DONGGUAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Oppo bringt mit den Enco Air5s seine ersten Semi-In-Ear-Kopfhörer mit aktivem Noise-Cancelling (ANC) auf den internationalen Markt. Das Modell setzt auf Echtzeit-ANC und ein Sprachunterdrückungssystem, bleibt dabei mit 3,9 Gramm pro Hörer besonders leicht. Für rund 50 Euro zielt Oppo direkt auf die Preisklasse, in der bisher meist klassische In-Ears dominierten. Damit erweitert der Hersteller sein Audio-Ökosystem rund um Reno und ein neues Wearable um eine neue Komfort-Variante.

Oppo Enco Air5s im Test: Semi-In-Ear mit ANC für rund 50 Euro
Oppo Enco Air5s im Test: Semi-In-Ear mit ANC für rund 50 Euro (Foto: IT BOLTWISE)
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Oppo setzt bei den Enco Air5s nicht auf den üblichen „im Gehörgang verschwinden“-Ansatz, sondern auf ein Semi-In-Ear-Design, das in der Praxis oft schneller als angenehm empfunden wird. Der Hersteller positioniert die Kopfhörer als Alternative für Nutzer, die In-Ears zwar akustisch mögen, aber nach längerer Tragedauer Druckgefühl oder Ermüdung spüren. Spannend ist dabei vor allem das Versprechen, das Semi-In-Ear-Konzept mit aktivem Noise-Cancelling (ANC) zu verbinden. Denn ANC ist in diesem Preissegment typischerweise schwerer zu realisieren, wenn die Abdichtung weniger ausgeprägt ist als bei klassischer Passform.

Technisch ordnet sich das Duo in eine klare Produktlogik ein: Die Enco Air5 bilden die „klassische“ In-Ear-Variante, während die Air5s das neue Komfort-Formfaktor-Ziel bedienen. Bei der Air5 nennt Oppo eine adaptive ANC-Funktion, die Umgebungsgeräusche über den Frequenzbereich bis 5.000 Hz hinweg um bis zu 52 dB reduzieren soll. Dazu kommen ein 12-mm-Treiber, ein Gewicht von 4,3 Gramm pro Ohrhörer sowie Bluetooth 6.1 mit Unterstützung für die gleichzeitige Verbindung zweier Geräte (Multipoint). Für den Alltag relevant sind außerdem IP55 gegen Staub und Wasser sowie die Kombination aus Gaming-Modus mit 47 ms Latenz und einem Akkupaket, das bis zu 13 Stunden pro Ladung verspricht.

Die Air5s übertragen diese DNA, aber mit anderen Prioritäten. Oppo integriert ein Echtzeit-ANC und ein spezielles System zur Unterdrückung von Sprache bzw. typischen Alltagsstörern. Genannt werden Geräuschmuster wie das Summen einer Klimaanlage oder Hintergrundgespräche. Genau hier liegt der technische Unterschied: Semi-In-Ear kann die „passive“ Dämpfung durch den Sitz im Gehörgang weniger stark ausspielen; das ANC muss deshalb stärker über Mikrofon-Feedback und Regelung arbeiten, um den Restanteil zu kompensieren. Oppo nennt außerdem 3,9 Gramm pro Ohrhörer als weiteres Argument, wobei die reine Grammangabe im Alltag vor allem für lange Meetings, Pendeln und Reisen zählt.

Im Detail fällt auf, dass Oppo bei der Konnektivität nicht ganz identisch bleibt: Während die Air5 mit Bluetooth 6.1 beworben werden, nutzt die Air5s Bluetooth 6.0. Beide setzen auf 12-mm-Treiber und nennen adaptive Klangverbesserung, was in der Praxis meist auf eine Kombination aus Profilen, Equalizer-Kurven und der Anpassung an Signal- bzw. Umgebungsbedingungen hinausläuft. Die Akkulaufzeit ist bei den Air5s kürzer: 9 Stunden ohne ANC, 4,5 Stunden mit ANC, insgesamt 48 Stunden mit Ladecase. Daraus lässt sich die typische Marktlogik ablesen: Aktiv arbeiten die Algorithmen und Mikrofone deutlich länger, wenn die Umgebung leise ist, aber bei höherem ANC-„Regeldruck“ sinkt die Laufzeit spürbar—ein Trade-off, der in dieser Preisklasse entscheidend ist.

Auf der Preis- und Wettbewerbsseite zielt Oppo direkt in einen sehr umkämpften Korridor. Laut den Angaben liegen die Air5 in internationalen Märkten bei umgerechnet etwa 75 Euro, die Air5s bei rund 82 Euro; für Indien werden Launch-Preise von etwa 55 Euro (Air5) und 50 Euro (Air5s) genannt. In Europa und im deutschen Handel ist das besonders interessant, weil etablierte Hersteller dort oft stärker auf klassische In-Ears oder deutlich teurere ANC-Modelle setzen. Als Vergleichsanker tauchen in diesem Segment häufig Modelle von Samsung und Apple auf—beides Anbieter, die ANC meist über sehr ausgereifte Signalverarbeitung und Mikrofon-Arrays optimieren. Oppo versucht hingegen, die Komfortstärke eines Semi-In-Ear-Formfaktors mit „ausreichend gutem“ ANC in der Breite zu verkaufen.

