BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Hotelimmobilien behaupten sich laut einer aktuellen Trendumfrage selbst bei hohen Finanzierungskosten und wirtschaftlicher Unsicherheit als gefragter Bestandteil institutioneller Portfolios. Rund 45 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden drei Jahren steigende Relevanz von Hotelinvestments, während mehr als 90 Prozent Hotels im Vergleich zu anderen Assetklassen mindestens gleich attraktiv sehen. Im Zentrum stehen dabei Betreiberqualität, Standortprofile und flexible Nutzungskonzepte. Gleichzeitig bleibt das Zins- und Finanzierungsumfeld für Investoren die größte Hürde.

Hotelimmobilien stehen in Europa derzeit unter doppeltem Druck: Einerseits wirken steigende Finanzierungskosten und die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit dämpfend auf viele Immobilienmärkte, andererseits zeigen Marktteilnehmer in einer aktuellen Trendumfrage, dass Hotelinvestments ihre Position behaupten. Besonders bemerkenswert ist die Einstimmigkeit über das Grundnarrativ: Mehr als 90 Prozent der Befragten bewerten Hotels im Vergleich zu anderen Assetklassen als mindestens ebenso attraktiv. Gleichzeitig schätzen rund 45 Prozent die zukünftige Entwicklung so ein, dass die Bedeutung von Hotelinvestments in den nächsten drei Jahren weiter zunimmt. In den Worten von Martin Schaffer, Geschäftsführer bei mrp hotels: Die Ergebnisse zeigen eine resiliente und zukunftsfähige Wahrnehmung von Hotelimmobilien im institutionellen Kontext.
Der Blick auf die Marktposition ist damit nicht mehr rein taktisch, sondern wird als strategischer Portfolio-Baustein interpretiert. Knapp 70 Prozent der Befragten sehen die Bedeutung von Hotelinvestments im eigenen Tätigkeitsumfeld als hoch oder sehr hoch. Diese Erwartungshaltung wirkt in ein attraktives Ranking hinein: Wohnimmobilien gelten zwar weiterhin als Spitzenreiter, doch Hotels liegen gemeinsam mit Logistikimmobilien deutlich vor Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Der entscheidende Unterschied entsteht dabei häufig nicht aus der Immobilie allein, sondern aus der operativen Komponente: Betreiberkompetenz, Standortprofil und die Fähigkeit, Nutzungskonzepte flexibel auszurichten, rücken stärker in den Fokus. Das verschiebt die Investitionslogik weg vom Standardprodukt hin zu Konzepten, die die Asset-Performance aktiv steuern.
Technisch betrachtet findet dieser Wandel zunehmend im Investment- und Asset-Management statt, weniger sichtbar als einzelne Gebäude und doch entscheidend für Entscheidungen. Investoren und Betreiber arbeiten häufiger mit datenbasierten Modellen für Auslastung, Revenue-Strategien und Szenariorechnungen, um Cashflows unter veränderten Zinsniveaus robuster zu planen. Gerade in einem Umfeld, in dem mehr als 83 Prozent der Teilnehmer das Zins- und Finanzierungsumfeld als größte Belastung nennen, gewinnt die präzise Abbildung von Annahmen an Bedeutung: Laufzeiten, Refinanzierungsrisiken, Baukostenentwicklung sowie Sensitivitäten im Operating. Im Vergleich zu einer reinen “Hold and Wait”-Logik wird Hotelimmobilie damit stärker zu einem steuerbaren System aus Standort, Betrieb und Wirtschaftlichkeitskennzahlen—ein Unterschied, der sich auch in der Verhandlungspraxis bei Ankaufspreisen und Vertragsstrukturen niederschlägt.
