STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Smart bringt seinen kultigen Zweisitzer zurück und setzt dabei konsequent auf Elektrifizierung. Im Umfeld der neuen ECA-Plattform werden nun konkrete Zahlen zum Akku und zum Schnellladen genannt, darunter 35,7 kWh sowie bis zu rund 300 Kilometer WLTP-Reichweite. Zusätzlich kündigt der Hersteller einen technisch anspruchsvolleren Fahrwerksschritt an, der nach Jahren der Kompromisssuche erstmals spürbar in die Dynamik zielen soll. Für den Markt bedeutet das: Ein sehr kleiner EV muss wieder als Premiumprodukt funktionieren – oder wird von größeren Plattform-Angeboten überholt.

Smart #2: ECA-Plattform, 35,7-kWh-Akku und neues Fahrwerk im Anmarsch
Smart #2: ECA-Plattform, 35,7-kWh-Akku und neues Fahrwerk im Anmarsch (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Smart #2 kommt näher – und diesmal geht es nicht nur um Nostalgie für den „Stadtfloh“, sondern um ein konkretes Hardware- und Plattformpaket. Entscheidend ist dabei der strategische Unterbau: Smart verlagert die nächste Generation auf eine eigens entwickelte Plattform namens ECA, die zugleich als Basis für weitere Modelle dienen soll. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob der Hersteller Skaleneffekte erreicht und wie viel Premium-Engineering tatsächlich im kleinen Format landet. Smart hatte den klassischen Zweisitzer über Jahre als sichtbaren Begleiter in europäischen Innenstädten etabliert, und nach zwei Jahren Pause soll die Rückkehr diesmal messbar besser auf den Alltag zugeschnitten sein.

Technisch beginnt die Story mit dem Antriebskonzept: Der neue #2 wird ausschließlich elektrisch fahren. Damit entspricht er dem Trend, den Smart bereits beim Vorgänger eingeschlagen hatte, rückt aber bei den nutzerrelevanten Kennzahlen stärker in den Vordergrund. Unter der „Außenhaut“ soll ein 35,7-kWh-Akku arbeiten – eine Angabe, die bislang noch fehlte und damit die Planbarkeit für Flotten- und Privatnutzer verbessert. Für die Reichweite nennt Smart rund 300 Kilometer nach WLTP. Der Alltag entscheidet jedoch meist schneller über Akzeptanz: Beim Schnellladen wird ein Sprung von 10 auf 80 Prozent in unter 20 Minuten in Aussicht gestellt. Gleichzeitig soll die Homologation später erfolgen, wodurch die finale Datenlage noch verfeinert werden kann.

Beim Fahrwerk zeigt sich, dass der Hersteller die Besonderheiten der E-Mobilität inzwischen klar ausnutzen will. Da der #2 von vornherein als reines Elektrofahrzeug geplant wurde, müssen weniger strukturelle Kompromisse wie bei früheren Smart-Baureihen (mit Verbrennern als Hauptantrieb) ausbalanciert werden. Entwickelt hat Smart dafür bereits Erfahrungswerte über mehrere „Electric-Drive“-Generationen. Spätestens 2026 stehen dann Änderungen an: Statt einer De-Dion-Hinterachse mit vergleichsweise simpler Konstruktion soll eine Mehrlenker-Architektur zum Einsatz kommen. Diese Umstellung zielt vor allem auf besseren Geradeauslauf und höhere Präzision – Eigenschaften, die bei einem so kompakten Auto oft den Unterschied zwischen „nett in der Stadt“ und „stressfrei auf längeren Strecken“ ausmachen.

