DEUTSCHLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Rund 5.000 Stellen im Rechnungswesen bleiben bundesweit unbesetzt, während Unternehmen mit Gehältern bis zu 85.000 Euro und Homeoffice-Optionen um Fachkräfte werben. Besonders gefragt sind DATEV-Kenntnisse sowie die Fähigkeit, Jahresabschlüsse zielsicher und unter steuerlichen Rahmenbedingungen zu steuern. Für Führungskräfte rückt damit die systematische Einarbeitung und Bewertung neuer Mitarbeitender stärker in den Fokus. Zusätzlich erhöht sich der Druck, steuerliche Risiken wie beim Umsatzsteuerausweis frühzeitig zu erkennen und sauber zu dokumentieren.

Rechnungswesen: Rund 5.000 Jobs offen – warum DATEV, Homeoffice und Steuerwissen zählen
Rechnungswesen: Rund 5.000 Jobs offen – warum DATEV, Homeoffice und Steuerwissen zählen (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Rechnungswesen spitzt sich der Wettbewerb um Fachkräfte spürbar zu. Berichten zufolge meldete die Bundesagentur für Arbeit zum 20. Juni 2026 knapp 5.000 offene Stellen, und die Nachfrage zieht sich quer durch Branchen und Regionen. Wer bisher auf „Learning on the Job“ gesetzt hat, merkt: Der Markt honoriert inzwischen Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und digitale Arbeitsfähigkeit. Unternehmen reagieren mit Angeboten, die nicht nur Gehalt versprechen, sondern auch Arbeitsmodelle wie Homeoffice und klare Karrierepfade. Für Kandidaten ist das attraktiv, für Betriebe jedoch eine Herausforderung, weil die Qualität der Einstellung und Integration darüber entscheidet, ob die Vakanz schnell geschlossen wird.

Technisch betrachtet entscheidet im Alltag häufig nicht nur das Fachwissen, sondern die konkrete Tool-Kette. In vielen Ausschreibungen taucht DATEV-Erfahrung besonders prominent auf, weil sie den Brückenschlag zwischen Buchhaltungspraxis und betrieblicher IT ermöglicht. Wer DATEV kompetent nutzt, kann Buchungslogik, Datenflüsse und Prüfpfade effizienter aufsetzen, etwa bei wiederkehrenden Auswertungen oder beim Zusammenspiel von Debitoren, Kreditoren und Kontierungsregeln. Gleichzeitig fordert die moderne Zusammenarbeit in hybriden Teams saubere Dokumentations- und Freigabeprozesse, damit Belege, Kontierungen und Korrekturen nachvollziehbar bleiben. Genau hier wird Homeoffice zum Faktor: Es funktioniert nur, wenn die Prozessdisziplin mitliefert.

Der Markt zeigt dabei ein klares Gehaltsbild. In verschiedenen Regionen werden Gehälter im Bereich von 50.000 bis 65.000 Euro genannt, während spezialisierte Rollen – etwa im Umfeld von Bank- oder Handelsstrukturen – auch deutlich darüber liegen können. Besonders sichtbar sind regionale Hotspots wie Berlin oder der Norden, aber auch Mittel- und Industriezentren melden regelmäßig Vakanzen. Für Personalverantwortliche bedeutet das: Die Konkurrenz entsteht nicht mehr nur innerhalb einer Branche, sondern auch innerhalb des Qualifikationsprofils. Ein Wechsel von der reinen Sachbearbeitung hin zu verantwortlichen Tätigkeiten wie Group Accounting & Consolidation erfordert zudem Führungskompetenz, weil Konzernabschlüsse nach HGB und die Koordination von Prüfungsprozessen eine andere Risikokultur brauchen als ein rein operatives Setup.

