oder läuft der Markt erst auf ein späteres Tief zu? Eine neue, ausschließlich datenbasierte Betrachtung setzt genau hier an. Sie behauptet, dass die empirischen Signale zwar für einen echten Zyklus sprechen, die Ausschläge aber insgesamt „komprimierter“ geworden sind.
Technisch – im Sinne der verwendeten Messgrößen – steht dabei vor allem die On-Chain-Brille im Vordergrund. Zentral ist die MVRV-Logik (Market Value to Realized Value): Der heutige Marktwert wird ins Verhältnis zum realisierten Wert gesetzt, also dem durchschnittlichen Preis, zu dem die Coins zuletzt gehandelt wurden. Daraus lässt sich die „Cost Basis“ ableiten, die in dieser Studie als wichtigste Ankerlinie für die Bodenbildung dient. Ergänzend werden weitere Indikatoren genutzt, darunter RSI als Momentum-Signal, SOPR zur Profit-/Loss-Realisation auf bewegten Coins sowie trendbasierte Marker wie die Distanz zu gleitenden Langfrist-Avgs.
Die Analyse ordnet die aktuelle Phase in den 4-Jahres-Takt ein und vergleicht die Amplitude der letzten Top-zu-Trough-Bewegungen. Der Oktober 2025-Top wird dabei als besonders „ruhig“ charakterisiert: Viele klassische Warnsignale für Euphorie hätten auf niedrigem Niveau gelegen, und Timing-Indikatoren hätten zwar den Zeitplan getroffen, aber die „Hitze“ des Peaks sei ausgeblieben. Genau das ist der Dreh- und Angelpunkt für die Boden-Theorie: Wenn die Top-Phase weniger überhitzt, liegt die Cost Basis rechnerisch näher am bisherigen Allzeithoch. Ergebnis wäre eine höhere Untergrenze für spätere Tiefs – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung, weil die Cost Basis bei echten Verkäufen nach unten „mitwandert“.
Im Market-Teil wird die Plausibilität über den Vergleich mit früheren Zyklen geschärft. So argumentiert die Studie, dass bisher nur ein kleiner Teil der typischen „Bottoming“-Signale in voller Stärke ausgelöst sei. Besonders relevant sei ein Miner-seitiges Signal: die sogenannten Hash Ribbons, die im Kern das Verhältnis kurzfristiger zu mittelfristiger Mining-Power-Metriken betrachten und in früheren Phasen häufig dem Boden vorausliefen. Außerdem wird betont, dass harte Kapitulationsmuster wie deutliche Preisverschiebungen unter die Cost Basis oder langanhaltende Verlustrealisierung noch nicht vollständig eingetreten sind. Branchenbeobachter sehen solche On-Chain-Marker häufig als Frühindikatoren für Stressphasen, während Preisbewegungen allein in laufenden Drawdowns leicht „Narrative“ bedienen.
Auch im Wettbewerbskontext wirkt diese Argumentationslinie plausibel: Institutionelle Nachfrage über Spot-ETFs, Treasury-Strategien großer Firmen und das strategische Kapital anderer Akteure können die Dynamik in beide Richtungen beeinflussen. Einerseits liefert ein stabiler, regelbasierter Zufluss in ruhigen Phasen mehr Bodenhaftung, weil Liquidität nicht nur am Retail-Hunger hängt. Andererseits kann derselbe institutionelle Mechanismus bei starker Risikoreduktion zu Outflows führen, was die ohnehin dünne „Cushion“ zwischen Preis und Cost Basis schnell erodieren lässt. „Wenn die Verkaufswelle echte Kohortenverluste produziert, wird die vermeintlich höhere Untergrenze mathematisch wieder nach unten gezogen“, so ein Marktkommentar, der die Reflexivität der Cost-Basis-Logik betont – ein Gedanke, der in mehreren Analysen zum On-Chain-„Cost Basis“-Konzept wiederkehrt.
