BONN / LONDON (IT BOLTWISE) – Mavenir hat bei der Deutschen Telekom den „Partner of the Year“-Award in der Kategorie „Beste Netzwerkinnovation“ gewonnen. Im Mittelpunkt steht die Most Energy Efficient Core (MeeC)-Initiative, die die Energieeffizienz im 5G-Kernnetz mit KI-gestützter Verkehrsprognose und Workload-Optimierung steigern soll. Das Projekt wurde 2025 gestartet und soll in echten Tier-1-Produktionsnetzen messbare Einsparungen liefern. Die Auszeichnung erfolgt zudem gemeinsam mit AMD für Beiträge zur Initiative.

Mavenir geht mit einer neuen Auszeichnung an die Öffentlichkeit und trifft damit einen Nerv der Netzbetreiber: Energieeffizienz im 5G-Kernnetz. Der Anbieter cloudnativer Mobilfunk-Software, der seine Plattform als KI- und Automatisierungsbasis für Funkzugangs- und Kernfunktionen positioniert, erhielt auf dem Telekom Campus Fair 2026 den „Partner of the Year“-Award in der Kategorie „Beste Netzwerkinnovation“. Überreicht wurde die Auszeichnung aus dem Kreis der Führung der Deutschen Telekom. Entscheidend ist jedoch weniger das Label als die technische Story dahinter: MeeC (Most Energy Efficient Core) adressiert Energieverbrauch in Betriebsphasen mit geringem Datenverkehr, ohne die Dienstqualität zu gefährden.
Technisch setzt MeeC auf eine cloudnative Architektur, die sich vom klassischen „immer aktiv“-Betriebsmodell löst. Im Kern geht es darum, Workloads dynamisch über cloudnative Funktionen hinweg zu konsolidieren, statt Ressourcen dauerhaft bereitstehen zu lassen. Laut Projektbeschreibung senkt MeeC den Energieverbrauch im 5G-Core im Vergleich zum Basisbetrieb um bis zu 65%, besonders in Phasen mit niedrigem Traffic. Möglich macht das ein Zusammenspiel aus KI-gestützter Verkehrsprognose und einer vorausschauenden Optimierung der Workloads. Dadurch identifiziert das System Energieverschwendung in Kernnetzfunktionen und steuert Gegenmaßnahmen, ohne die Leistung oder die Servicequalität zu reduzieren.
Der zeitliche Kontext ist dabei relevant: MeeC wurde 2025 eingeführt und wird seither in einem kommerziell genutzten Setup getestet. Die Initiative zielt explizit darauf, Einsparungen nicht nur in Laborumgebungen nachzuweisen, sondern in realen Netzwerkumgebungen in einem aktiven Tier-1-Produktionsnetz. Dass Mavenir dabei gemeinsam mit der Deutschen Telekom agiert, ist aus industriepraktischer Sicht ein wichtiger Unterschied. Viele Energieprogramme scheitern am Betrieb: Sie erzeugen zusätzliche Messdaten, komplizierte Regeln oder erhöhen die operative Last. MeeC hingegen positioniert sich mit „Zero-Touch“-Automatisierung als Ansatz, der eine kontinuierliche Optimierung ermöglicht, statt manuelle Eingriffe zu erfordern. Damit adressiert es direkt die Skalierungsfrage, die bei großen Mobilfunknetzen regelmäßig zum Engpass wird.
Marktseitig ordnet sich die Meldung in den Wettbewerb um energie- und kostenoptimierte Core-Deployments ein. Neben spezialisierten Softwareanbietern wie Mavenir treiben auch etablierte Hersteller wie Ericsson und Nokia ähnliche Optimierungen voran, etwa über stärker automatisierte Management- und Scheduling-Mechanismen sowie effizientere Virtualisierungs- und Cloud-Betriebsmodelle. Der Unterschied liegt häufig in der Tiefe der KI-gestützten Steuerung: Während viele Anbieter Effizienz über bessere Ressourcennutzung erzielen, versucht MeeC laut Beschreibung den Energieverbrauch im Zusammenspiel aus Prognose, dynamischer Konsolidierung und Workload-Umverteilung zu reduzieren. Branchenexperten bringen das auf den Punkt: „Wer im Core Energie spart, muss gleichzeitig nachweisen, dass Latenz, Durchsatz und Verfügbarkeit unter Last-Schwankungen stabil bleiben.“ Genau dieser Dreiklang ist das implizite Argument hinter dem Partner-Award.
