TEL AVIV / LONDON (IT BOLTWISE) – monday.com weitet sich nach einem Kursrutsch mit einem neuen Venture-Arm aus und will bis zu 200 Millionen US-Dollar in KI-Startups investieren. Mit „monday Ventures“ sollen schon früh Unternehmen entstehen, deren Produkte sich in Enterprise-Workflows einfügen und sich dabei besonders an Themen wie KI-Agenten, Dateninfrastruktur und Sicherheit ausrichten. In der Pilotphase sind 50 Millionen US-Dollar vorgesehen, bereits flossen Mittel in mehrere Deals. Damit versucht das Unternehmen, seine Position vom „SaaS-apocalypse“-Symbol hin zu einer KI-Execution-Plattform zu drehen.

monday.com startet „monday Ventures“ und legt bis zu 200 Mio. $ in KI-Startups an
monday.com startet „monday Ventures“ und legt bis zu 200 Mio. $ in KI-Startups an (Foto: IT BOLTWISE)
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monday.com setzt nach dem starken Bewertungsdruck der vergangenen Monate deutlich auf den eigenen Turnaround: Während Investoren sorgten, KI könne das klassische SaaS-Geschäftsmodell mittel- bis langfristig erodieren, startet das Unternehmen mit „monday Ventures“ einen Venture-Investment-Arm. Ziel ist es, die nächste Welle von KI-Innovationen nicht nur zu integrieren, sondern früh mitzugestalten. Das ist strategisch mehr als ein reines Finanzsignal, denn monday.com hat seine Produktvision bereits verschoben: von der reinen Work-Management-Software hin zu einer Plattform, in der KI-Agenten tatsächlich Arbeit ausführen. Der Kapitalrahmen von bis zu 200 Millionen US-Dollar soll diesen Ansatz absichern.

Technisch betrachtet adressiert monday.com damit genau den Punkt, an dem sich moderne KI-Implementierungen für Unternehmen von „Modell-Demos“ unterscheiden: Agentische Workflows, sichere Ausführung in vorhandenen Tool-Landschaften und eine saubere Datenbasis. Der Venture-Arm will Startups finden, die KI-Entscheidungen an Unternehmensprozesse anbinden – etwa durch Enterprise-Implementierungen von KI, KI-Agenten, Workflow-Automation und Enterprise-Data-Infrastruktur. Zusätzlich rückt Sicherheits- und Informationsschutz in den Fokus, was bei KI-Agents besonders relevant ist: Denn sobald ein System in Slack- oder Ticketing-Umgebungen agiert, wird aus einem Experiment ein operatives Risiko- und Compliance-Thema. Genau hier entsteht die Brücke zwischen Produktstrategie und Governance.

In der ersten Phase stellt monday.com dafür zunächst 50 Millionen US-Dollar bereit; die Vergabe weiterer Mittel soll vom Vorstand genehmigt werden. Das Modell entspricht in der Logik vielen Corporate-Venture-Programmen, ist aber wegen der Größenordnung auffällig: Die Summe übersteigt laut Berichten teils die verwalteten Assets kleinerer Early-Stage-Fonds. Als operativer Leiter tritt Aviel Ichai auf, zuvor bei NEXT47 im Venture-Kontext. Diese Konstellation ist ein Marktsignal, weil Corporate-VCs oft an Produkt-Synchronisierung scheitern. monday Ventures dürfte stattdessen versuchen, Investitions- und Produktentscheidungen enger zu koppeln: Startups werden nicht nur nach Technologie und Team bewertet, sondern auch nach strategischer Relevanz für die eigene Roadmap und die langfristige Vision rund um KI-Agenten.

Bereits getätigte Deals zeigen die Ausrichtung: Bei Blocks.diy führte monday.com eine Seed-Runde an. Das Unternehmen entwickelt „digitale Worker“, die Geschäftsvorgänge automatisieren, verwalten und optimieren sollen – also genau die Art von Agenten, die in Unternehmensabläufen messbaren Nutzen stiften. Außerdem beteiligte sich monday Ventures an Guidde bei einer Series-B-Runde: Guidde adressiert den praktischen Engpass, den viele Organisationen bei KI-Tool-Einführungen erleben, indem es video-basierte Guides automatisch generiert und in Unternehmenssysteme integriert, ohne den Workflow zu stören. Und bei NanoCo flossen Mittel in einen Seed-Round für NanoClaw, eine Open-Source-Plattform für sichere KI-Agenten innerhalb von Arbeitsplatztools wie Slack und Microsoft Teams.

