LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Leaks deuten darauf hin, dass Samsung die Galaxy Watch Classic-Reihe streicht und damit die traditionelle Uhrenoptik aus dem Portfolio entfernt. Gleichzeitig rücken zwei klar getrennte Linien in den Fokus: die Galaxy Watch 9 als Alltagsmodell und die Galaxy Watch Ultra 2 als Outdoor-Alternative mit markantem Quick-Button. Neue Gesundheitsfunktionen wie Vitals Score und Heart Health Score sollen die Wearables stärker in Richtung klinischer Telemetrie verschieben. Unklar bleibt jedoch, ob eine RAM-Knappheit die Preise spürbar erhöht und damit die Kaufentscheidung in Deutschland erschwert.

Samsung sortiert seine Smartwatch-Linie offenbar neu: Für die kommenden Generationen Galaxy Watch 9 und Galaxy Watch Ultra 2 sollen Leaks vom 22. und 23. Juni zeigen, dass es künftig kein Modell aus der klassischen Classic-Reihe mit drehbarer Lünette mehr geben wird. Das ist für einen Teil der langjährigen Käufer ein echter Stilbruch, weil die drehbare Lünette bei vielen Nutzerprofilen eher zur „Uhr“ als zum „Wearable“ gehört. Gleichzeitig wirkt der Schritt wie eine strategische Entscheidung, Ressourcen stärker auf zwei klar unterscheidbare Produktwelten zu konzentrieren: Alltag und Outdoor.
Bei der Galaxy Watch 9 bleibt der optische Kern dem Vorgänger treu: Das Gehäuse soll die bekannte „Squircle“-Form aufgreifen, also ein Quadrat mit abgerundeten Kanten, in dessen Mitte ein rundes Display sitzt. Verfügbar sein könnten zwei Größen, 40 und 44 Millimeter, jeweils mit Bluetooth- oder LTE-Option. Bei den Farben werden für die kleinere Variante Cream und Graphite genannt, für die größere Silver und Graphite; neue Armbänder in Weiß, Grün und Dunkelblau komplettieren das Paket. Aus Marktsicht heißt das: Samsung entscheidet sich nicht für eine komplette Design-Neuerfindung, sondern für eine saubere Differenzierung über Materialien, UI und Funktionen.
Die Classic-Frage trifft die Käufer besonders dort, wo Hardware-Interaktionen zählen: Wer sich an die Mechanik der drehbaren Lünette gewöhnt hat, wird die Bedienlogik vermutlich in One UI 9 Watch ersetzen müssen. Technisch ist das relevant, weil eine rotierende Lünette nicht nur „Nice to have“ ist, sondern oft die Eingabe beschleunigt und das Scrollen in Menüs erleichtert. Im Vergleich setzen andere Hersteller stärker auf Touch- und Tastenbedienung. Apple etwa verbindet bei der Apple Watch oft digitale Kronen-Logik mit guter Touchbedienung; Garmin arbeitet bei Fitnessuhren traditionell mit Tasten, setzt aber auf robuste Gehäuse. Samsung muss daher sicherstellen, dass die Gesten- und Touchlogik ohne Classic mindestens ähnlich schnell bleibt.
Ganz anders positioniert sich die Galaxy Watch Ultra 2. Das Modell soll ausschließlich in 47 Millimetern erscheinen und ein kantigeres Design mit schmaleren Rändern mitbringen. Auffällig ist ein orangefarbener „Quick“-Button, der sich von den übrigen Tasten abhebt – ein Signal an Outdoor-Nutzer, die schnelle Bedienung im Gelände erwarten. Als Gehäusefarben werden Titanium Gray und Titanium Silver genannt. Für die Hardwaredaten sprechen Leaks von etwa 784 mAh Akkukapazität bei der Ultra 2 und rund 382 mAh bei der Standard-Watch 9; diese Spanne ist für die Alltagserfahrung entscheidend, weil GPS- und Sensorlast die Laufzeit stark beeinflussen. Zum Vergleich zeigt der Markt, dass Outdoor-Modelle oft weniger „schlank“ wirken, aber stärker auf Energieeffizienz im Betrieb ausgelegt sind.