Wie Branchenexperten es in Gesprächen mit Endkunden wiederholt formulieren, entscheidet bei ANC nicht allein die maximale dB-Zahl, sondern das Zusammenspiel aus Sitz, Mikrofonplatzierung und Filter-Strategie. Genau deswegen sind Kennzahlen wie „bis zu 52 dB“ nur ein Teil der Wahrheit: In realen Umgebungen schwanken Störpegel und Frequenzanteile stark, und die Passform ändert die Grundlage, auf der das aktive Gegenrauschen berechnet wird. Ein Semi-In-Ear-Setup kann in ruhigen Büros gut funktionieren, während in lauter ÖPNV-Umgebung die subjektive Reduktion stärker variiert. Zudem spielt Sprachunterdrückung eine Rolle: Wird sie zu aggressiv eingestellt, wirkt Sprache manchmal gedämpft oder „plastikartig“—wird sie zu defensiv, bleibt das Gespräch im Hintergrund präsent.

Auch das Gaming-Argument der Air5 ist ein Hinweis auf Oppo-Produktdenken: Eine Latenz von 47 ms ist im Alltag relevant, weil Lip-Sync und Reaktionszeit bei Mobilgames spürbar sind. Bei den Air5s werden keine gleich konkreten Gaming-Werte genannt, aber die Bluetooth-Generation und die Signalverarbeitung lassen erwarten, dass zumindest ein Low-Latency-Profil bereitgestellt wird. Für Unternehmen und Entwickler ist dabei interessant, wie Hersteller in dieser Preisklasse Multipoint, Codec-Auswahl und Energiemanagement miteinander verheiraten. Bluetooth 6.x-Iterationen zielen typischerweise auf effizientere Funkkommunikation und weniger Overhead, was sich direkt auf die Akkulaufzeit auswirkt—und damit auch auf die Entscheidung, ob ANC im Standardbetrieb permanent aktiv ist oder stärker selektiv zugeschaltet wird.

Regulatorisch und datenschutztechnisch lohnt sich der Blick auf die „unsichtbaren“ Prozesse im Hintergrund: ANC-Systeme nutzen Mikrofone, um Umgebungs- und gegebenenfalls Sprachanteile zu erfassen. In der Regel werden diese Signale on-device verarbeitet und nicht als „Audio-Datei“ an Dritte übertragen—aber die genaue Datenpolitik hängt vom Kopfhörer-Firmware-Stand, der Smartphone-Integration und ggf. zugehörigen Apps ab. Unternehmen sollten beim Enterprise-Einsatz (z. B. Call-Center, Außendienstteams) sicherstellen, dass keine ungewollte Cloud-Koppelung für Zusatzfunktionen aktiviert wird und dass die Datenschutzhinweise der Hersteller-App verständlich und nachvollziehbar sind. Gerade wenn „Sprachunterdrückung“ beworben wird, ist Transparenz über die Mikrofonverarbeitung ein Muss.

Oppo verknüpft den Audio-Launch zudem mit einem breiteren Ökosystem: Am 2. Juli stellt der Hersteller die Reno-16-Serie mit Aluminiumrahmen vor und kündigt außerdem ein neues Wearable „Oppo Bubble“ mit einem 1,73-Zoll-AMOLED-Display an. Das ist strategisch relevant, weil Audio bei vielen Nutzern das „täglich getragene“ Bindeglied zwischen Smartphone, Uhr und Gesundheits-/Lifestyle-Features bleibt. Für den Markt heißt das: Wer das Audio-Setup nutzt, bekommt eher konsistente User-Experience-Entscheidungen über Gerätegrenzen hinweg—etwa beim Wechsel zwischen Laptop, Tablet und Telefon. Aus Sicht der Entwickler entsteht damit eine Chance, Kopfhörer-Funktionen (z. B. Noise-Profile) stärker über systemnahe Schnittstellen zu integrieren, statt sie nur als proprietäre App-Funktion zu behandeln.

Der entscheidende Ausblick: Wenn Oppo mit den Air5s wirklich Komfort und ANC in der 50-Euro-Nische kombiniert, verschiebt sich der Wettbewerb nicht nur über den Preis, sondern über den Formfaktor. In der nächsten Iteration werden Käufer vermutlich vor allem zwei Dinge fordern: längere Laufzeit bei aktivem ANC und eine stabilere Sprachunterdrückung, die auch in gemischten Umgebungen nicht zu stark „glättet“. Für den Enterprise- und Prosumer-Bereich bleibt außerdem die Frage, wie gut Multipoint im Alltag mit Anrufwechseln funktioniert und ob Firmware-Updates die Filterqualität nachträglich verbessern können. Unterm Strich steht Oppo damit für einen Trend, der sich bereits abzeichnet: ANC wird zunehmend „zugänglich“, während Premium-Qualität zur Differenzierung in höheren Preisklassen wird.


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