AUSTIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Traysar, ein neues Verteidigungstechnologie-Startup von Gilad Adin, stellt Systeme vor, die Tunnel und Bunker unterirdisch schnell zerstören und dabei die Luftstreitkräfte entlasten sollen. Die ersten beiden Plattformen kombinieren ein ferngesteuertes, tunnelkompatibles Minigerät sowie eine feldbasierte Lösung zum gezielten Vorgehen gegen unterirdische Ziele. Damit zielt das Team auf eine komplette „Underground-Value-Chain“ und adressiert Rückmeldungen aus Israel und den USA, darunter ein DARPA-RFI zu „non-kinetic penetration“. Für Unternehmen und Behörden ist das vor allem eine Frage der Beschleunigung von Hardware-Readiness und der Sicherheitsarchitektur unter realen Funk- und Kommunikationsausfällen.

Wenn Künstliche Intelligenz in der Verteidigung bisher vor allem als Softwarethema wahrgenommen wird, dann wirkt Traysar wie ein Gegenentwurf: Gilad Adin, ehemals ein bekanntes Gesicht im israelischen Nachrichtengeschehen, steigt mit 60 Jahren in ein Hardware-lastiges Startup ein. Der neue Ansatz dreht sich um etwas, das viele Streitkräfte strategisch bereits nachjustieren: Angriffe und Gegenmaßnahmen verlagern sich weiter unter die Erdoberfläche. Traysar wurde laut Berichten Anfang 2024 in den Fokus gerückt, nachdem das Team auf einer großen Konferenz in Detroit erstmals zwei Systeme zeigte. Adin beschreibt das als „Rückkehr zum Start“ – allerdings mit Partnern, die das Thema aus militärisch-technischen und unternehmerischen Rollen heraus antreiben.
Technisch betrachtet setzt das Startup auf Systeme, die dort operieren sollen, wo klassische Luftschläge an Grenzen stoßen: in Tunneln und in unterirdischen Einrichtungen. Das erste vorgestellte System ist dem Bericht zufolge ein kleines, ferngesteuertes Fahrzeug, das speziell für tunneltypische Dimensionen ausgelegt ist und dabei wie ein „miniaturisiertes D9“ funktioniert – also als Gegenstück zu schweren Kampfmaschinen, jedoch für enge Geometrien. Es soll Hindernisse wie Sandsäcke oder Sperr- und Stoßabschlüsse überwinden, bis zum Ende eines Tunnels vorstoßen und anschließend im Rückwärtsgang demontieren. Eine zentrale Rolle spielt die Steuerung per Glasfaser, um Funkausfälle und Abschattungen im Untergrund abzufangen.
Die zweite Plattform verfolgt eine andere Logik: Sie wird von einem „Command-and-Control“-Trailer aus in Feldnähe eingesetzt und soll Kräfte dabei unterstützen, unterirdische Ziele schnell zu erreichen, ohne unmittelbar auf Luftangriffe angewiesen zu sein. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „non-kinetic penetration“ genannt, also das Prinzip, Ziele unter der Oberfläche zu durchdringen und Strukturen zum Einsturz zu bringen, anstatt sie ausschließlich durch Luftbombardierung zu zerstören. Dass Traysar dabei nicht nur auf Tunnelzerstörung blickt, sondern auf Schutz und schnelle Verlagerung kritischer Infrastruktur unter die Erde, unterstreicht die Breite des Vorhabens. Sofer sagt sinngemäß, „das Geld gehe aktuell noch in bunker-busting“, doch die Richtung habe sich bereits in den Gesprächen mit US-Behörden geändert.
Marktseitig ist die Konkurrenz nicht nur ein einzelnes Unternehmen, sondern ein Technologie-Ökosystem aus Robotik, Bergbaumaschinen und militärischer Beschaffungsrealität. Traysar verankert sich dabei explizit in zivilen und industriellen Untergrunddisziplinen, etwa bei Tunnelbau- und Bohrverfahren. Besonders sichtbar wird der Abgleich mit Ansätzen aus der Zivilwelt durch die personelle Nähe zu SpaceX-nahen Engineering-Prozessen und zur „Boring Company“, die als Vergleich für schnelle Untergrundarbeiten im öffentlichen Diskurs stand. Hinzu kommt die Rolle von DARPA und dem israelischen Forschungs- und Entwicklungsdirektorat: Berichtete Feedback-Schleifen deuten darauf hin, dass die US-Seite nicht nur „Reichweite“ meint, sondern eine Neudenke für die Wirklogik im Untergrund erwartet.
