LONDON (IT BOLTWISE) – Ein neuer ETF-Ansatz zielt auf Berater, die Bitcoin-Exposure wünschen, aber emotionale Entscheidungen unter Stress vermeiden müssen. Cyber Hornet setzt dabei auf eine feste 75/25-Konstruktion aus S&P 500 und Bitcoin, mit monatlichem Rebalancing als Disziplinierungsmechanismus. Im Interview wird zudem erklärt, wie die Gesellschaft die Index-Voting-Frage adressieren will. Damit verknüpft die Strategie Portfoliobau, Governance und die Frage, wie Krypto in klassische Beratungsprozesse passt.

Der Start eines Bitcoin-nahen ETF-Produkts richtet sich weniger an Krypto-Fans als an eine sehr konkrete Zielgruppe: Anlageberater, die zwar Renditechancen suchen, aber ihren Mandanten keinen erklärungs- und riskanten Entscheidungsprozess zumuten wollen. Im Gespräch mit Brad Roth, CIO von Thor Financial Technologies, beschreibt Mike Willis, Co-Founder und CEO von Cyber Hornet ETFs, wie aus einem „Stock Picker“ schließlich ein indexgetriebener Investor wurde – und warum der Schritt in die Bitcoin-Welt eher aus dem Bedarf an regelbasierten Strukturen als aus kurzfristigen Trends entsteht. In der Praxis geht es um die Frage, wie sich Bitcoin-Volatilität in Routinen gießt, die im Berateralltag funktionieren.
Technisch und konzeptionell setzt Cyber Hornet auf einen klaren Mechanismus: Der als „Bitcoin 75/25 Strategy ETF (BBB)“ bekannte Ansatz hält 75% in einem S&P-500-Segment und 25% in Bitcoin. Entscheidend ist das Rebalancing, das nicht nur quartalsweise, sondern monatlich durchgeführt wird. Willis ordnet die 75/25-Quote explizit als Behavioral-Design ein: Sie soll Drawdowns so begrenzen, dass typische Anleger-Schwellen nicht permanent überschritten werden, bevor eine Rücksprache beim Berater stattfindet. Aus heutiger Portfolio-Perspektive lässt sich das als Versuch lesen, Krypto-Exposure in einen klassischen Beta-Kern zu „verwittern“, statt die gesamte Volatilität in einem einzigen Wetteinsatz zu bündeln.
Vergleicht man diesen Ansatz mit den gängigen ETF-Mechaniken großer Häuser, zeigt sich ein typisches Muster: Viele Produkte verwalten Krypto-Bausteine, aber die operative „Disziplin“, also das systematische Kaufen bei Rücksetzern und das Kürzen bei starken Kursanstiegen, wird selten so stark als Berater- und Compliance-fähiger Prozess erzählt. Der BBB-Ansatz macht daraus einen festen Bestandteil der Produktlogik. Als Performance-Illustration nennt das Gespräch Werte für Phasen mit und ohne Rückenwind durch Bitcoin: In einem starken Bitcoin-Jahr seien etwa 39% erzielt worden, in einem schwachen Jahr rund +10%, zudem wird eine relativ enge YTD-Bandbreite von etwa ±5% in Bezug auf das Vergleichsniveau genannt. Ergänzend wird betont, dass Bitcoin- und große Altcoin-Märkte seit ihren Hochpunkten teils deutlich korrigiert hätten, während der ETF das Risiko eher in der Zielzone hält.
Mit Blick auf den Marktkontext ist die Frage nach Wettbewerb und Timing besonders relevant: Große Indexanbieter und etablierte Vermögensverwalter dominieren das Feld der Stimmrechte, nicht zuletzt bei S&P-500-nahen Strukturen. Willis verweist darauf, dass mit BlackRock, State Street und Vanguard zusammen rund 81% der Stimmrechtsmacht aus Indexfonds heraus gebündelt seien. Genau an dieser Stelle greift ein Governance-Thema, das in vielen ETF-Discussions zu kurz kommt: „Proxy Voting“ und die Mechanik, wie Treuhänder-Stimmen tatsächlich den Endinvestoren nutzen, die in der Indexlogik lediglich wirtschaftlich, nicht aber operativ „hands-on“ beteiligt sind. Der Verweis auf Jack Bogle in Willis’ Biografie zeigt dabei den ideologischen Kern: Einfluss zurück zu den Anteilseignern bringen und nicht bei passivem Verhalten stehen bleiben.