Historisch betrachtet ist der Fachkräftemangel im Finanz- und Rechnungswesen keine völlig neue Erscheinung. Schon vor der breiten Digitalisierung gab es Engpässe, doch mit der Standardisierung von Workflows und dem Ausbau steuerlicher Dokumentationspflichten verschärfte sich der Anspruch an die „Startfähigkeit“ neuer Mitarbeitender. Früher reichte häufig die Aneignung von Buchungskenntnissen; heute erwarten viele Teams zusätzlich Routine in digitalen Steuer- und Abschlussprozessen. Darüber hinaus konkurrieren Umfelder wie SAP-orientierte Finanzlandschaften oder Cloud-gestützte Buchhaltungslösungen stärker um Aufmerksamkeit – selbst wenn die konkrete Buchungssoftware wechselt, bleiben Methodenkompetenz, Datenqualität und Compliance entscheidend. Wie Branchenverantwortliche betonen, sinkt die Einarbeitungszeit deutlich, wenn Ausbildungs- und Onboarding-Design als Produkt behandelt wird: messbar, strukturiert und iterierbar.

Regulatorisch kommt ein weiterer Treiber hinzu: Steuerrecht und Haftungsrisiken werden im operativen Alltag zunehmend „sichtbar“. So berichten Gerichte regelmäßig über Bewertungs- und Ausweisfragen, darunter Risiken beim Umsatzsteuerausweis für Zentralregulierer im Groß- und Fachhandel. Für Unternehmen heißt das: Wer hier Fehler macht oder entscheidende Nachweise nicht sauber führt, riskiert nicht nur Korrekturen im laufenden Geschäft, sondern potenziell auch Haftungsfallen. In der Personalpraxis wirkt sich das direkt auf das Anforderungsprofil aus. Bewerber mit fundierten Kenntnissen in Steuerlogik und Dokumentationsstandards verkürzen Prüf- und Abstimmungszyklen. Für Führungskräfte wird damit auch die Beurteilung neuer Mitarbeitender komplexer: Es geht um Qualität, Genauigkeit und Verantwortungsübernahme, nicht nur um Tempo.

Ein entscheidender Markthebel liegt deshalb in der professionellen Personalentwicklung. Wenn Unternehmen neue Talente gewinnen, reicht das allein nicht aus; sie müssen von Anfang an in Strukturen eingebunden werden, die Fehler früh erkennen und Kompetenz systematisch aufbauen. Praktisch bedeutet das, Onboarding so zu gestalten, dass Aufgaben schrittweise von „unterstützt“ zu „eigenverantwortlich“ wechseln, inklusive klarer Feedbackschleifen für Kontierung, Belegprüfung und Abschlussvorbereitung. Dazu passen Mitarbeitergespräche und Jahresgespräche, die nicht nur Ziele abfragen, sondern auch Ausbildungsbedarfe, Prozessrisiken und Lernfortschritte sichtbar machen. Experten aus dem HR-Umfeld ordnen dabei an, dass faire und strukturierte Beurteilungen die Bindung steigern, weil sie Erwartungen transparent machen.

Blickt man auf den Ausblick, wird die Dynamik wahrscheinlich anhalten. Vermittlungsaktionen für Ausbildungsplätze und gezielte Programme zur Fachkräftegewinnung sollen den Mangel langfristig abfedern – etwa in Regionen wie Goslar, wo Schulabgänger direkt auf Betriebe treffen. Parallel suchen Behörden und Organisationen technischen sowie administrativen Nachwuchs, unter anderem für die Umsetzung von Förderprogrammen wie der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Das zeigt: Der Arbeitsmarkt öffnet zusätzliche Einstiegs- und Übergangspfade, aber die Qualifikationsanforderungen steigen weiter. Für IT- und Prozessverantwortliche heißt das, dass die „Rechnungswesen“-Rolle stärker als Schnittstelle zu Workflows, Datenintegrität und Governance gedacht werden muss, unabhängig davon, ob Werkzeuge wie DATEV, SAP-nahe Prozesse oder andere Buchhaltungssysteme im Vordergrund stehen.


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