Ein wichtiger Kontext ist dabei die historische Entwicklung: Militärische Planungen haben Tunnel lange im Blick, aber die konkrete technische Umsetzbarkeit für schnelle Eindring- und Zerstörungsprozesse war oft durch Zeitaufwände, Logistik und Infrastrukturgrenzen limitiert. Klassische Tunnelansätze benötigen häufig zuvor ausgehobene Schächte oder lange Vorbereitungsphasen, bevor eine Tunnelbohrmaschine (TBM) operieren kann. Traysar versucht, diese Vorbereitungszeit zu reduzieren, indem es von bekannten Industriemechaniken in Richtung „schneller Start in Geologie X“ abstrahiert und anschließend militärische Anforderungen wie Durchsatz, Signatur und taktische Einsatzfähigkeit ergänzt. Die Teamsprache, so wird es beschrieben, soll am Ende „ein Wörterbuch“ bilden, das Parameter aus dem zivilen Bohrumfeld und dem militärischen Einsatz ableitet.
Für die operative Sicherheit ist die Architektur besonders relevant: Glasfasersteuerung reduziert zwar Angriffsflächen, verlangt aber hochzuverlässige Hardware-Integration und robuste Sensorik in einer Umgebung, die Kommunikation wiederholt unterbrechen kann. Wenn die Steuerleitung in Tunneln „hängen bleibt“, ist das keine Randnotiz, sondern ein Designkriterium für Wiederholbarkeit und Wartungszyklen. Außerdem steigen die Anforderungen an Energieversorgung, Thermomanagement und an autonome Restfunktionen, falls Kommunikationspfade ausfallen. Aus Sicht von Compliance und Regulierung müssen Verteidigungstechnologien zudem in Exportkontroll- und Daten-Sicherheitsprozesse eingebettet werden: auch wenn es hier nicht um personenbezogene Daten geht, entscheidet die Schutzwürdigkeit von Einsatzparametern, Firmware-Updates und Trainingsdatensätzen über die Freigabefähigkeit.
Ein weiterer Marktanker ist die Beschaffungslogik über „Technology Readiness Levels“ (TRL). Sofer ordnet das Vorgehen dem Bericht zufolge so ein, dass das Team gezielt in Richtung TRL 7 entwickelt, um für Feldtests „bereit“ zu werden, während weitere Projekte zunächst in niedrigere Reifegrade fallen. Genau diese Diskrepanz macht Hardware-Startups schwierig: Software kann schneller iterieren, Maschinen brauchen dagegen Prototypen, Prüfstände, Sicherheitsfreigaben und realistische Testumgebungen. Gleichzeitig wirkt die Zeitkomponente politisch, weil ein verändertes Bedrohungsbild – unter anderem durch Konflikte mit verstärkter Untergrundnutzung – Druck auf Nachrüstungen erhöht. Die interne Dringlichkeit wird in Zitaten als mission-driven beschrieben, inklusive der Aussage, dass sich Abschreckung und Weltordnung dadurch verschieben könnten.
In die Zukunft gelesen, scheint Traysar weniger eine „Einmal-Lösung“ anzustreben als einen Baukasten für das Untergrund-Handling: von Breaching und Zerstörung bis hin zu Schutz und Verlagerung von Kommando- und Rechenzentren. Sofer skizziert dabei eine neue Kontur zukünftiger Konflikte, die weniger von Luftkampagnen allein bestimmt sein könnten, sondern stärker von Grabensystemen und dem Schutz über Zeit. Adin ergänzt diese Perspektive mit dem Gedanken, dass künftige Kriege nicht ausschließlich in der Luft, auf See oder an Land entschieden werden, sondern auch „im Gestein“ stattfinden. Für Entwickler und Systemintegratoren heißt das: Wer sich mit Robotik, Maschinensteuerung, sicheren Kommunikationswegen und Geologie-abhängigen Parametern beschäftigt, findet einen wachsenden Bedarf – allerdings nur, wenn Time-to-Demonstration und Sicherheitsarchitektur gleichzeitig stimmen.
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