Aus Enterprise-Sicht lässt sich die Idee auch als Sicherheits- und Prozessfrage interpretieren: Rebalancing reduziert nicht nur Emotionen, sondern entkoppelt Entscheidungen von „Hot Buttons“ wie Kursrauschen, Schlagzeilen oder Social-Media-getriebener Hype. Für Beraterteams bedeutet das potenziell weniger manuelle Eingriffe über mehrere Marktstress-Phasen hinweg. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen: Dokumentation der Modellregeln, nachvollziehbare Portfolio-Compliance, sowie die saubere Abbildung von Risikoparametern im Reporting gegenüber Mandanten. Dass der ETF „strukturell“ Buy-Low-Sell-High betreiben soll, ist dabei weniger ein Versprechen als eine Prozessbeschreibung, die im Risiko-Controlling messbar gemacht werden muss.
Historisch ist Bitcoin im institutionellen Depotbau lange an der Schwelle zu „Taktik“ statt „Struktur“ geblieben. Viele Versuche, Krypto in Portfolios zu integrieren, verliefen entweder über diskretionäre Budgets oder über komplexe, schwer erklärbare Formeln. Der Umweg über Behavioral Finance – also die Annahme, dass Anlegerverhalten Märkte mitprägt – erklärt, warum ein fester Rebalancing-Takt und eine stabile Zielgewichtung attraktiv sein können. Willis’ Darstellung, dass er nach einer Phase des Outperformens gegenüber dem S&P 500 (u.a. durch eine Ernüchterung in der Rückschau auf 2013) sein Denken neu ausrichtete und schließlich von Jack Bogle inspiriert wurde, fügt sich in diese Linie: Regeln schlagen narrative Portfolioversprechen, wenn Märkte kippen.
Für die zukünftige Entwicklung bedeutet der Ansatz vor allem eines: Er testet, wie gut sich Krypto in die Beratungsprozesse etablieren lässt, ohne dass Berater bei jeder Schwankung ihre Strategie neu „verhandeln“ müssen. Wenn das Konzept skaliert, könnten weitere Produkte folgen, die ähnlich stark auf feste Zielquoten, transparente Rebalancing-Routinen und verständliche Governance einzahlen. Auf Entwickler- und Plattformseite wird das konkret: Portfolio-Modelle und Advisor-Workflows brauchen Schnittstellen, die Regelparameter automatisiert ausführen, Risiko-Reports konsistent erzeugen und Proxy-Voting-Prozesse nachvollziehbar machen. Marktanalysten und Branchenexperten erwarten in der Regel, dass sich Krypto-ETFs stärker in Richtung „operationalizierbarer“ Standardprodukte bewegen, statt als Nischenwette zu verharren.
Regulatorisch und datenschutzbezogen bleibt zudem ein Feld offen, das für professionelle Teams entscheidend ist: Anlagen in Bitcoin-ETFs erfordern eine klare Darstellung von Risiken, Kostenstruktur und steuerlicher Einordnung, während Governance-Themen bei Stimmrechten nicht nur „ethisch“, sondern auch treuhänderisch und dokumentationspflichtig wirken. Willis betont sinngemäß, dass das Zurückholen von Einfluss auf echte Anteilseigner ein fiduziarischer Auftrag sei und ein Kernunterschied der Firma gegenüber reiner Indexverwahrung. Für Berater ist das ein doppelter Vorteil, weil es neben Performance-Logik auch Verantwortungs- und Kontrollfragen adressiert. Genau dort könnte die 75/25-Strategie in den nächsten Monaten zum Benchmark werden.
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