LONDON (IT BOLTWISE) – Der HANetf Future of Defence UCITS ETF bündelt 60 Verteidigungswerte und konnte in den Kalenderjahren 2023 bis 2025 eine zweijährige Kursrally hinlegen. 2026 folgte jedoch die Ernüchterung: Während Technologieaktien weiter zulegten, konsolidierte der Rüstungssektor deutlich. Der Artikel ordnet die ETF-Methodik, die Bewertungsrisiken und die Frage ein, ob der Aufrüstungszyklus bereits in eine neue Phase übergeht. Gleichzeitig zeigt er, welche Rolle der Fonds als Beimischung spielen kann – und wo ein reines Sektor-Wetten problematisch wird.

HANetf Future of Defence ETF: Rally, Konsolidierung und die Grenzen der Branchenwette
HANetf Future of Defence ETF: Rally, Konsolidierung und die Grenzen der Branchenwette (Foto: IT BOLTWISE)
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Der HANetf Future of Defence UCITS ETF wirkt auf den ersten Blick wie die logische Antwort auf eine Zäsur in der europäischen Sicherheitslage: In den vergangenen zwei Kalenderjahren legte der Fonds in Summe stark zu und übertraf dabei selbst breite Weltmarktindizes. Doch sobald 2026 die Dynamik wechselte, offenbarte sich die typische Mechanik einer Branchenwette. Für Anleger heißt das nicht automatisch „raus aus dem Thema“, sondern „besser verstehen, was der Fonds tatsächlich abbildet“: einen engen Mix aus Rüstungs- und sicherheitsrelevanten Unternehmen, deren Auftragslage zwar strukturell Rückenwind erhält, deren Kurse aber dennoch kurzfristig von Bewertungen und Erwartungen getrieben werden.

Technisch betrachtet bildet der ETF den EQM Future of Defence Index ab, einen regelbasierten Korb aus 60 Firmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes aus verteidigungsnahen Aktivitäten erzielen und ihren Sitz in NATO- oder Partnerstaaten haben. Gewichtet wird mit einer modifizierten Marktkapitalisierung, allerdings mit Kappung je Titel, um einzelne Schwergewichte nicht dominieren zu lassen. Solche Konstruktionen unterscheiden sich von einfachen Markt-ETFs, weil sie die Verteilung der Risiken aktiv formen. Die laufenden Kosten von 0,49 Prozent liegen im mittleren Feld der Rüstungs-ETFs, und die physische Replikation bedeutet, dass die Aktien im Bestand liegen. Für das Risikoprofil ist zudem entscheidend, dass der Fonds thesauriert und damit den Kursverlauf über Reinvestitions-Mechanik glättet.

Um die Kursentwicklung einzuordnen, lohnt der Blick auf den Branchenzyklus: Der Ukraine-Krieg, die NATO-Verpflichtung, mindestens 2 Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben, sowie steigende Bereitschaft für darüber hinausgehende Budgets haben die Auftragsbücher in vielen Ländern auffallend lange gefüllt. Branchenberichten zufolge könnten die weltweiten Verteidigungsausgaben bis 2030 auf über 3,6 Billionen US-Dollar steigen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf 2026, wie schnell Erwartungen „eingepreist“ sein können: Der europäische Rüstungsindex fiel im März deutlich, und nach einer extremen Rally reduzierten viele Marktteilnehmer Risiko. Analysten sprechen dabei eher von Konsolidierung als von einem Bruch des langfristigen Trends – auch weil Kapital weiter in Verteidigungs-ETFs fließt, etwa in vergleichbare Produkte wie den WisdomTree Europe Defence ETF.

Die Relevanz des Marktkontexts wird besonders sichtbar, wenn man den Performance-Verlauf in Zeitfenstern betrachtet. In den Kalenderjahren 2024 und 2025 erzielte der ETF zweistellige bis hohe Renditen (40,79 Prozent beziehungsweise 37,26 Prozent) und blieb dabei über dem Niveau eines breiten Weltindex. Auf rollierender Zwölfmonatsbasis dagegen drehte sich das Bild: Mit 15,09 Prozent lag der Fonds unter dem MSCI World-Wert von 25,71 Prozent. Dieses Muster passt zu einer Phase, in der nach starken Kursgewinnen Gewinnmitnahmen und Neubewertungen dominierten, während der Gesamtmarkt vom anhaltenden KI- und Technologiefieber profitiert hat. Eine zentrale Erkenntnis für Enterprise-Entscheider lautet: Sektor-ETFs liefern nicht nur „Exposure“, sondern auch ein Timing-Risiko, das sich bereits innerhalb weniger Monate materialisieren kann.

