ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) besetzt die Leitung des Bereichs Fixed Income neu und rückt damit auch ihre ETF-Strategie für Gold in den Fokus. Maurizio Pedrini übernimmt ab 1. Juli 2026 die Verantwortung für Fixed Income und wechselt zuvor vom Credit-Team in den Handelsbereich. Parallel dazu schärft die Bank ihr Edelmetallprofil mit einem „Gold Smart Sourcing & Traceable Fund“, um die Beschaffung transparenter und rückverfolgbarer zu machen. Am Markt bleibt der ZKB Gold ETF trotz deutlicher 52-Wochen-Spanne volatil.

Die Zürcher Kantonalbank ordnet ihr Asset-Management-Setup neu und setzt dabei gleichzeitig ein klares Zeichen für den Gold-Bereich: Maurizio Pedrini übernimmt ab 1. Juli 2026 die Leitung von „Fixed Income“. Er folgt damit auf Sébastien Zöller, der innerhalb der Bank in die Handelsabteilung wechselt und dort künftig verstärkt Zins- und Kreditinstrumente verantwortet. Die Personalie ist mehr als nur Organisationskosmetik, denn die ZKB verwaltet ein grosses Vermögensvolumen inklusive Swisscanto-Fonds. Damit entsteht eine Schnittstelle zwischen Portfolio-Management, Kreditkompetenz und dem Edelmetallprodukt, das für viele institutionelle Investoren als „Satellit“ in Multi-Asset-Portfolios dient.
Technisch betrachtet zeigt sich die strategische Ausrichtung im Zusammenspiel von Anlageprozess und Produktdesign. Pedrini bringt seit 2015 Erfahrung in der Asset-Management-Sparte mit und leitete zuletzt das Credit-Team, bevor er als stellvertretender Leiter bereits in Fixed Income hineinwirkte. Gerade bei Gold-ETFs ist das relevant, weil Gold in der Regel nicht wie ein klassischer Anleihe-Titel „couponbasiert“ funktioniert, sondern über Portfoliobalance, Inflationsschutz und Liquiditätseigenschaften interpretiert wird. Die ZKB nutzt dafür ein physisch hinterlegtes Konstrukt, bei dem Anleger das Edelmetall in Standardbarren beziehen können, was die Fondslogik stärker an den physischen Bestand koppelt als synthetische Varianten.
In den Markt diskutieren Anleger aktuell vor allem Volatilität und Timing. Der ZKB Gold ETF geriet laut Kursangaben zuletzt unter Druck: Am 16. Juni 2026 schloss der Kurs bei 1.013,40 CHF, was einem Tagesminus von rund 0,72 Prozent entspricht. Am Mittwochmorgen setzte sich der Abwärtstrend fort, noch einmal mit minus 0,59 Prozent. Dennoch bleibt die langfristige Bewertungsspanne beachtlich, denn das 52-Wochen-Hoch liegt bei 1.261,20 CHF. Historisch zeigt Gold in Phasen wechselnder Realzinsen oft Schwankungen, während es in mittleren Fristen als „Diversifikator“ wahrgenommen wird. Genau diese Spannung prägt derzeit die Erwartungen vieler Investoren.
Verglichen mit Wettbewerbern versucht die ZKB, über Transparenz und Aufbewahrungskompetenz zu differenzieren. Der Gold ETF ist mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,40 Prozent positioniert und konkurriert unter anderem direkt mit dem UBS Gold ETF sowie dem Raiffeisen Solid Gold. Einige Mitbewerber werben zwar über niedrigere Gebühren, doch die ZKB verweist auf strenge Schweizer Lagerprotokolle und koppelt das Vertrauen in die Produktsicherheit eng an die physische Deckung. Diese Logik hat eine Marktimplikation: In Zeiten, in denen ESG- und Compliance-Anforderungen steigen, gewinnen erklärbare Prozesse gegenüber rein preisgetriebenem ETF-Vergleich. Wie aus der Branche zu hören ist, beobachten Fachleute zudem, dass institutionelle Mandate zunehmend Nachweise zur Beschaffung verlangen.
