SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – DHL baut seine Automatisierungskapazitäten aus und setzt dabei auf autonome Systeme, um den Frachtumschlag effizienter zu machen. Parallel stocken Logistikdienstleister und Hersteller weltweit Budgets für intelligente Lager, inklusive Paletten-Shuttles und AMRs. Der Bericht zeigt zudem, wie sich autonome Technik nicht nur im Warehouse, sondern zunehmend im Fernverkehr etabliert – und welche organisatorischen sowie Sicherheits- und Datenschutzfragen Unternehmen jetzt klären müssen.

DHL setzt auf autonome Logistik in Singapur und treibt Milliarden-Automatisierung voran
DHL setzt auf autonome Logistik in Singapur und treibt Milliarden-Automatisierung voran (Foto: IT BOLTWISE)
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DHL treibt die Automatisierung seiner Logistik nach vorn und verknüpft den nächsten Schritt mit dem Aufbau autonomer Transport- und Umschlagprozesse in Singapur. Der strategische Kern liegt dabei nicht im Selbstzweck der Robotik, sondern in messbaren Durchsatzgewinnen im Frachtumschlag: Wo bislang klassische Flurfördertechnik, manuelle Wege und zeitkritische Schnittstellen dominierten, sollen künftig mobile Roboter und automatisierte Materialflüsse einen großen Teil der Transporte übernehmen. Für Unternehmen bedeutet das: Automatisierung wird stärker zu einer operativen „Produktions“-Frage – mit Auswirkungen auf Personalplanung, Bestandsführung und Systemarchitektur.

Die Dynamik dahinter lässt sich auch in konkreten Projekten ablesen. Erst am 17. Juni hatte DHL Supply Chain den Bau eines 18.000 Quadratmeter großen Healthcare-Zentrums im britischen Infinity Park Derby angekündigt. Das Vorhaben soll bis Ende 2026 fertig werden und setzt auf Hochleistungsautomation: Paletten-Shuttle-Systeme sowie autonome mobile Roboter (AMRs) stehen im Mittelpunkt, um Healthcare-Sendungen mit kurzen Durchlaufzeiten zu bewegen. Finanziell spiegelt sich diese Priorität in einem größeren Paket: Rund 660 Millionen Euro fließen in Automatisierung in Großbritannien, weitere 2 Milliarden Euro weltweit in den Life-Sciences-Bereich.

Während DHL die eigene Toolchain ausbaut, zeigt der Blick auf weitere Regionen, dass der Wettbewerb global plant. In Südkorea startete Yongma Logis Mitte Mai den Bau des „Anseong New Hub Logistics Center“ in Anseong: Die Anlage soll knapp 40.000 Quadratmeter umfassen und bis 2027 fertig sein. Geplant sind eine automatische Paketsortierung sowie intelligente Überwachungstechnik, die Daten aus dem Betrieb mit Sicherheits- und Prozessanforderungen zusammenführen soll. Genau hier liegt der technische Unterschied zu früheren Automatisierungswellen: Nicht nur die Mechanik, auch die Sensorik, die Softwarelogik und die Integration in bestehende Lagerprozesse entscheiden, ob Systeme wirklich stabil im Schichtbetrieb laufen.

Die Hardware-Generation entwickelt sich in Richtung modularer Integration. Big Joe Autonomous Solutions stellte jüngst vier neue Produkte vor, darunter einen autonomen Palettenhubwagen mit einer Tragfähigkeit von zwei Tonnen und einen Dreirad-Gabelstapler. In beiden Fällen wird der Betrieb über Lithium-Batterien adressiert, und die Geräte sollen sich ohne aufwendige Umbauten in bestehende Anlagen integrieren lassen. Das ist für Betreiber besonders relevant, weil Umbauprojekte in der Praxis häufig als Risiko gelten: Jede Verzögerung wirkt sich direkt auf Auslastung und ROI-Berechnungen aus. Die technische Vergleichslogik ist dabei klar: „Autonom im Bestand“ ist oft günstiger und schneller als „Neubau nach Referenzarchitektur“.

Auch außerhalb der Lagerhallen nimmt Autonomie Fahrt auf. AVI-SPL startete gemeinsam mit Volvo Autonomous Solutions und Aurora einen kommerziellen autonomen Frachtdienst zwischen Dallas und Houston; dabei transportieren die Volvo VNL Autonomous Trucks Audio- und Videotechnik. Parallel nennt der Markt ambitionierte Ziele: Volvo peilt für das erste Quartal 2027 vollautomatischen Betrieb auf US-Highways an, mit mehr als 300 autonomen Lastwagen bis Ende des Jahres. Ein weiterer Hinweis auf Reifegrade liefert der Einsatz: PepsiCo nutzt bereits 35 autonome Trucks in Arizona. Gleichzeitig bleibt der Technologietransfer zwischen Labor und Betrieb ein Thema, etwa wenn Amazon mit dem Proteus-Roboter seine Robotik in Europa im Rahmen einer 12-Milliarden-Euro-Investition vorantreibt.

Am Ende hängt die Wirkung solcher Initiativen an der Kombination aus Betrieb, Sicherheit und Compliance. Regulatorisch und datenschutzseitig müssen Unternehmen sauber klären, welche Daten AMRs, Kameras und Überwachungstechnik erfassen, wie lange sie gespeichert werden und wer Zugriff hat. In Europa betrifft das vor allem die Anforderungen aus dem Datenschutzrecht; in Asien kommen lokale Vorgaben hinzu, etwa in Form von Auskunfts- und Zweckbindungsprinzipien, wenn personenbezogene Daten oder Personenbezug über Videoaufnahmen entstehen könnten. Branchenanalysten erwarten zudem, dass der globale Markt für Lagerautomatisierung bis 2030 die 51-Milliarden-Euro-Marke deutlich übersteigt. Ein Analystenblick bringt es auf den Punkt: „Der Engpass ist weniger die Technik als die saubere Integration in Prozesse, Sicherheitskonzepte und Wartungszyklen.“ Genau diese Integrationsleistung wird jetzt zur Wettbewerbsvorteil-Quelle, nicht nur zur Pilot-Show.

Für die nächsten Schritte deuten mehrere Signale auf eine Beschleunigung hin. KI-gestützte Software für autonomes Be- und Entladen wird zunehmend durch strategische Beteiligungen vorangetrieben, etwa wenn sich Jungheinrich an Navflex Inc. beteiligt, um „Physical AI“ für die autonome Lkw-Abfertigung mit Fahrzeugplattformen zu verbinden. Solche Tests bei Großkunden zielen auf eine konkrete Entlastung im Umschlagbereich: weniger Wartezeiten, weniger manuelle Eingriffe an Schnittstellen, mehr Standardisierung. Parallel zeigt der Marktbezug an der Peripherie: Auf der LogiMat demonstrierte AiTEN Robotics autonome Gabelstapler, die den Durchsatz laut Hersteller um bis zu 200 Prozent steigern und den Personalbedarf um 67 Prozent senken können. Und Minieye Technology erhielt einen Auftrag über 500 fahrerlose Logistikfahrzeuge für ein Unternehmen in der chinesischen Provinz Henan. Wer jetzt startet, kann nicht nur Kosten reduzieren, sondern später auch schneller auf neue Sendungsprofile, saisonale Peaks und regulatorische Anforderungen reagieren.


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