Historisch ist die Studie zudem nicht als reiner Blick in die Gegenwart zu verstehen, sondern als Fortsetzung eines wiederkehrenden Mustervergleichs. Seit Jahren versuchen Analysten, Zyklus-Tops und -Bottoms über Indikator-Sets zu „taggen“, weil extreme Ereignisse in Echtzeit nur selten klar erkennbar sind. Der Ansatz, die 4-Jahres-Struktur über mehrere Zyklen hinweg zu validieren und dann Abweichungen in der Amplitude zu interpretieren, ist dabei ein bewährter Mechanismus. Neu ist vor allem der Fokus darauf, dass die Top-„Calmness“ die Dollar-Tiefe des nächsten Zyklusenden beeinflusst, selbst wenn prozentuale Rückgänge scheinbar ähnlich wirken könnten. Dadurch wird eine alte Faustformel relativiert: Das klassische „-75% bis -85%“-Bild passt bei einem ruhigeren Peak offenbar nicht 1:1 als Preisanker.
Für die Zukunftsprojektion übersetzt die Analyse ihre Metrik-Logik in Preis-Szenarien. Das Base Case-Szenario sieht den Boden im Bereich von 40.000 bis 46.000 US-Dollar, zeitlich zwischen „jetzt“ und dem vierten Quartal 2026. In einem härteren Washout-Variante werden niedrigere MVRV-Bänder mit einem Preisbereich um 30.000 bis 37.000 US-Dollar verknüpft, während ein besonders flaches Szenario mit stabiler Nachfrage nahe der Cost Basis auf etwa 51.000 bis 54.000 US-Dollar hinausläuft. Entscheidend ist dabei: Diese Bereiche sind bedingt durch die Boden-„Typologie“ vergangener Zyklen, nicht als Garantie formuliert. Für Unternehmen und Entwickler ist die praktische Konsequenz ähnlich wie bei jeder Risikomodellierung: Man muss Bandbreiten operationalisieren, nicht nur Zielwerte.
Aus Enterprise-Sicht lässt sich daraus auch eine technisch-organisatorische Leitidee ableiten: Datengetriebene Investment-Entscheidungen profitieren von einer klaren Trennung zwischen Signal und Modellannahme. Wenn ein Modell ausschließlich Markt- und On-Chain-Daten nutzt, werden Faktoren wie Regulierungs- oder geopolitische Schocks zwar nicht als „direkter Trigger“ eingerechnet, aber die Aussagekraft hängt trotzdem davon ab, ob diese Externas die Liquiditätsbedingungen verändern. In der Studie wird genau deshalb betont, dass die Zeithorizonte für exogene Ereignisse nur mittelbar über Wahrscheinlichkeit und Timing berücksichtigt werden. Das ist für Datenschutz und Compliance relevant: On-Chain-Daten sind zwar öffentlichkeitsnah, aber die daraus abgeleiteten Risikosignale können intern als steuerungsrelevante Entscheidungsgrundlage dienen, wodurch Dokumentation, Audit-Trails und Governance-Schichten an Bedeutung gewinnen.
Unterm Strich verschiebt die Argumentation den Schwerpunkt vom „ob“ hin zum „wann“ und „wie tief“. Wenn der Boden noch nicht in Sicht ist, aber die Signale Richtung Stressphase zeigen, könnte sich der Markt weiterhin in einem Übergangsbereich bewegen, in dem einzelne Indikatoren erst später vollständig ausschlagen. Genau hier entstehen Chancen für Entwickler: On-Chain-Analytik-Plattformen, Alerting-Systeme und Portfolio-Risk-Engines können solche Indikatoren als feingranulare Feature-Sets in Monitoring-Pipelines integrieren. Gleichzeitig bleibt das Hauptrisiko bestehen, dass eine echte Kapitulation die Cost Basis schnell senkt und damit das höhere Floor-Szenario teilweise neutralisiert. Für 2026 bedeutet das: Wer auf Daten basiert, sollte Bandbreiten eng an Indikator-Logik koppeln und nicht allein auf historische Prozentregeln vertrauen.
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