Hier setzt auch die neue „Gold Smart Sourcing & Traceable Fund“-Initiative an. Parallel zum Personalwechsel will die ZKB ihr Edelmetallprofil schärfen, indem ein zusätzlicher Transparenzmechanismus bei der Beschaffung eingeführt wird. Im Kern geht es um die Frage, wie lückenlos sich Herkunft und Handelswege für Gold dokumentieren lassen, damit ESG-Standards im Rohstoffsektor besser operationalisiert werden können. Fabio Pellizzari, Bereichsleiter bei der ZKB, betont, dass Gold weiterhin ein Kernbestandteil professioneller Portfolios bleibt. Das passt zu einer breiteren Historie: Seit Jahren versuchen Emittenten, Rohstoff-ETFs mit nachvollziehbaren Lieferkettenanforderungen aufzurüsten, weil reine „Asset-Storys“ ohne überprüfbare Daten in Ausschreibungen zunehmend auf Skepsis stossen.
Aus technischer und regulatorischer Perspektive ist besonders die physische Ausgestaltung als Verkaufsargument zu werten. Laut Produktbeschreibung lagert das Gold zu 100 Prozent in Tresoren innerhalb der Schweiz. Für Anleger besteht die Option, das Edelmetall jederzeit gegen Standardbarren von 12,5 Kilogramm auszutauschen. In der Praxis bedeutet das: Die Wertentwicklung hängt zwar weiterhin von Marktpreisen ab, aber die Rechts- und Betriebslogik ist klarer greifbar als bei Konstrukten, die weniger direkt auf physischen Bestand setzen. Ergänzend wirkt die Rückverfolgbarkeit als Baustein für regulatorische Anforderungen im weiteren Anlageprozess, etwa bei Due-Diligence-Fragen, ESG-Dokumentation und dem Handling von KYC/AML-Anforderungen bei Zeichnung und Auslieferung.
Mit Blick auf die nächsten Monate dürfte der Goldmarkt vor allem durch zwei Faktoren geprägt werden: sinkender Inflationsdruck und stabilere Finanzierungsbedingungen, die Investoren jedoch nicht in völlige Sicherheit wiegen. Gleichzeitig bleibt die Volatilität erhöht, weil Marktteilnehmer sensibel auf globale Geldpolitik reagieren und sich Erwartungen zu Zinsen und Realrenditen schnell drehen können. Für die ZKB ist die konsequente Ausrichtung auf rückverfolgbares Gold ein Differenzierungsmerkmal, das sowohl bei konservativen Mandaten als auch in ESG-orientierten Strategien wirken kann. Für die nächste Produktgeneration wird entscheidend sein, wie Emittenten Transparenz in belastbare, auditierbare Datensätze übersetzen, ohne die Kosten und operativen Aufwände aus dem Ruder laufen zu lassen.
Langfristig könnte die Personalentscheidung indirekt auch die Produktentwicklung beeinflussen: Wer Fixed Income und Credit-Mechaniken verantwortet, versteht typischerweise genauer, wie Liquidität, Laufzeitannahmen und Risikoparameter in Portfolios zusammenspielen. Das wäre ein Vorteil, falls die ZKB künftig noch stärker Multi-Asset-Modelle aus Swisscanto-Kontext und ETF-Logik verknüpfen will. Gleichzeitig beobachten Marktanalysten, dass Institutionelle zunehmend auf klare Governance achten und „ESG“ nicht als Marketingbegriff, sondern als Prozesskette verlangen. Wenn die ZKB Transparenzmechanismen wie Smart Sourcing weiter ausbaut und gleichzeitig die Lager- und Auslieferungslogik stabil kommuniziert, kann das die Position gegenüber UBS und Raiffeisen festigen – gerade dann, wenn Gebühren allein nicht mehr der zentrale Entscheidungsgrund sind.
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