Parallel zur Mechanik macht Smart auch innen und in der Inszenierung die Evolution deutlich. Laut den vorliegenden Informationen handelt es sich beim gezeigten Stand nicht um das Serienauto, sondern um ein Designmodell, das bereits den Weg für die Cockpit-Anmutung markiert. Auffällig sind die üppig wirkenden Sitze sowie geschwungene Linien und markante Lüftungsdüsen, die bewusst an das Urmodell erinnern. Gleichzeitig verschwindet laut Konzept-Stand die mechanische Anzeigenwelt zugunsten eines modernen, digital dominierten Interaktionssystems – typisch für das heutige Infotainment-Zeitfenster. Auch bei den Abmessungen bleibt Smart radikal: Mit rund 2,79 Metern Länge bewegt sich der #2 klar unter der 3-Meter-Marke. Der Wendekreis von unter 7 Metern adressiert damit weiterhin das Kernversprechen für enge Stadtquartiere, Lieferzonen und innerstädtische Parklücken.

Im Marktkontext ist die Rückkehr des Smart #2 vor allem eine Antwort auf ein verschärftes Wettbewerbsfeld. Smart gehört bekanntlich zu einem industriellen Umfeld, das unter anderem Mercedes-Benz sowie den Geely-Konzern umfasst, und genau dort steigt der Druck, Plattformen effizient zu skalieren und nicht jedes Modell als Einzelfall zu finanzieren. Für den Zweisitzer bedeutet das: Selbst wenn die Zielgruppe „Herzen“ höher bewertet als reine Kennzahlen, muss das Produkt in Summe überzeugend sein – von Ladezeiten bis Fahrgefühl. Branchenbeobachter erwarten, dass die nächste Runde der kleinen EVs stärker über Software-Ökosysteme und Serviceketten differenziert wird. Ein Marktanalyst formulierte es sinngemäß so: Wer im Kleinsegment premium wirken will, braucht nicht nur Technik, sondern auch ein konsistentes Kundenerlebnis über Kauf, Laden, Wartung und Updates hinweg.

Für Unternehmen und Entwickler ist besonders relevant, wie Smart die ECA-Plattform als Multiplikator versteht. Wenn die Architektur als Basis für weitere Modelle dienen kann, sinken typischerweise die Kosten für Integrationen wie Batterieschnittstellen, E/E-Architektur-Anbindungen oder standardisierte Fertigungs- und Testabläufe. In der Praxis bedeutet das, dass Partner aus der Zulieferkette und Softwareanbieter eher mit wiederverwendbaren Modulen rechnen können – ein Vorteil für Security-Updates, Diagnose-Workflows und die langfristige Fahrzeugwartung. Gleichzeitig steigt der Regulierungsdruck: In der EU gewinnt die Absicherung von digitalen Fahrzeugfunktionen an Bedeutung, etwa durch Anforderungen an Datenzugriff, Zugriffsschutz und nachvollziehbare Update-Mechanismen. Gerade bei vernetzten Systemen sollten Hersteller frühzeitig zeigen, wie sie Datenschutz und Security-by-Design zusammendenken – sonst wird aus dem „kleinen Premium“ schnell ein Risiko.

Der Ausblick macht deutlich, dass Smart den Zeitplan ernst meint: Die Weltpremiere wird im Oktober auf dem Pariser Autosalon erwartet, während wesentliche Details zum Design und zur Fahrwerksarchitektur bereits im Vorfeld in die Öffentlichkeit dringen. Marketing und technische Kommunikation laufen dabei parallel: Die Rückkehr der stabilen Tridion-Zelle wird als steifes Element beschrieben, das Insassen bei Kontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern schützen soll. Gleichzeitig stehen die finalen Homologationsdaten noch aus, was die Perspektive für reale Reichweiten und Verbrauchsprofile offen lässt. Für die nächste Evolutionsstufe ist damit wahrscheinlich: Nach dem Hardware-Fundament rückt der Ausbau des Ökosystems in den Fokus, also Software-Funktionen, Lade-Integrationen und ein konsistenter Service. Wenn Smart das Paket aus ECA, schneller Ladefähigkeit und besserem Fahrverhalten sauber ausrollt, könnte der #2 wieder zu dem werden, was er früher war: ein sehr kleiner Wagen, der in der Stadt fühlt, nicht nur „fährt“.


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