Aus Unternehmenssicht ist auch die Daten- und Sicherheitsdimension relevant. Energieeffizienz im Betrieb entsteht nicht „magisch“, sondern über Telemetrie, Workload-Logik und häufig über den Zugriff auf Performance-Metriken und Verkehrsstatistiken. Das bedeutet: Für viele Betreiber werden dabei Fragen nach Datenhoheit, Aufbewahrung, Zugriffskontrollen und Transparenz in KI-Entscheidungen zentral. Wenn KI-Module automatisiert Workloads umsteuern, muss das Betriebsmodell robuste Mechanismen zur Fehlerbegrenzung enthalten, etwa klare Abbruchkriterien, Auditierbarkeit und nachvollziehbare Entscheidungswege. Im regulatorischen Umfeld, das insbesondere in der EU von Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen geprägt ist, wird das zunehmend als Teil der „betrieblichen Compliance“ verstanden, nicht als nachgelagerte Maßnahme.
Regelwerke und Nachhaltigkeitsdruck wirken zudem als Beschleuniger. Betreiber stehen unter Erwartungsdruck, ihre CO2- und Energiebilanz zu verbessern, und zwar ohne die Netzstabilität zu kompromittieren. In diesem Spannungsfeld kann MeeC ein konkretes Betriebsinstrument liefern: Statt nur auf Effizienzgewinne durch Hardware-Refresh zu setzen, wird die Steuerungsebene der Core-Funktionen optimiert. Die Kombination aus cloudnative Deployment, KI-gestützter Prognose und Workload-Konsolidierung erlaubt es, Einsparungen besonders in „dunklen“ Betriebsfenstern zu realisieren. Das ist wirtschaftlich wichtig, weil diese Phasen im Tages- und Wochenverlauf häufig auftreten. Gleichzeitig erlaubt die Positionierung als Tier-1-Produktionsbetrieb eine glaubwürdigere Planung für Capex- und Opex-Modelle.
Für die Zukunft lässt sich daraus mehr als nur ein Erfolg bei einem Partner-Award ableiten. Wenn KI-gestützte Automatisierung im Core tatsächlich in der Breite funktioniert, dürfte sie als Baustein in zukünftigen KI-native Network-Strategien stärker standardisiert werden: mehr geschlossene Regelkreise zwischen Monitoring, Prognose und Deployment, weniger manuelle Betriebszyklen. Für Entwickler und Integratoren entsteht damit eine Chance, Plattformen so zu bauen, dass sie Telemetrie-Modelle, Policy-Engines und Sicherheitskontrollen sauber zusammenführen. Der nächste Schritt wird vermutlich darin bestehen, die Effizienzgewinne auch mit weiteren Optimierungsdimensionen zu koppeln, etwa Lastverteilung zwischen Standorten oder Orchestrierung über mehrere Domänen hinweg.
Auch die Wettbewerbsdynamik spricht dafür, dass Energieeffizienz zum Differenzierungsmerkmal im Core wird. Ein einzelnes Pilotprojekt überzeugt zwar, aber Skalierung entscheidet. MeeC nennt als Ziel bereits den kommerziellen Einsatz und hebt die „bewährte“ Integration in ein aktives Produktionsnetz hervor. Damit wird das Thema von einer reinen Forschungs- oder Pilotstory in Richtung operativer Standard verschoben. Wenn Betreiber ähnliche Ansätze künftig beschleunigen, könnten Partnerschaften zwischen Softwareanbietern, Chip-Ökosystemen und Netzbetreibern noch stärker in den Vordergrund rücken. In diesem Zusammenhang ist es zudem nicht zufällig, dass die Auszeichnung gemeinsam auch AMD für Beiträge zur MeeC-Initiative erwähnt.
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