Im Wettbewerb ist das Timing bemerkenswert, weil sich mehrere Plattformanbieter parallel neu positionieren. Salesforce baut seit Jahren über Ventures und Partnerschaften sein Ökosystem rund um KI und Automatisierung aus; auch Atlassian experimentiert stark mit KI-gestützter Produktivität in kollaborativen Workflows. ServiceNow wiederum verfolgt den Ansatz, Automatisierung eng an Unternehmensprozesse zu knüpfen. monday.com reiht sich damit in eine Bewegung ein, die „KI als Feature“ durch „KI als ausführenden Mitakteur“ ersetzt. Branchenexperten erwarten, dass sich dabei der Markt entlang von Integrationsfähigkeit, Sicherheit und messbaren Prozesskennzahlen konsolidiert. Diejenigen, die KI-Agenten in Systeme einbetten können, gewinnen eher Enterprise-Zulassung als reine Chat- oder Assistenzlösungen.

Ein wichtiger Unterschied liegt in der Schwerpunktsetzung auf Sicherheit und Informationsschutz. KI-Agenten erhöhen die Angriffsfläche, weil sie nicht nur Inhalte generieren, sondern Aktionen ausführen können, also Berechtigungen benötigen, Daten auslesen und potenziell Updates schreiben. Damit rückt auch die Frage in den Vordergrund, wie sich Agenten kontrollieren lassen: durch granulare Zugriffskontrollen, nachvollziehbare Aktionen, Logging sowie Policy- und Red-Team-orientierte Prüfungen. Für Enterprises in Europa ist das zudem unmittelbar mit Datenschutzanforderungen verknüpft: Sobald personenbezogene Daten oder sensible Unternehmensinformationen in Agentenflüsse einfließen, werden Themen wie Zweckbindung, Datenminimierung und Rollenmodelle nach DSGVO praktisch zur Produktanforderung. monday.coms Investitionsfokus in Richtung Cybersecurity und Informationssicherheit wirkt daher nicht wie ein „Nice-to-have“, sondern wie eine Voraussetzung für skalierbare Adoption.

Historisch lohnt sich der Blick zurück, weil die „SaaS-apocalypse“-Erzählung zwar überzogen war, aber einen echten Kern traf: Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit KI-Potenziale gesehen, aber unterschätzt, wie teuer und komplex die Integration in Prozesse, Berechtigungen und Datenmodelle ist. Die letzten Jahre brachten zwar Fortschritte in NLP und Transformer-Architekturen, doch erst die Kombination aus Agentenlogik, Tool-Integration und MLOps-Disziplin machte aus KI produktive Software. In den letzten Monaten wurde zudem klar, dass nicht nur das Basismodell zählt, sondern Monitoring, Prompt- und Policy-Steuerung, sowie die Fähigkeit, in heterogene Systeme einzufügen. monday Ventures baut genau auf diesen Realitäten auf.

Aus Unternehmenssicht deutet die Initiative auf eine konkrete Entwicklung hin: Wer KI-Agenten in Workflows einbetten will, braucht sowohl eine starke Produktbasis als auch ein belastbares Ökosystem aus Startups, die Integrationen beschleunigen und spezialisierte Bausteine liefern. Für Entwickler könnte das bedeuten, dass sich Plattform-APIs und Agent-Interfaces weiter professionalisieren, etwa entlang von standardisierten Berechtigungs- und Datenflüssen. Für Investoren und Partner ist die Kapitalisierung ein zusätzlicher Beschleuniger, weil frühe Projekte schneller in Richtung Enterprise-Ready (inklusive Security und Observability) gehoben werden können. In einem Interview betonte Roy Mann, Mitgründer und Co-CEO von monday.com, dass das Unternehmen seine Plattform um ein Modell herum neu aufbaue, in dem Menschen und KI-Agenten gemeinsam arbeiten, und dass monday Ventures genau diese nächste Generation an KI-Unternehmen unterstützen soll. In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, ob der Venture-Ansatz aus einer Handvoll Pilotdeals eine wiederholbare Innovationspipeline macht – und ob sich dadurch der Enterprise-Preis für KI-Implementierung spürbar senken lässt.


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