Beide Uhren sollen mit One UI 9 Watch starten, basierend auf Wear OS 7. Als Prozessor kommt voraussichtlich der Snapdragon Wear Elite zum Einsatz. Gleichzeitig liefert genau diese Mischung aus Plattform-Software und Chip-Ökosystem den technischen Rahmen: Wear OS 7 bringt neue Sicherheits- und Energiefeatures, während der Snapdragon-Cocktail typischerweise die KI-gestützte Auswertung von Sensordaten sowie die Latenz bei UI-Aktionen beeinflusst. Der Wermutstropfen: Ein globaler Mangel an RAM-Komponenten könnte die Preise um etwa 50 Euro nach oben treiben. Für Unternehmen und IT-Verantwortliche im Umfeld von Device-Management ist das zwar zunächst ein Einkaufsfaktor, aber indirekt auch ein Sicherheits- und Lifecycle-Thema: Wenn Hardware teurer wird, steigt der Druck, Geräte länger aktuell zu halten.
Der größte funktionale Hebel liegt laut Leaks bei Gesundheitssensorik und Auswertelogik. Die Galaxy Watch 9 soll einen „Vitals Score“ einführen, der Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Atemfrequenz, Hauttemperatur und Blutsauerstoff in einen Gesamtwert überführt. Dazu kommt ein „Heart Health Score“, der Gefäßbelastung, Schlafqualität und BMI zusammenfasst. Neu ist zudem eine Hörfunktion, die mit Farbindikatoren vor potenziell gefährlichen Lautstärken warnen soll. Ergänzend hilft „Daily Cardio Load“ dabei, Trainingsintensität besser zu steuern. Aus technischer Sicht ist das mehr als Marketing, weil hier Sensordaten mehrfach normalisiert und in ein interpretierbares Modell gegossen werden müssen – und damit Fragen zu Genauigkeit, Kalibrierung und Datenkonsistenz in den Vordergrund rücken.
Die Ultra 2 soll exklusive Features bekommen, darunter einen speziellen Trail-Run-Modus sowie verbesserte Unterwassermessungen. Das passt zu Samsungs Outdoor-Strategie: Outdoor-Nutzer erwarten weniger „All-in-one“-Gesundheitsanzeigen, sondern praxistaugliche Trainings- und Kontextmessung. Der Trail-Run-Modus deutet darauf hin, dass Samsung den Algorithmus stärker auf unruhige Bewegungsmuster und Geländerahmenbedingungen optimieren will. Bei Unterwassermessungen sind Messrauschunterdrückung, Kalibrierungslogik und die Stabilität des Sensorinputs besonders kritisch. Branchenanalysten fassen die Kernfrage aktuell oft so zusammen: „Wer Ultra-Nutzer gewinnen will, muss nicht nur mehr Sensoren liefern, sondern die Auswertung bei Belastung zuverlässig machen.“
Marktlich ist der Zeitplan spannend: Ein Launch wird für Ende Juli erwartet, mit einem Galaxy Unpacked-Event in London als wahrscheinlichstem Rahmen; der 22. Juli gilt als möglicher Termin. Samsung selbst hat noch nichts offiziell bestätigt, doch die Leakergebnisse stützen eine Veröffentlichung im Juli konsistent. Für die deutsche Kundschaft bedeutet der Wegfall der Classic-Reihe vor allem eine Zäsur in der Design- und Bedienidentität. Fans der traditionellen Uhrenoptik könnten zögern, während Samsung gleichzeitig eine klare Rollenverteilung bewirbt: Watch 9 als Alltagsbegleiter, Ultra 2 als Sport- und Outdoor-Spezialistin. Ob das im Alltag wirklich überzeugt, wird sich dann daran messen, wie gut die Modelle im Test sowohl bei Bedienkomfort als auch bei Messqualität abschneiden.
Auch regulatorisch und datenschutzseitig steigt der Druck, weil neue Gesundheits-Scores typischerweise mehr Rohdaten verarbeiten oder stärker aggregieren. Für Unternehmen heißt das: Wer Flotten- oder Corporate-Wearables plant, muss stärker auf Privacy-by-Design, Transparenz der Datenflüsse und die Rolle von App-Berechtigungen achten. Technisch relevant ist außerdem, ob die Modelle offlinefähig bleiben oder ob Teile der Auswertung serverseitig stattfinden. Für die Zukunft ist eine deutliche Entwicklung wahrscheinlich: Samsung wird die Score-Logik weiter verfeinern und mit WearOS-Updates an Korrektheit und Energieverbrauch arbeiten. Wenn RAM-Knappheit die Preise tatsächlich treibt, wird die nächste Iteration vermutlich stärker darauf zielen, das Premium-Erlebnis zu halten – etwa durch Effizienzgewinne im Betrieb oder optimierte Sensor-Fusion, nicht nur durch neue Features.
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