Bei der Bewertung zeigt sich die „Zwei-Gesichter“-Logik der Branche: Einerseits stützen steigende Budgets die Umsatz- und Ergebnisentwicklung, andererseits erhöhen hohe Multiples die Sensitivität auf enttäuschende Quartale oder verzögerte Aufträge. Die größten Positionen machen rund 46,17 Prozent aus; durch die Kappungsregel bleiben sie nah beieinander, aber die Kurswirkung einzelner Titel bleibt spürbar. BAE Systems liegt mit 5,00 Prozent und einem KGV von 27,0 vergleichsweise moderat. Safran folgt mit 4,97 Prozent und einem KGV von 18,9, was unter anderem an der Mischung aus Luftfahrt und Defence liegt. Rheinmetall steht mit 4,88 Prozent und einem KGV von 72,7 deutlich höher; genau hier liegt das Hebel- und Risikozentrum: Wenn das Wachstum das Szenario nicht trifft, droht eine Neubewertung.

Was bedeutet das in der Praxis? Für die Tech-/Engineering-orientierte Betrachtung sind die zugrunde liegenden Fähigkeitscluster entscheidend: Rüstung ist nicht nur „Hardware“, sondern zunehmend ein System aus Sensorik, Kommunikation, Software und präziser Fertigung. Die Rolle von Messen wie Eurosatory in Paris unterstreicht diesen Wandel: Dort werden Partnerschaften und Verträge oft entlang von Plattformen, Lieferketten und neuen Systemgenerationen konkretisiert. Ein technischer Vergleich hilft hier: Während ein traditioneller Industriedatensatz stärker von Produktionszyklen abhängt, reagieren moderne Verteidigungsunternehmen zusätzlich auf Integrations- und Software-Tempo – etwa bei Aufklärung, Simulation oder Präzisionsmunition. Das erklärt, warum sich der Markt so stark an Erwartungskurven und roadmap-basierten Narrativen ausrichtet.

Auch die Portfoliokonstruktion verstärkt die Marktbewegungen. Die Branchengewichtung ist eng: Über 64 Prozent entfallen auf den Industriesektor, rund 26,77 Prozent auf Technologie; andere Sektoren spielen kaum eine Rolle. Regional dominiert der Anteil der USA mit 56,17 Prozent, gefolgt von Frankreich (9,09 Prozent), Großbritannien (6,91 Prozent), Südkorea (6,02 Prozent) und Deutschland (5,93 Prozent). Im Vergleich zu stärker US-zentrierten Konkurrenzprodukten bietet das zwar eine gewisse geografische Streuung, aber das Klumpenrisiko bleibt strukturell hoch, weil die Faktoren „Defence-Nachfrage“, „Politik“ und „Bewertung“ gemeinsam wirken. Entsprechend lag die Volatilität über ein Jahr bei 19,46 Prozent, während der MSCI World bei 10,37 Prozent lag; der maximale Rückschlag fiel im gleichen Zeitraum deutlich größer aus.

Für die Zukunft stellt sich damit vor allem die Frage, ob der Rüstungszyklus bereits in eine neue Phase wechselt. Einerseits spricht viel für einen länger anhaltenden Bedarf, weil gesetzlich und politisch verankerte Ausgabenpläne die Planungssicherheit erhöhen. Andererseits hängt der Sektor stärker an Entscheidungen als viele andere Branchen, und in Bewertungsniveaus sind häufig bereits mehrere Jahre Wachstum „eingepreist“. Experten argumentieren daher häufig, dass die nächste Phase weniger von „Start“ geprägt sein dürfte, sondern von Umsetzung, Beschleunigung einzelner Programme und der Fähigkeit, Lieferketten sowie neue Technologien termingerecht zu integrieren. Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Der HANetf Future of Defence eignet sich am ehesten als gezielte Ergänzung – nicht als alleinige Basis – wobei Einstiegszeitpunkte und Risikobudget bewusst geplant werden sollten.


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