Auch der Wettbewerb um attraktive Deals verschiebt sich. Wenn Marktteilnehmer Hotels als strategisch aufwerten, steigen zugleich die Anforderungen an Spezialisierung und Umsetzungsfähigkeit—und damit der Wettbewerb zwischen professionellen Akteuren. Als direkter Referenzrahmen agieren in der Branche große institutionelle Investoren und spezialisierte Plattformen, die frühzeitig Betreiberpartnerschaften eingehen und Portfolios nach Themenclustern strukturieren; Exemplarisch steht hier die Rolle sehr aktiver Player wie Blackstone, der über Hotelinvestments und Betreiber-Zusammenarbeit wiederholt gezeigt hat, wie stark Konzept- und Operatings-Expertise in den Bewertungsmaßstab hineinwirkt. Marktanalysten aus dem Immobilien- und Tourismussektor betonen dabei immer wieder, dass sich die Attraktivität weniger über allgemeine Makrodaten als über konkrete Standortqualität und Marktmikrostrukturen erklärt. Für Investoren heißt das: Timing und Selektion werden wichtiger als breit gestreute Wetten.
Regional verdichtet sich dieser Selektionsansatz in den kommenden Jahren besonders auf wenige Märkte. Die größte Investmentdynamik erwarten die Befragten in Spanien (55 Prozent), gefolgt von Deutschland (40 Prozent), Italien (33 Prozent) und Skandinavien (29 Prozent). Dahinter steht weniger eine abstrakte Wachstumsfantasie, sondern die Kombination aus touristischer Nachfrage und als stabil beschriebenen Wachstumsperspektiven. Bei den bevorzugten Standorten dominieren weiterhin urbane A-Lagen: Mehr als 83 Prozent sehen Metropolen als besonders gefragt an. Gleichzeitig gewinnen Ferienregionen und Resorts wieder an Bedeutung (43 Prozent), was auf eine gewisse Stabilisierung bzw. Rückkehr von Freizeitnachfrage hindeutet. Damit entsteht ein klares Muster: Urbanes Tagesgeschäft und saisonale Peaks werden nicht mehr als Gegensätze behandelt, sondern als Bausteine diversifizierter Renditeprofile.
Besonders herausfordernd bleibt jedoch das Investmentumfeld: Globale touristische Nachfrageentwicklung (60 Prozent) und stabile Betreiberperformance (55 Prozent) gelten derzeit als maßgebliche Entscheidungstreiber. Parallel nennen mehr als 83 Prozent das aktuelle Zins- und Finanzierungsumfeld als größte Belastung; hinzu kommen steigende Baukosten (57 Prozent) und Betreiber-Risiken (45 Prozent). Dagegen spielen regulatorische Vorgaben (10 Prozent) oder ESG-Anforderungen (5 Prozent) aktuell in der Wahrnehmung noch eine vergleichsweise untergeordnete Rolle—was allerdings nicht bedeutet, dass sie praktisch irrelevant wären, sondern eher, dass sie in vielen Projekten noch weniger unmittelbar in die kurzfristige Wirtschaftlichkeitsrechnung eingepreist werden. Aus Risikosicht werden Investoren zunehmend darauf achten, wie Betreiber ESG- und Instandhaltungsplanung in Betriebskonzepte integrieren, etwa in Energie- und Sanierungsfahrplänen.
Für die Zukunft zeichnen sich nach der Trendumfrage vor allem spezialisierte Segmente ab. Besonders hohe Wachstumspotenziale sehen die Befragten bei Budget-Hotels und Serviced Apartments—jeweils 52 Prozent. Beide Bereiche profitieren von veränderten Konsummustern und einem gestiegenen Preisbewusstsein, während zugleich flexible und längerfristige Aufenthaltsformate nachgefragt werden. Der Markt entwickelt sich damit weiter zu einem spezialisierten Betreiber- und Konzeptmarkt, in dem klare Zielgruppenansprache sowie starke Markenpositionierung als Wettbewerbsvorteile wirken. Schaffer resümiert entsprechend: Der Markt entfernt sich vom klassischen Standardprodukt hin zu spezialisierten Konzepten mit hoher Betreiberkompetenz. Für Unternehmen bedeutet das, dass Due Diligence und Vertragsgestaltung (inklusive Risikoteilung) künftig stärker daten- und prozessgetrieben sein müssen—vom Controlling bis zum Umgang mit Gäste- und Unternehmensdaten im Sinne von Informationssicherheit und Datenschutz, etwa dort, wo Hotelbetreiber digitale Services ausrollen.
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